Aufstand in Syrien Wie der Despot besiegt werden könnte

Jeden Tag Demos, jeden Tag Tote: Syrien scheint in einem blutigen Teufelskreis verfangen. Doch jetzt gibt es erste Anzeichen, dass sich das Blatt zugunsten der Aufständischen wenden könnte. Drei Szenarien zeigen, wie die Opposition doch noch gewinnen könnte.

DPA

Von , Jerusalem


Die Kruste bricht auf: Im fünften Monat des Aufstandes gegen die Herrschaft von Baschar al-Assad zeigten sich jetzt erstmals Risse in der syrischen Diktatur. Eine Gruppe ehemaliger Minister und Baath-Partei-Kader wandte sich mit Forderungen nach einem Ende der Gewalt und der Einführung einer parlamentarischen Demokratie an die Öffentlichkeit: ein klarer Bruch mit dem Regime.

Aber auch hinter den hohen Mauern der Paläste scheint es in Damaskus zu rumoren: "Sie haben begonnen, uneins zu sein", zitierte die "New York Times" einen Vertreter der US-Regierung in Washington. "Es gibt Leute in der Regierung, die anfangen, wirklich frustriert zu sein über Assad und seine Sicherheitskräfte." Das einstmals eingeschworene Führungsteam in Syrien sei tief zerstritten: Der US-Beamte verglich das in Damaskus herrschende Klima mit einer schlechten Ehe.

Fünf Monate der Rebellion haben in Syrien nach Schätzungen über 2000 Menschenleben gekostet. Trotz dieser Blutopfer war die Lage bislang festgefahren. Denn Assad klammert sich an seine Macht. Mit Zugeständnissen und der Ankündigung von Reformen versucht er, dem Aufstand den Schwung zu nehmen. Durch massive Gewaltanwendung will er den Widerstand brechen. Doch vergeblich: Opposition und Sicherheitskräfte sind wie ineinander verbissen. Keine Seite ist stark genug, die andere zu besiegen, keiner der Gegner so geschwächt, dass er aufgeben würde.

Um das zu ändern, müsste Schwerwiegendes passieren: Entweder eine wichtige, bislang nicht in den Konflikt involvierte Gruppe wirft ihr Gewicht in die Waagschale. Oder eine der Konfliktparteien ändert doch noch ihre Haltung. Die Machtverhältnisse in Damaskus haben anscheinend bereits begonnen, sich zu verschieben. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sie vollends ins Rutschen geraten. Anstoß dazu könnten verschiedene Ereignisse sein:

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RagabAbdelaty 14.08.2011
1. Assad hat die Kontrolle verloren
Bis vor wenigen Monaten behauptete Assad, dass er der einzige arabische Herrscher, der an der Seite der Palästinenser stehe und die arabische Welt vor ausländischer Einmischung schützen wolle. Jetzt ist es aber klar, dass dies nur Propaganda für seine eigene Macht und sein Amt war; die Armee lässt er jetzt die Demonstranten töten und Reformen bleiben nur auf Papier. Sein einziger Verbündete ist jetzt Hassan Nasrullah von Hisbullah und vielleicht noch Iran, beide aus nur religiösen Gründen. Die arabischen Herrscher in Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait usw. haben endlich begonnen, Druck auf Assad zu machen. Jetzt verliert Assad seine arabischen und ausländischen Verbündeten, einen nach dem anderen und er wird ausgeben müssen. Dafür braucht man folgendes: 1. Mehr Druck von den arabischen Ländern, zumindest durch Abzug von Botschaftern 2. Wirtschaftlich-politisch stärkere Rolle des Westens, aber keinen militärischen Einsatz, denn sowas macht Assad stärker Assad wird in diesem Fall die Kontrolle verlieren und ausfegen .. was später sein kann, muss man auch richtig planen, damit das Land in keinen Bürgerkrieg gerät.
ohnefilter 14.08.2011
2. Ruhe und Geduld
Zitat von sysopJeden Tag Demos, jeden Tag Tote: Syrien scheint in einem blutigen Teufelskreis verfangen. Doch jetzt gibt es erste Anzeichen, dass sich das Blatt zu Gunsten der Aufständischen wenden könnte. Drei Szenarien zeigen, wie die Opposition doch noch gewinnen könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,779901,00.html
Assad muss zunächst Ruhe im Lande herstellen, das ist das wichtigste. Ein Land wie Syrien braucht starke Führung. Ausländische Mächte sollten sich aus dem Konflikt heraushalte. Wir Deutschen wollen auch nicht, dass Araber unserer Regierung erklären, was sie zu tun und zu lassen hat.
navy, 14.08.2011
3. Syrien
Die Geschichte ist viel komplexer! Unruhen schürten vor allem erneut die Moslem Bruderschaft, und was das für Israle bedeutet, wenn diese Leute die Macht übernehmen, kann man sich denken. Natürlich ist das Asaad Regime längst überholt. eine Demokratie wird Syrien wie andere Staaten niemals siehe Kosovo und alte CIA Methode. Durch die Finanzierung von Anschlägen, durch Terroristen, wird die Staats Macht herausgefordert, wo man Selbige durch die eigenen NG0's, wie HRW und Co. dann kritisieren kann.
pingpong 14.08.2011
4. Titel
Zitat von RagabAbdelatyBis vor wenigen Monaten behauptete Assad, dass er der einzige arabische Herrscher, der an der Seite der Palästinenser stehe und die arabische Welt vor ausländischer Einmischung schützen wolle. Jetzt ist es aber klar, dass dies nur Propaganda für seine eigene Macht und sein Amt war; die Armee lässt er jetzt die Demonstranten töten und Reformen bleiben nur auf Papier. Sein einziger Verbündete ist jetzt Hassan Nasrullah von Hisbullah und vielleicht noch Iran, beide aus nur religiösen Gründen. Die arabischen Herrscher in Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait usw. haben endlich begonnen, Druck auf Assad zu machen. Jetzt verliert Assad seine arabischen und ausländischen Verbündeten, einen nach dem anderen und er wird ausgeben müssen. Dafür braucht man folgendes: 1. Mehr Druck von den arabischen Ländern, zumindest durch Abzug von Botschaftern 2. Wirtschaftlich-politisch stärkere Rolle des Westens, aber keinen militärischen Einsatz, denn sowas macht Assad stärker Assad wird in diesem Fall die Kontrolle verlieren und ausfegen .. was später sein kann, muss man auch richtig planen, damit das Land in keinen Bürgerkrieg gerät.
Das wohl eher nicht...die Vernetzungen zwischen Hizbollah, Syrien und Iran sind deutlich vielschichtiger (und dadurch schwieriger aufzulösen) als es sich durch etwaige gemeinsame religiöse Ansichten erklären ließe. Sind Sie das Propagandasprachrohr vom Dienst, ist das tatsächlich Ihre Ansicht, oder wollten Sie auf etwas anderes hinaus und waren nur nicht in der Lage, sich sprachlich weniger zynisch und gedankenlos zu äußern?
robbyy 14.08.2011
5. Zwei Wochen noch..
.. da marschiert die Türkei ein. Denn eine Flüchtingswelle ist das letzte was sie brauchen könnnen.
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