Auftragsmord in Moskau Einflussreicher Tschetschene auf offener Straße erschossen

Einer der einflussreichsten Politiker der Teilrepublik Tschetschenien ist tot: Ein Unbekannter erschoss den früheren Duma-Abgeordneten Ruslan Jamadajew, als dieser mit seinem Auto an einer Ampel hielt. Die Polizei geht von einem Auftragsmord aus.


Moskau - Bluttat im Zentrum der russischen Hauptstadt: Einer der einflussreichsten Politiker der Teilrepublik Tschetschenien ist auf offener Straße erschossen worden. Der frühere Duma-Abgeordnete Ruslan Jamadajew wurde am Mittwoch in seinem Auto von einem Unbekannten getötet, teilte Polizeisprecher Waleri Gribakin mit.

Ermittler untersuchen Jamadajews Wagen: Tödliches Attentat auf offener Straße
AP

Ermittler untersuchen Jamadajews Wagen: Tödliches Attentat auf offener Straße

Nach Angaben des russischen Nachrichtendienstes Ria Novosti wurde Jamadajews Mercedes auf der Smolenskaja-Uferstraße unweit vom Außenministerium beschossen. Vor Ort seien Ermittler eingetroffen, die zehn leere 9-mm-Hülsen vorfanden, so der Nachrichtendienst.

Der 1961 geborene Ruslan Jamadajew wurde allem Anschein nach von einem Auftragsmörder hingerichtet. Jamadajew hatte nach Angaben der Polizei Halt an einer roten Ampel gemacht, als die tödlichen Schüsse fielen. Eine zweite, noch nicht identifizierte Person im Auto sei schwer verletzt worden, hieß es weiter.

Mehrere russische Agenturen hatten zunächst gemeldet, Jamadajews Bruder Sulim, bis vor kurzem einer der mächtigsten Kommandeure der tschetschenischen Elite-Einheit "Wostok", sei dem Anschlag zum Opfer gefallen. Wenig später korrigierten sie die Information.

Der ermordete Ruslan Jamadajew galt als politische Stimme des Clans. Er war ebenso wie sein Bruder Sulim vom früheren russischen Präsidenten Wladimir Putin als "Held Russlands" mit dem höchsten Orden des Landes ausgezeichnet worden.

Konflikt mit Tschetscheniens Präsident

Die Angehörigen des Jamadajew-Clans waren in den vergangenen Monaten in Konflikt mit dem ebenfalls kremltreuen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow geraten.

Die insgesamt drei Jamadajew-Brüder kontrollierten in den vergangenen Jahren gemeinsam die Einheit "Wostok" ("Osten"). Teile der Einheit sollen zuletzt zu Kadyrow übergelaufen sein. Menschenrechtler werfen beiden Seiten Verbrechen wie Morde und Entführungen vor.

Im ersten Tschetschenien-Krieg Mitte der neunziger Jahre hatten der Jamadajew-Clan und der Kadyrow-Clan noch gemeinsam als Rebellen gegen die russischen Truppen gekämpft.

Offiziell ist die "Wostok" dem militärischen Geheimdienst GRU unterstellt. Viele Kämpfer, unter ihnen Sulim Jamadajew, nahmen Anfang August auf Seiten der russischen Armee im Südkaukasus-Krieg gegen Georgien teil.

Die vor zwei Jahren ermordete Journalistin Anna Politkowskaja hatte wiederholt über kriminelle Machenschaften im nordkaukasischen Konfliktgebiet berichtet. Die russische Justiz verdächtigt einen flüchtigen Tschetschenen als ihren Mörder.

amz/dpa/Reuters



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