Auge um Auge Israel kündigt Terrorgruppen den Kampf an

Nach dem Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem will Israel wieder gezielt gegen palästinensische Terror-Organisationen vorgehen. Das beschloss das Sicherheitskabinett unter Premier Ariel Scharon. Bereits in der Nacht unternahm die israelische Armee erste Aktionen im Westjordanland.



Jerusalem - Truppen rückten am Donnerstagmorgen mit Panzern in die Städte Nablus und Dschenin im Westjordanland ein und durchsuchten Häuser. In Dschenin waren laut Berichten von Zeugen nach dem Einmarsch der israelischen Soldaten Schüsse zu hören. Über die Innenstadt von Nablus wurde den Angaben zufolge ein Ausgehverbot verhängt. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Soldaten suchten nach Bombenwerkstätten und militanten Palästinensern. Bereits am Mittwochabend seien in der Gegend von Dschenin sechs gesuchte Palästinenser festgenommen worden.

In Tulkarem im Norden des Westjordanlands erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben am Mittwochabend einen 16-jährigen Palästinenser. Ein Gewährsmann der israelischen Armee sagte, die Soldaten seien bei der Suche nach einem verdächtigen Palästinenser beschossen worden und hätten das Feuer erwidert. Nach palästinensischen Angaben war der Jugendliche unbewaffnet. Bei dem Zwischenfall wurden außerdem fünf Personen verletzt.

Nach dem Selbstmordanschlag vom Dienstag auf einen vollbesetzten Bus mit strenggläubigen Juden, bei dem mindestens 20 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden, beschloss die israelische Regierung eine Reihe gezielter Militärschläge gegen palästinensische Extremisten. Wie am Mittwoch aus Sicherheitskreisen verlautete, sollen diese Aktionen unabhängig davon erfolgen, ob die Autonomiebehörde gegen die militanten palästinensischen Gruppen durchgreift. Eine groß angelegte Militäroffensive sei aber nicht geplant.

Die palästinensische Führung ist derweil weiter zerstritten über das Vorgehen gegen die militanten Organisationen. In einer Sitzung in Ramallah, die bis in die Morgenstunden dauerte, konnte sie sich nicht auf weit reichende Maßnahmen einigen.

Zwischen dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat und Regierungschef Mahmud Abbas gibt es offenbar auch nach dem Anschlag große Differenzen bezüglich des Vorgehens gegen die Extremisten. In der Sitzung, an der neben Arafat und Abbas ranghohe Funktionäre der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) sowie Mitglieder des Kabinetts teilnahmen, soll es zu heftigen Wortgefechten gekommen sein.

Während Abbas nach Informationen aus Teilnehmerkreisen ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Extremisten forderte, mahnte Arafat zur Zurückhaltung. Zur Begründung führte er an, ein hartes Vorgehen gegen die militanten Organisationen könne einen Bürgerkrieg entfesseln.

In einer weitgehend allgemein gehalten Erklärung verurteilte die palästinensische Führung den Selbstmordanschlag. Sie verständigte sich darauf, weiter an der Umsetzung des internationalen Friedensplans zu arbeiten. Die so genannte Road Map fordert von den Palästinensern die Auflösung der militanten Organisationen.

Laut der Erklärung will die Autonomiebehörde die Waffen der Extremisten unter Kontrolle bringen. Außerdem sollen öffentliche Kundgebungen der militanten Gruppen verboten werden. Abbas wollte dem Vernehmen nach darüber hinaus ein Verbot der Hamas und des Islamischen Dschihad, die sich zu dem Bombenanschlag in Jerusalem bekannt haben. Ferner sollte das Vermögen der militanten Gruppen eingefroren werden.

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