Augenzeugen-Videos aus Syrien Die Sekunde vor dem Schuss

Neue Videoaufnahmen aus Syrien zeigen den perfiden Kampf des Assad-Regimes gegen die Opposition. In einer Aufnahme filmt ein Mann offenbar genau jenen Scharfschützen, dessen Opfer er kurz darauf wird.

YouTube

Hamburg - Es sind dramatische Szenen, die in der syrischen Stadt Homs spielen. Sie zeigen den brutalen Kampf der Unterstützer von Diktator Baschar al-Assad gegen seine Gegner. In der Hochburg der Demonstranten hat ein junger Mann offenbar am Freitag gefilmt, wie er selbst Opfer eines Heckenschützen wird.

In einem kurzen YouTube-Video, über das der britische "Guardian" berichtet, ist zunächst zu sehen, wie jemand vom oberen Stockwerk eines Gebäudes filmt, während im Hintergrund immer wieder Sprechchöre, aber auch vereinzelt Schüsse zu hören sind. Es werde ohne Grund auf die Bürger im Stadtteil Karm al-Sham geschossen, es gebe auch keine Demonstrationen, berichtet der Mann, dessen Identität ungeklärt ist. Immer wieder schwenkt er mit seiner Kamera in die engen Straßen der drittgrößten syrischen Stadt, ist auf den verwackelten Aufnahmen zu sehen. Doch plötzlich fängt er auch einen bewaffneten Uniformierten ein, der sich hinter einer Mauer versteckt.

Wenige Sekunden später ist zu sehen, wie dieser Mann in Olivgrün seine Waffe anhebt, offenbar auf den Filmer zielt - und schießt. Dann zeigt das Video nur noch den Boden des Balkons. Man hört jemanden stöhnen, und eine verzweifelte Stimme ruft um Hilfe. Was aus dem Mann geworden ist, ist unklar

Ob das Video authentisch ist, lässt sich nicht klären. Denn ausländische Journalisten und Menschenrechtsgruppen sind weitgehend aus Syrien verbannt. In einem in dem Video eingeblendeten Schriftzug wird behauptet, der Scharfschütze sei ein Mitglied der Schabiha, der Miliz des Assad-Regimes.

Nach dem Freitagsgebet war es erneut zu Massenkundgebungen gegen Assads Regime gekommen. Allein in der Stadt Hama, die ebenfalls eine Hochburg des Widerstands gegen Assad ist, sollen schätzungsweise 300.000 Menschen an Demonstrationen teilgenommen haben. Im ganzen Land sollen mindestens 24 Anhänger der Opposition getötet worden sein.

Wie brutal Assads Militär gegen sie vorgeht, zeigt ein anderes, ebenfalls bei YouTube zu sehendes Video, das am Wochenende veröffentlicht wurde. Darin ergreift eine große Anzahl Demonstranten in al-Qarabis in der Nähe von Homs auf einer Straße angesichts von Gewehrfeuer panisch die Flucht, die Menschen versuchen, sich zu verstecken. Am Ende der Aufnahme ist zu sehen, wie ein offenbar von den Schüssen getroffener Mann von mehreren anderen hinter ein Auto in Sicherheit gebracht wird. Es soll sich bei dem Opfer um den Aktivisten und Blogger Diyya al-Najjar handeln.

Ein Augenzeuge habe der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch geschildert, dass der junge Mann von Scharfschützen, die sich ebenfalls nur wenige Meter entfernt hinter einem Auto versteckt hatten, tödlich in den Kopf geschossen wurde.

Seit Mitte März sollen bei den Protesten gegen Assad nach Angaben der Opposition mehr als 1400 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Regierung in Damaskus bestreitet diese Zahl.

als/dapd



insgesamt 34 Beiträge
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JensS 04.07.2011
1. Also irgendwas stimmt da nicht...
Ich hab versucht das Video anzugucken und alles was kam war Jörg Pilawa beim Würstchenfressen.
götterspeise 04.07.2011
2. 43
Liebe SPONs, das was man auf dem Video sieht, ist kein "Scharfschütze", sondern ein Soldat mit einem automatischen Gewehr, der in einem laufenden Gefecht umgehend auf die hinter einer Dachmauer auftauchenden Person (Kameramann) schiesst. Ich vermute, 9 von 10 überlebenswilligen Soldaten hätten in dieser Situation wohl nicht anders reagiert. Im Orts-und Häuserkampf schiesst man auf plötlich auftauchende Ziele lieber einmal zuviel als zu wenig. Der Mut des Kameramannes, die Geschehnisse in seiner Stadt zu filmen, wurde nicht belohnt. Er hat wohl leider einen hohen Preis für seinen Wagemut bezahlen müssen.
frubi 04.07.2011
3. .
Zitat von sysopNeue Videoaufnahmen aus Syrien zeigen den perfiden Kampf des Assad-Regimes gegen die Opposition. In einer Aufnahme filmt ein Mann offenbar genau jenen Scharfschützen, dessen Opfer er kurz darauf wird. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,772114,00.html
Dieses Video wird ihnen präsentiert vom Würstchen mampfenden Pilawa. Werbung vor Videos kann auch auch mal deplaziert sein. Gab es so ein Video nicht schonmal vor 30-40 Jahren in Argentinien? Dort wurde doch auch ein Kameramann, der den Schuss auf sich noch gefilmt hat, von einem Schergen getötet.
misraki 04.07.2011
4. Welchen Videos soll man noch trauen?
man kann heutzutage keinem Video oder anderen Beiträgen im Internet mehr glauben, genauso wie dieser pseudo-lesbisch-syrische Bloggerin, die als amerikanischer (oder waren es englischer) Student enttarnt wurde. Oder Videos, die im Irak aufgenommen wurden und als Aufnahmen aus Syrien verbreitet wurden. Es ist einfach ein Krieg über die Medien. Toller Beitrag des SPON.
KnoKo 04.07.2011
5. Blablabla
Was soll eigentlich das ganze Gelaber von Syrien? Es müssen Prioritäten gesetzt werden und viel wichtiger ist doch, dass die "westliche Welt" sich um die Sicherheit des libyschen Öls kümmert. *DAS* ist wirklich wichtig und nicht die Menge an Untertanen, welche Herr Assad so nach und nach ausnullt. Wobei, da fällt mir ein - wo sind eigentlich die hieb- und stichfesten Beweise für die angeblichen Gräueltaten eines Herrn Gaddafi, welche ja immer wieder als Grund für die Intervention herhalten müssen?
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