Ausbildungs-Notstand US-Oberkommandeur enttäuscht von irakischer Armee

Der Oberkommandeur der US-Armee im Irak ist besorgt über den Ausbildungsstand der einheimischen Soldaten. Ohne zusätzliche amerikanische Truppen könnten sie die angespannte Sicherheitslage nicht bewältigen. Bei gezielten Anschlägen wurden am Wochenende mehrere irakische Zivilisten getötet, die im Dienste der US-Armee standen.


Oberkommandeur Abizaid: Mehr US-Truppen in den Irak
AP

Oberkommandeur Abizaid: Mehr US-Truppen in den Irak

Bagdad - General John Abizaid sagte auf einer Konferenz über Sicherheitsfragen in Bahrain, dass die irakischen Truppen ohne zusätzliche US-Truppen nicht in der Lage seien, die Rebellen in Schach zu halten. Gerade im Hinblick auf die angespannte Sicherheitslage vor den geplanten Parlamentswahlen fehle es den einheimischen Soldaten und Sicherheitskräften an Training und Erfahrung, sagte Abizaid.

Bei gezielten Rebellen-Anschlägen sind am Sonntag laut "BBC News Online" 17 irakische Zivilisten getötet worden, die für die US-Armee arbeiteten. Weitere 13 wurden verletzt. Die Arbeiter waren auf dem Weg zu einer amerikanischen Militärbasis in Tikrit, nördlich von Bagdad. "Zwei Fahrzeuge eröffneten das Feuer auf den Bus mit den Zivilisten, der angehalten hatte, um die Arbeiter abzusetzen", sagte der Sprecher 1. Infantrie-Division der US-Armee, Captain Bill Coppernoll, laut BBC.

Bei einer anderen Attacke wurden 3 irakische Soldaten getötet, als ein Selbstmordattentäter mit seinem Fahrzeug in einen Checkpoint der irakischen Nationalgarde in Beiji, nördlich von Tikrit, raste. 18 weitere Soldaten wurden bei dem Anschlag verletzt.

An einem der blutigsten Wochenenden seit langem waren wenigstens 14 irakische Zivilisten in Bagdad und Mossul durch Bombenattentate getötet worden. Laut Informationen der US-Armee starben zwischen Freitag und Sonntag 6 amerikanische Soldaten bei Rebellen-Anschlägen im ganzen Land.

General Abizaid sagte, er halte es für nötig, "mehr amerikanische Truppen" in den Irak zu bringen, um die Sicherheit der für den 30. Januar geplanten freien Wahlen im Irak zu gewährleisten. Zwar habe sich die Lage an den Grenzen verbessert und die Zahl der irakischen Soldaten sei höher als je zuvor; dennoch benötigten die einheimischen Truppen noch Unterstützung und Anleitung. Abizaid ist enttäuscht, dass die irakische Armee sich nicht schnell genug entwickle, um die Sicherheitslage bewältigen zu können. "Es war unsere Hoffnung, dass wir eine Kombination von Truppenverstärkungen haben würden, die hauptsächlich die irakische Armee betreffen würde", sagte Abizaid mit Blick auf seine Forderung nach mehr US-Sicherheitskräften im Irak.

Das Pentagon hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Truppenstärke der US-Armee im Irak bis Mitte Januar um 12.000 Soldaten ansteigen sollte. Insgesamt befänden sich dann 150.000 amerikanische Soldaten in der Krisenregion.

Abizaid appellierte in seiner Rede auch an die Nachbarstaaten des Iraks, insbesondere an Iran und Syrien, beim Kampf gegen die Rebellen entschiedener mitzuhelfen. "Es ist sehr wichtig, dass jedem bewusst ist, dass die Stabilität des Iraks nicht nur von den Leuten innerhalb des Landes abhängig ist, sondern auch von den Nachbarstaaten", sagte der General in Bahrain. Wenn die Nachbarländern den Rebellen erlauben, von ihrem Territorium aus gegen den Irak zu agieren, "dann haben wir eine sehr schwierige Situation", so Abizaid.



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