Ausfall vor laufender Kamera Dänischer Minister beschimpft Reporter als "Arschloch"

Der Journalist stellte dieselbe Frage immer wieder - da rastete sein Interviewpartner aus: Dänemarks Gesundheitsminister hat einen Reporter vor laufender Kamera als "Arschloch" und "dummes Schwein" beschimpft. Im Internet ist der minutenlange Wutausbruch ein Hit.
Minister Haarder: Ausraster vor laufenden Kameras

Minister Haarder: Ausraster vor laufenden Kameras

Foto: Chris Kleponis/ dpa

Kopenhagen - Er gestikuliert wild, hebt die Hände, rennt immer wieder davon: Ein Wutausbruch von Gesundheitsminister Bertel Haarder sorgt in Dänemark für Aufregung. Ein Videomitschnitt des Vorfalls ist bei YouTube zum Renner geworden, Zehntausende haben es bereits angeklickt.

In dem Film ist das ganze Drama zu sehen: Haarder wird von einem Radioreporter zu Operationen von Fettleibigkeit befragt - der Journalist hakt mehrmals nach, was eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema beschlossen habe. Minister Haarder gerät daraufhin in Rage. Er kenne diese Arbeitsgruppe nicht, ruft der Politiker von der rechtsliberalen Regierungspartei Venstre immer wieder.

Schnell eskaliert die Stimmung: Haarder beschimpft sein Gegenüber als "Arschloch" und "dummes Schwein". "Du behandelst mich hier wie Scheiße", herrscht er den Fragesteller an (in Dänemark ist das Duzen auch in offiziellen Kontakten weit verbreitet).

"Du kannst nicht mit Fragen kommen, von denen ich keinen Schimmer habe"

Der Reporter versucht die Situation zu entschärfen: "Wenn du in so einer Stimmung bist, solltest du dich besser nicht filmen lassen", versucht er den aufgebrachten Minister zu beruhigen. Aber Haarder ist über eine "nicht abgesprochene" Frage zur Anzahl von Operationen gegen Fettleibigkeit so erbost, dass er sich nicht mehr beherrschen kann. Immer neue Verbalattacken feuert der Politiker, bereits seit 20 Jahren Minister, gegen den Journalisten von Danmarks Radio (DR): "Du kannst hier Freitagabend nicht mit Fragen kommen, von denen ich keinen Schimmer habe. Mir reicht's." Dann schreit er ihn an: "Frag jetzt, verflucht noch mal! Du bist ja hier der Herrscher."

Hinterher gab sich Haarder reumütig: Er entschuldigte sich am Tag nach dem Interview schriftlich, verwies aber auch auf "Stress", weil er zwischen dem Essen und dem geplanten Besuch eines Weihnachtskonzertes eigentlich keine Zeit gehabt habe. Der Journalist habe durch die ständige Wiederholung seiner Frage "nicht die geringste Rücksicht" gezeigt.

Tatsächlich wiederholte der Interviewer eine einzige Frage viermal - was nicht unüblich ist. Zudem bat er den Minister vor laufender Kamera, doch bitte so zu antworten wie bei der Vorbesprechung. Der Sender DR begründete die komplette Veröffentlichung des Vorfalls mit zunehmenden Versuchen von Politikern, nur noch komplett abgesprochene Interviews zuzulassen.

Bei diversen Internet-Abstimmungen äußerte die Mehrheit der Befragten Verständnis für den Minister.

anr/dpa

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