Ausländerknast in Südkorea Extrawurst für schwere Jungs

Sie bekommen ihr eigenes Essen, Satelliten-TV, Bücher in ihrer Sprache: Südkorea spendiert ausländischen Betrügern, Drogendealern und Mördern bessere Haftbedingungen - aus Rücksichtnahme auf ihre Kultur, sagen die Behörden. Einheimische Gefangene protestieren.

Ministry of Justice, Republic of Korea

Von Malte E. Kollenberg, Seoul


"Eintreten für Gerechtigkeit und Gleichheit" steht auf der Visitenkarte von Kim Kyoung-Chul. Der kleine, leicht untersetzte Mann ist Direktor von Südkoreas erstem Ausländergefängnis, rund hundert Kilometer südlich der Hauptstadt Seoul gelegen. In der JVA Cheonan sitzen rund 800 Nicht-Koreaner ein. Betrüger, Drogendealer, auch Mörder und Vergewaltiger. Von drei Monaten bis zu lebenslänglich ist alles dabei. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Auf dem Papier sind sie Ausländer.

Mit der Gleichheit ist es allerdings nicht weit her in koreanischen Gefängnissen. Denn im Ausländerknast werden die Insassen anders behandelt: besser.

Im März 2010 hat das koreanische Justizministerium die ehemalige Jugendvollzugsanstalt als Gefängnis speziell für ausländische Insassen wiedereröffnet. Als "das weltweit erste Gefängnis dieser Art" wird das gut 400.000 Quadratmeter große Areal von den koreanischen Behörden bezeichnet. Die Insassen haben Zugang zu Satellitenfernsehen in Englisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch, die Wärter sind mehrsprachig, und es gibt "Guten Morgen Korea", ein koreanisches Kultur- und Sprachprogramm. Die Bibliothek umfasst rund 30.000 fremdsprachige Bücher, zum großen Teil Spenden von Botschaften.

Kim Kyoung-Chuls Vorgänger hatte es bei der Eröffnung des Gefängnisses Anfang 2010 so ausgedrückt: Die Straftäter sollten auch nach ihrer Inhaftierung und Verurteilung noch den "koreanischen Traum" leben können.

Denn viele der Insassen sind nach Korea gekommen, auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Dass sie nun im Gefängnis sind, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ihr koreanischer Traum vorbei ist. "Im Gefängnis ist die Hauptsprache Koreanisch. Das lernen die ganz schnell. Auch gestritten wird nur auf Koreanisch", erklärt Programmoffizier Lee Jae-Ho.

Die Sprachkenntnisse können später wichtig werden. Wer entlassen wird, hat theoretisch die Möglichkeit, eine Aufenthaltsgenehmigung für Korea zu beantragen, gutes Koreanisch kann da nicht schaden. Ob diese genehmigt wird, muss aber letztendlich die Einwanderungsbehörde von Fall zu Fall entscheiden. Wer Pech hat, wird abgeschoben.

Systematischer Umgang mit kriminellen Ausländern

Dass es bei der Einrichtung eines Ausländergefängnisses nur um die Bedürfnisse der Gefangenen geht, ist aber nur die halbe Wahrheit. Eigentlich liegt der Grund in der viel leichteren Verwaltung. Nur in einem Knast spezielles Essen und besondere Kulturprogramme anzubieten, ist eben wesentlich einfacher als in jedem der 50 südkoreanischen Gefängnisse. "Um systematisch mit der steigenden Zahl ausländischer Straftäter umzugehen, war ein Ausländergefängnis unabdingbar", erklärte der südkoreanische Justizminister Lee Kwi-Nam bei der Eröffnung im März 2010. Zwischen 2006 und 2010 hat sich die Zahl nicht koreanischer Inhaftierter in Korea mehr als verdoppelt, von gut 600 auf mehr als 1500.

Seit der Eröffnung sieht sich die JVA in Cheonan allerdings dem Vorwurf ausgesetzt, mit ihrem Konzept Ausländer zu bevorteilen. In koreanischen Medien forderten ehemalige Häftlinge, die Regierung müsse die schrecklichen Zustände der koreanischen Gefangenen verbessern, bevor Ausländer bessere Haftbedingungen bekommen könnten. Das Ausländergefängnis aber als positive Diskriminierung von Minderheiten zu sehen, dagegen wehrt sich die Gefängnisleitung. "Auf die Bedürfnisse der ausländischen Gefangenen einzugehen, ist nicht Diskriminierung koreanischer Häftlinge, es ist Rücksichtnahme auf andere Kulturen", erklärt deshalb der Programmoffizier Lee Jae-Ho.

Bevor koreanische, westliche und vegetarische Mahlzeiten angeboten worden seien, habe es immer wieder Beschwerden über das Essen gegeben, berichten die Wärter. Seit es den Ausländerknast gibt, sind die Gefangenen nun angeblich zufrieden. Diese Extrawurst hat ihren Preis. Knapp drei Euro kostet eine Portion westliches oder vegetarisches Essen. Das ist etwa 20 Prozent teurer als eine koreanische Portion.

In Korea im Gefängnis, aber in Deutschland nicht vorbestraft

Aus mehr als 30 Nationen kommen die Insassen in der JVA Cheonan. Rund 55 Prozent der Inhaftierten stammen aus China und Ländern, in denen Chinesisch gesprochen wird. Daneben stammen viele aus Russland, aus Südost- oder Zentralasien. Selbst ein Verurteilter mit deutschem Pass sitzt im Ausländergefängnis ein. Mitte der siebziger Jahre in Korea geboren, hat er sich Anfang der neunziger Jahre in Deutschland einbürgern lassen. Die Frage, wie lange er schon hier sei, wird von der Gefängnisleitung ausweichend beantwortet. Ein oder zwei Jahre heißt es. Er selbst will nicht mit Medienvertretern reden. Über die eigene Geschichte sprechen - das möchte kaum einer der Gefangenen.

Der Grund dafür ist einfach: Zwar müssen Ausländer nach Artikel 36 der Wiener Konvention über konsularische Beziehungen bei ihrer Festnahme über ihr Recht aufgeklärt werden, sich an die zuständige Vertretung ihres Landes wenden zu dürfen, aber "nicht alle melden sich dann auch dort", erklärt Alexander Nowak, Leiter des Rechts- und Konsularreferats der deutschen Botschaft in Südkorea. "Wenn wir von strafrechtlichen Vorfällen erfahren, geben wir das nach Deutschland weiter, auch die Entlassungsdaten", erläutert Nowak. "Manche bauen darauf, dass das den deutschen Behörden nicht bekannt ist."

Mit etwas Glück ist also "vorbestraft in Korea" nicht gleich "vorbestraft in Deutschland".

insgesamt 6 Beiträge
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kommando, 04.07.2011
1. kriminelle auslaender
das problem mit kriminellen auslaendern scheint es entgegen aller deutscher volksweisheit nicht nur in deutschland zu geben. nur dass in anderen laendern diese kriminellen auslaender christen sind und weisse hautfarbe haben.
truthful 04.07.2011
2. Schmarrn
was soll das bringen sich als im Ausland lebender Deutscher bei der Botschaft zu melden? Gibts da Strafnachlass? Die Deutschen mit ihren verrückten Meldepflichten. Wozu soll das gut sein?
Methados 04.07.2011
3. .
ui und ich dachte nur wir deutschen hätten den knast abgeschafft.
Crom 04.07.2011
4. ...
Zitat von kommandodas problem mit kriminellen auslaendern scheint es entgegen aller deutscher volksweisheit nicht nur in deutschland zu geben. nur dass in anderen laendern diese kriminellen auslaender christen sind und weisse hautfarbe haben.
Im Artikel steht, dass die meisten Insassen aus China kommen. Wie passt das zur Ihrer Theorie?
vincenoir 04.07.2011
5. Kein Titel
Zitat von truthfulwas soll das bringen sich als im Ausland lebender Deutscher bei der Botschaft zu melden? Gibts da Strafnachlass? Die Deutschen mit ihren verrückten Meldepflichten. Wozu soll das gut sein?
Klingt erstmal komisch, stimmt. Aber vielleicht soll das verhindern, dass man in irgendeinem System einfach so verschwindet. Wenn ich zum Beispiel in China im Knast wäre, wäre mir auch wohler, wenn irgendeine deutsche Stelle darüber und über das Entlassungsdatum oder Verlegungen informiert wäre. Macht es wohl auch für Verwandte in Deutschland leichter, Kontakt aufzunehmen.
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