Auslieferung Noriega verzögert Abschiebung nach Frankreich

Der ehemalige Machthaber Panamas ist mit seinem Einspruch gegen die Auslieferung nach Frankreich gescheitert - und gibt immer noch nicht auf: Sein Anwalt legte sofort Berufung ein. Damit könnte sich die Abschiebung, die für Sonntag geplant war, um Wochen verschieben.


Miami- Nachdem ein Richter in Miami (Florida) die Überstellung Noriegas an die französischen Behörden gebilligt hatte, legte sein Rechtsvertreter sofort Berufung ein. Am Sonntag sollte Manuel Noriega wegen guter Führung vorzeitig aus dem US-amerikanischen Gefängnis entlassen und umgehend nach Frankreich gebracht werden. Nun können ihn die Behörden bis zur Klärung der Abschiebung weiter in Haft behalten.

General Noriega (1989): Ungewünschte Auslieferung um Wochen hinausgeschoben.
AP

General Noriega (1989): Ungewünschte Auslieferung um Wochen hinausgeschoben.

Die Auslieferung könnte sich nun um Wochen, wenn nicht Monate verzögern, wie der auf Immigrationsrechtsfälle spezialisierte Jurist Douglas McNabb erläuterte. Nach seinen Worten ist es nicht auszuschließen, dass am Ende das Oberste Gericht der USA entscheiden muss.

Noriega will seine Auslieferung nach Frankreich verhindern, weil ihm dort weitere zehn Jahre Haft bevorstehen. Ein Gericht hatte den heute 72-jährigen 1999 in Abwesenheit wegen Geldwäsche verurteilt. Dabei war er in Paris einst wohlgelitten: Seit 1987 ist Noriega Kommandeur der Ehrenlegion.

Der frühere Machthaber verbüßt in Miami seit 1992 eine 40-jährige Haftstrafe wegen Drogenhandels, die wegen guter Führung auf 17 Jahre reduziert wurde.

Noriega war von 1971 bis 1983 Chef des militärischen Geheimdienstes Panamas und regierte das mittelamerikanische Land von 1983 bis 1989 mit harter Hand. Unterstützung erhielt er von den USA. Da er nach Einschätzung der US-Geheimdienste aber zunehmend mit den Drogenkartellen zusammenarbeitete, statt gegen sie vorzugehen, marschierten US-Truppen Ende 1989 in Panama ein und nahmen Noriega gefangen. 1992 wurde er zu 40 Jahren Haft verurteilt.

Auch in seinem Heimatland Panama wartet eine Gefängnisstrafe auf Noriega. 1995 wurde er dort zu 40 Jahren Haft wegen der Ermordung zweier Oppositioneller verurteilt. Dennoch wollte er nach Verbüßung seiner Haft nach Panama zurückkehren. Nach den dortigen Gesetzen könnte er seine Strafe vom 74. Lebensjahr an als Hausarrest verbüßen.

esp/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.