Ausreise in Südsee-Staat Uiguren aus Guantanamo nach Palau entlassen

Acht Jahre saßen sie im US-Gefangenenlager Guantanamo ein, nun sind sechs Uiguren wieder in Freiheit. Vorerst ist der Inselstaat Palau in der Südsee die neue Heimat der chinesischen Muslime.

Südsee-Staat Palau: Neue Heimat für Guantanamo-Uiguren
REUTERS

Südsee-Staat Palau: Neue Heimat für Guantanamo-Uiguren


Sydney/Washington - Der Inselstaat Palau in der Südsee hat sechs Gefangene aus dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo aufgenommen. Die Uiguren wurden vom Präsident des Staates, Johnson Toribiong, persönlich begrüßt. "Sie wirken sehr glücklich", sagte Toribiong später vor Journalisten. "Sie haben gelächelt, mir gedankt und mich Bruder genannt."

Die Uiguren gehören einer muslimischen Minderheit im Westen Chinas an. Sie waren nach Angaben ihrer Anwälte vor Verfolgung in China geflüchtet und hatten sich in Afghanistan niedergelassen. Nach den Anschlägen in New York und Washington wurden sie 2001 im Rahmen der Terrorfahndung festgenommen. Erst nach Jahren kamen die Amerikaner zu dem Schluss, dass es sich nicht um "feindliche Kämpfer" handelte. Weil den Männern in China Verfolgung drohte, suchten die USA andere Aufnahmeländer.

Auf Palau sollen die sechs nach Angaben der Regierung nun Englisch-Unterricht erhalten und bei der Arbeitssuche unterstützt werden. "Wir und unsere Mandanten sind erfreut, dass Palau seine Türen geöffnet hat", teilte Rechtsanwalt Eric Tirschwell mit. "Diese Männer wollen nichts anderes als in einem demokratischen Land ohne Unterdrückung durch die Chinesen ein friedliches, produktives Leben leben. Wir hoffen, dass sich bald ein Land findet, dass ihnen eine permanente Bleibe anbietet."

Die USA hatten Anfang Mai unter anderem die Bundesregierung gebeten, Uiguren aus Guantanamo aufzunehmen. Der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) lehnte die Aufnahme nach einer Prüfung jedoch ab. Fünf Uiguren waren danach nach Albanien entlassen worden, vier weitere nach Bermuda. Palau hat angeboten, sechs weitere Uiguren aus Guantanamo aufzunehmen.

Der Inselstaat ist ein enger Verbündeter der USA. Er verhandelt gerade mit Washington über die Erneuerung der Entwicklungshilfe. Die USA haben 156 Millionen Dollar über 15 Jahre angeboten, Palau möchte 225 Millionen Dollar.

US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, das umstrittene Gefangenenlager bis Ende Januar zu schließen. Zurzeit werden dort noch etwa 215 Männer festgehalten.

phw/dpa/AP



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