Ausrüstung der Bundeswehr Künftiger Wehrbeauftragter verlangt Kampfpanzer für Afghanistan

Der Tod von drei Soldaten bei Kunduz hat eine Debatte über die Ausrüstung der Bundeswehr ausgelöst. Der designierte Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus fordert jetzt den Einsatz schwerer Kampfpanzer - nur so könne die Truppe sich ausreichend schützen.

Schwerer Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2": Abschreckende Wirkung auf die Taliban?
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Schwerer Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2": Abschreckende Wirkung auf die Taliban?


Berlin - Der designierte Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, fordert den Einsatz von schweren Kampfpanzern in Afghanistan zum besseren Schutz der deutschen Truppen. "Wer in das Kanonenrohr eines 'Leopard 2' schaut, überlegt es sich zweimal, ob er eine deutsche Patrouille angreift", sagte der FDP-Politiker dem "Tagesspiegel".

Daher sollte die Bundeswehr einige der "Leopard 2"-Kampfpanzer nach Kunduz bringen, die gegenwärtig in deutschen Depots stehen. Kritiker halten den Einsatz eines solchen schweren Kampfpanzers allerdings - gerade wegen seines Äußeren - für das falsche Signal.

Königshaus ficht das offenbar nicht an: Der Bundeswehr stehe in Afghanistan nicht alles Gerät zur Verfügung, das sie zu ihrem eigenen Schutz brauche, befand der designierte Wehrbeauftragte. So fehlten neben gut geschützten Fahrzeugen wie dem "Leopard 2" auch Hubschrauber, Mörsergranaten und moderne Aufklärungssysteme.

Für seinen Vorstoß gibt Königshaus vor allem zwei Argumente an:

  • Ein Panzer hat aus Sicht des Liberalen eine "abschreckende Wirkung" und soll Taliban daran hindern, die Bundeswehr anzugreifen.
  • Zudem sei der "Leopard 2" besser gegen Minen geschützt als leichtere Panzer wie der "Marder" oder Patrouillenfahrzeuge wie der "Dingo".

"Die Politik ist gut beraten, wenn sie sich nicht als Ersatzfeldherr aufspielt"

Königshaus tritt sein neues Amt im Mai offiziell an. Er wird Nachfolger des derzeitigen Wehrbeauftragten Reinhold Robbe, der den Posten seit 2005 innehatte. Der Wehrbeauftragte ist weder Mitglied des Bundestags noch Beamter. Er vertritt die Belange der Soldaten und fungiert als Hilfsorgan des Parlaments zur Kontrolle der Streitkräfte. Mindestens einmal im Jahr legt er dem Bundestag Rechenschaft über seine Tätigkeit ab.

Bei der Bundeswehr stoßen die Ideen von Königshaus allerdings auf Ablehnung. Ein Sprecher des Heeres erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, der "Leopard 2" sei "aufgrund der geografischen Besonderheiten in Afghanistan nicht einsetzbar". Die großen Panzer seien von ihren Ausmaßen her nicht geeignet für Patrouillenfahrten in den engen Gassen der Dörfer im Einsatzgebiet, heißt es von der Bundeswehr. Die meisten Brücken dort trügen außerdem die Last der bis zu 60 Tonnen schweren Fahrzeuge gar nicht.

Ob die Bundeswehr tatsächlich schlecht ausgerüstet ist, will der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, nun erst einmal prüfen lassen. Der CDU-Politiker sagte am Dienstag, als "militärische Laien" müssten sich Politiker auf das Urteil des Militärs verlassen. Trotz des jüngsten tödlichen Anschlags auf die Bundeswehr bei Kunduz hält Polenz an dem internationalen Einsatz in Afghanistan fest. Man könne "sich nicht einfach als einzelnes Land davonmachen".

Polenz sagte im ZDF-"Morgenmagazin", er gehe grundsätzlich davon aus, dass die Bundeswehrsoldaten gut ausgebildet und gut ausgerüstet sind. "Andernfalls könnte man das auch nicht verantworten", sagte der Politiker. "Die Politik ist gut beraten, wenn sie sich jetzt nicht als Ersatzfeldherr aufspielt, sondern sich auf das Urteil und natürlich auch auf die Forderungen der Militärs verlässt."

Ihm sei nicht bekannt, dass konkrete Forderungen der Bundeswehr nach Ausrüstung bislang nicht berücksichtigt worden seien. Entsprechender Kritik ehemaliger Soldaten werde man "sicherlich nachgehen".

Auch Robbe sieht Probleme bei der Ausrüstung

Den Einsatz am Hindukusch verteidigte Polenz: "Es geht in Afghanistan letztlich um die internationale Sicherheit und damit auch um die deutsche Sicherheit." Man wisse durch die Anschläge in London und Madrid, dass al-Qaida Afghanistan zur Vorbereitung und "als Ruheraum für terroristische Anschläge weltweit genutzt hat".

Auch der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, machte am Dienstag auf das Fehlen von Fluggerät aufmerksam. "Es fehlt insbesondere an Transportflugzeugen, an Hubschraubern", sagte Robbe im WDR. Das hänge auch mit Lieferschwierigkeiten der Industrie zusammen. Darüber hinaus habe sich die Gefahrenlage in Afghanistan anders entwickelt als ursprünglich gedacht. "Heute stellen wir fest, dass wesentlich mehr an Material notwendig ist, dass auch mehr an Personal notwendig ist."

Robbe kritisierte in der "Bild"-Zeitung zudem Mängel bei der Ausbildung der Soldaten. "Ich habe die Fallschirmjäger in Seedorf anlässlich ihrer Verabschiedung in den Afghanistan-Einsatz besucht", sagte der SPD-Politiker. "Die Soldaten haben mich darauf hingewiesen, dass es Defizite bei der Ausbildung gibt." Die von dem Vorfall betroffenen Fallschirmjäger hätten in der Ausbildung nicht genügend Fahrzeuge der Typen "Dingo" und "Fennek" gehabt, deswegen hätten sie wichtige Gefechtssituationen nicht ausreichend trainieren können. "Die Soldaten müssen eigentlich mit ihren Fahrzeugen drillmäßig das Verhalten im Gefecht üben, insbesondere das Auf- und Absitzen", erklärte er. Bei dem schweren Gefecht am Karfreitag kam es demnach genau zu einer solchen Situation, in der Bundeswehrsoldaten unter Beschuss ihre Fahrzeuge vom Typ "Dingo" verlassen mussten.

SPD-Experte Arnold sieht "markantes Defizit"

Die Linke sprach von einer "Scheindebatte" über Ausbildung und Ausrüstung der Bundeswehr. Sie solle vom Versagen der bisherigen Afghanistan-Politik der Bundesregierungen seit 2001 ablenken, rügte der Abgeordnete Paul Schäfer. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte "eine unabhängige Evaluierung des Einsatzes, die schnelle und zügige Behebung der Defizite im zivilen Bereich und einen konkreten Abzugsplan".

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold nannte im NDR das Fehlen von Kampfhubschraubern ein "markantes Defizit". Solche Helikopter könnten in kritischen Situationen sehr schnell am Einsatzort sein, um den Soldaten am Boden beizustehen. Ähnlich hatten sich zuvor der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, und Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe geäußert.

mgb/ffr/ddp/apn/AFP/Reuters

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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden "Sie " diesen Krieg auch gewinnen, "wir " Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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