Ausschreitungen in Belfast Krawalle im Katholiken-Viertel

Die vierte Nacht in Folge Krawalle in Belfast: In einem Katholiken-Viertel in der nordirischen Hauptstadt warfen Demonstranten Molotow-Cocktails und steckten ein Auto in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen sie ein.

Randale in Belfast: Vier Nächte nacheinander Krawalle
AFP

Randale in Belfast: Vier Nächte nacheinander Krawalle


Belfast - Die traditionellen Märsche der Protestanten sorgen erneut für Unruhe in Nordirland. In der Nacht zu Donnerstag gab es erneut Ausschreitungen in einem katholischen Viertel der Hauptstadt Belfast. Demonstranten warfen nach Angaben der BBC Molotow-Cocktails und zündeten an.

Die Polizei ging dem Bericht zufolge mit Gummigeschossen und einem Wasserwerfer gegen die Demonstranten in dem hauptsächlich von Katholiken bewohnten Viertel Ardoyne vor. In der vierten Unruhe-Nacht in Folge hätten sich jedoch weniger Menschen als an den Abenden zuvor an den Krawallen beteiligt.

Dutzende Polizisten und Demonstranten wurden bei den seit Sonntag andauernden Ausschreitungen verletzt. Die Märsche der Protestanten sollen an den Jahrestag ihres historischen Sieges über die Katholiken erinnern. Oft führen die Züge der pro-britischen Protestanten provokativ durch die Viertel der Katholiken, die eine Herrschaft Londons über Nordirland ablehnen.

In der Schlacht am Fluss Boyne hatte Wilhelm III. von Oranien im Juli 1690 den zum Katholizismus übergetretenen Jakob II. besiegt. Bis Ende der neunziger Jahre hatten sich für eine Zugehörigkeit zur Republik Irland kämpfende Katholiken und pro-britische Protestanten in Nordirland drei Jahrzehnte lang bekriegt. Mehr als 3500 Menschen starben, bis sich beide Seiten im Karfreitagsabkommen 1998 auf eine gemeinsame Verwaltung Nordirlands einigten.

als/AFP



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Besser-als-gutmensch 15.07.2010
1. Fragen über Fragen
Zitat von sysopDie vierte Nacht in Folge Krawalle in Belfast: In einem Katholiken-Viertel in der nordirischen Hauptstadt warfen Demonstranten Molotow-Cocktails und steckten ein Auto in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen sie ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,706600,00.html
Wo ist denn hier der sonst so gern in Anspruch genommene Pressekodex geblieben? Ich erinnere an http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,705987,00.html . Hier spielte Herkunft und Religion der Krawallmacher auch keine Rolle. Spielt Religion in Bezug auf Gewaltpotenzial plötzlich doch eine Rolle? Oder gilt dies nur für katholische Iren? Lesen wir bei den nächsten Angriffen in Neuköllner Schwimmbädern ab jetzt auch "Krawalle im M...-Viertel"?
Rodri 15.07.2010
2. Oh man
Das Religions-Thema ist in diesem Konflikt logischerweise entscheidend, auch wenn das manche in diesem Forum gerne vehement abstreiten. Es gibt nun Mal nicht Millionen protestantischer Iren und auf der anderen Seite Horden von katholischen Briten in Nordirland. Es hat schon was von Ironie des Schicksals, dass die britischstämmigen Protestanten in Nordirland sich immer als Opfer von Gewalt darstellen, obwohl es gar keinen Rechtfertigungsgrund dafür gibt, dass sie überhaupt dort leben. Das hat man nur einer jahrhundertelangen Unterdrückung Irlands zu verdanken. Aber die Briten hatten es eh noch nie so mit Moral und Menschenrechten.
Besser-als-gutmensch 15.07.2010
3.
Zitat von RodriDas Religions-Thema ist in diesem Konflikt logischerweise entscheidend, auch wenn das manche in diesem Forum gerne vehement abstreiten. Es gibt nun Mal nicht Millionen protestantischer Iren und auf der anderen Seite Horden von katholischen Briten in Nordirland. Es hat schon was von Ironie des Schicksals, dass die britischstämmigen Protestanten in Nordirland sich immer als Opfer von Gewalt darstellen, obwohl es gar keinen Rechtfertigungsgrund dafür gibt, dass sie überhaupt dort leben. Das hat man nur einer jahrhundertelangen Unterdrückung Irlands zu verdanken. Aber die Briten hatten es eh noch nie so mit Moral und Menschenrechten.
Das Religionsthema ist in diesem Konflikt genauso viel oder wenig entscheidend, wie bei genannten Schwimmbadkrawallen mit einschlägig bekannten Familienclans. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Nordirlandkonflikt ...Diese Kulturen haben sich aus dem Kontrast zwischen den alteingesessenen Iren (die arm, bäuerlich und katholisch waren) und den kolonialisierenden schottischen (bzw. englischen) Siedlern (wohlhabend, industriell, protestantisch) entwickelt.... Es geht in Nordirland weniger um Religion, als die britische Besatzung. Religion ist hier eher eine zufällige Klammer. Die Briten hätten Irland auch erobert, wenn sie Glaubensbrüder gewesen wären.
Besser-als-gutmensch 15.07.2010
4.
Für was immer Sie mich auch halten mögen bleibt Ihnen überlassen. Dabei werde ich im Gegensatz zu Ihnen nicht persönlich beleidigend. Aber wo ich mich dumm stelle, würde ich gerne wissen. Hätten Sie doch meine Argumente gelesen, anstelle mich nur zu schmähen. Nordirland ist eben kein religiöser, sondern ein politischer Konflikt. Die Religion ist hier eher zufällig. Glauben Sie, die Briten hätten Ulster ab 1609 nicht systematisch besiedelt, wenn es Glaubensbrüder gewesen wären? Es ging hier um Land, Religion ist maximal ein Mittel zum Zweck. Genau so viel oder (meine Meinung:) wenig wie die in Nordirland. "provokative Machtdemonstrationen", "Minderheit", "Völkermord" - alles Begriffe die es nur bei religiösen Konflikten gibt. In Nordirland wird natürlich eine Minderheit unterdrückt. Der Grund liegt aber eben nicht in der Religion, sondern politischer Einflussnahme. Soweit mit bekannt ist können in Deutschland Aufmärsche gerichtlich verboten werden, die gegen das Grundgesetz verstoßen. Ist dies nicht der Fall (wir leben in einer Demokratie), ist der Aufmarsch als Demonstration zulässig. Das mag Ihnen nicht schmecken, ist aber demokratisches Prinzip - oder stellen Sie gewisse (von Ihnen zu definierende???) Gruppen außerhalb der geltenden Meinungsfreiheit?
stev_bach 15.07.2010
5. Rückblickend
Mir tun die jugendlichen leid die sich von den nationalisten anstacheln lassen, im grunde machen die einfach ihr eigenen stadtteil kaputt. was ich total schade finde ist die tatsache das sich der protest gegen die orange-parade richtet und nicht wirklich gegen die sozialen-misstände. wenns ihnen wirklich um eine bessere zukunft ginge, dann hätten sie religiöses aussen vor lassen sollen. kommt echt schlecht: katholische randale gegen friedlichen protestanten umzug. und ein rein römisch katholisches irland tät an den sozialen misständen rein gar nichts ändern, bis auf mehr kindesmissbrauch käm dabei nichts raus. und warum sollte die orange-parade verboten werden? ist es illegal sich als protestant zu freuen und diese auch zu zeigen, immerhin waren es irische katholen, die die briten angriffen und eine gewaltsame katholisierung britaniens herbeiführen wollten, wurde erfolgreich von den protestanten abgewehrt. ist ein grund zum feiern, aus protestantischer-sicht. es waren 10.000 protestanten auf dem umzug, friedlich feiernd. es waren katholische nationalisten, die die fassung verloren und durchdrehten. das es den katholiken nicht passt war schon klar, aber mit schusswaffen und autobomben auf menschen loszugehen ist keine harmlose "gegendemonstration" sondern versuchter mord.
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