Ausschreitungen Krawalle stürzen Griechenland in Staatskrise

Die Polizei scheint machtlos, umso stärker fühlen sich die Randalierer: In Athen haben sich Hunderte Jugendliche bis zum Morgen Straßenschlachten mit Sicherheitskräften geliefert - es war die dritte Krawallnacht in Folge. Nun soll eine Krisenrunde mit Politikern aller Parteien einen Ausweg finden.

Hamburg/Athen - Schon wieder Ausschreitungen, schon wieder Plünderungen: Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch einen griechischen Polizisten hat Athen eine dritte Nacht der gewalttätigen Proteste erlebt. Griechenlands Politiker wirken angesichts der dramatischen Lage ratlos: Ministerpräsident Kostas Karamanlis sollte am Vormittag mit Staatschef Karolos Papoulias und der Opposition über die Krawalle nach dem Tod des Jugendlichen beraten.

Innenminister Prokopis Pavlopoulos reagierte nach einer zweistündigen Krisensitzung des Kabinetts am späten Abend auf Kritik in den Medien, dass die Polizei der Zerstörung und den Plünderungen tatenlos zusehe. "Die Polizei ist anwesend und tut das Notwendige, um Menschenleben und Eigentum zu schützen", sagte der Innenminister. Der Generalsekretär der konservativen Regierungspartei ND, Lefteris Zagoritis, hatte zuvor erklärt, die Sicherheitskräfte zögen sich zeitweise zurück, um heftige Zusammenstöße zu vermeiden. "Glasscheiben sind wichtig, aber Menschenleben sind noch wichtiger", sagte er dem Fernsehsender NET.

In Athen waren am Montagabend erneut Hunderte junge Randalierer durch die Innenstadt gezogen und hatten Geschäfte demoliert. Die Ausschreitungen entwickelten sich im Anschluss an eine Demonstration, zu der linksgerichtete Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatten. In dem vornehmen Viertel Kolonaki wurden Medienberichten zufolge mehrere Geschäfte geplündert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten zehn Menschen mit Atembeschwerden im Krankenhaus behandelt werden.

Allerdings herrschte in weiten Teilen des Stadtzentrums ab 2.30 Uhr Ortszeit (1.30 Uhr MEZ) relative Ruhe. An der Polytechnischen Schule im Stadtteil Exarchia attackierte eine Gruppe von hundert Jugendlichen die Sicherheitskräfte jedoch auch noch in den Morgenstunden.

Auch im Zentrum der nordgriechischen Metropole Thessaloniki wurden am Montagabend rund hundert Geschäfte geplündert. Die Randalierer zerschlugen Schaufenster und klauten Uhren, Schmuck und Kleidung, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Bei einem Brandanschlag auf eine Polizeiwache wurde ein Beamter verletzt. Der Polizist sei mit einer Handverletzung ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die örtliche Polizei mit. An dem Angriff mit Molotow-Cocktails beteiligten sich demnach etwa 20 Jugendliche. Dutzende Jugendliche plünderten Geschäfte. An zwei Protestzügen in Thessaloniki nahmen nach Polizeiangaben insgesamt etwa 5000 Menschen teil.

Die Krawalle hatten begonnen, nachdem am Samstagabend in Athen ein 15-Jähriger durch Schüsse der Polizei getötet worden war. Zwei Polizisten sitzen wegen des Vorfalls in Untersuchungshaft.

Der 37 Jahre alte Polizist, der den tödlichen Schuss auf den Schüler abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten Totschlag vor. Einer der Anwälte des Beamten trat am Montag zurück. Er ließ verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

Als Zeichen der Trauer sollen am Dienstag Schulen und Universitäten geschlossen bleiben. Für den Nachmittag sind erneut Demonstrationen angekündigt, bei denen Schüler und Lehrer auf die Straße gehen wollen.

In der britischen Hauptstadt London wurden fünf Demonstranten festgenommen, die vor der griechischen Botschaft gegen den Tod des 15-Jährigen protestiert hatten. Vor der Vertretung hatten sich zuvor rund 40 Menschen versammelt, wie ein AFP-Reporter berichtete. Bei Protesten vor der griechischen Botschaft in der zyprischen Hauptstadt Nikosia wurden nach Polizeiangaben zwei Demonstranten verhaftet.

flo/AFP/dpa
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