Ausschreitungen Nato-Schutztruppe übernimmt Kommando im Kosovo
Pristina - Die Kosovo-Verwaltung der Uno (Unmik) wusste sich nicht mehr zu helfen. Zu rabiat waren die Unruhestifter unter den Tausenden Demonstranten in der nordkosovarischen Stadt Mitrovica gegen die Sicherheitskräfte vorgegangen. Viele Uno-Polizisten wurden durch Schusswaffen, Handgranaten und Molotow-Cocktails verletzt. Daraufhin habe man die Polizeiverbände aus dem Norden der Stadt zurückgezogen, teilte die Unmik-Zentrale in der Hauptstadt Pristina mit.
Unter den Verletzten waren allein 22 polnische Polizisten und acht französische Soldaten. Auch rund 70 Serben wurden bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen verletzt. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Steine und Feuerwerkskörper werfende Demonstranten ein. Autos gingen in Flammen auf, mehrere Polizisten und Soldaten wurden bei einer Explosion verletzt.
Die Ausschreitungen hatten sich an der gewaltsamen Erstürmung des Kreisgerichts durch die Unmik-Polizei und Kfor-Verbände am frühen Morgen entzündet. 53 Personen, die am vergangenen Freitag gewaltsam das Gericht besetzt hatten, wurden nach offiziellen Angaben festgenommen. Allerdings gelang es aufgebrachten serbischen Demonstranten, rund 20 der Festgenommenen wieder zu befreien.
Zahlreiche Einsatzfahrzeuge wurden demoliert. Der serbische Kosovo-Minister Slobodan Samardzic, der sich in der serbischen Enklave Gracanica aufhielt, verlangte "ultimativ" die Freilassung aller Festgenommenen. Er sprach von 34 Personen.
Samardzic kritisierte das Eingreifen der internationalen Verbände in Mitrovica als "nicht hinnehmbar und außerhalb jeder zivilisierten Art". Der serbische Staatspräsident Boris Tadic verlangte von der Unmik und Kfor, keine Gewalt gegen die serbischen Demonstranten anzuwenden. Angesichts der Unruhen wurden im Norden der Stadt alle Schulen geschlossen.
Im Norden des Kosovo leben rund 50.000 Serben, sie stellen damit die Mehrheit. Seit der Unabhängigkeit des Kosovo vor einem Monat versuchen sie, die Region von dem neuen Staat abzuspalten und an die benachbarte "Mutterrepublik" anzuschließen.
EU: Gewalt im Kosovo inakzeptabel
Die EU-Kommission hat den Gewaltausbruch im Kosovo kritisiert und Zurückhaltung angemahnt. "Wir sind sehr besorgt wegen der gespannten Lage im Norden Mitrovicas, und wir bedauern sehr die Angriffe auf Uno-Polizisten und Kfor-Soldaten", sagte ein EU-Kommissionssprecher in Brüssel. Gewalt sei inakzeptabel und keine Lösung. Alle Seiten sollten an einem multiethnischen Kosovo auf der Grundlage des Rechts mitarbeiten.
Der stellvertretende Ministerpräsident Hajredin Kuqi verteidigte das Vorgehen der Uno-Einsatzkräfte. Seine Regierung habe von Anfang an gefordert, dass Uno und Kfor im nördlichen Mitrovica Recht und Gesetz herstellten und die Institutionen dort schützten. "Es war eine gerechte Aktion und die richtige", sagte Kuqi.
Unmik-Chef Joachim Rücker hatte die Besetzung des Gerichtsgebäudes durch Serben am Freitag scharf verurteilt und vom Überschreiten einer "roten Linie" gesprochen.
asc/dpa/Reuters/AP/AFP