Außenminister Lawrow Russland setzt große Hoffnungen auf Trump

Der Kreml wartet mit Optimismus auf den neuen US-Präsidenten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, man freue sich auf Donald Trump. Und er kritisierte wie der Amerikaner die Nato.

Russlands Außenminister Lawrow
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Russlands Außenminister Lawrow


Russland setzt große Erwartungen in Donald Trump. Das machte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag bei seiner Jahresbilanz deutlich. Moskau begrüße, dass der künftige US-Präsident sich am Kampf gegen den internationalen Terrorismus beteiligen wolle, der auch im abgelaufenen Jahr die größte Gefahr für die Weltsicherheit gewesen sei. Die scheidende US-Führung von Präsident Barack Obama habe außer Worten nur wenig dazu beigetragen.

Außerdem hoffe Russland, dass mit Trump bei der Lösung des Syrien-Konflikts besser zusammengearbeitet werden könne als mit Obama. Es sei deshalb wichtig, Mitarbeiter von Trump zu den geplanten Friedensgesprächen am 23. Januar in Astana in Kasachstan einzuladen. An der Konferenz nehmen neben Vertretern der syrischen Führung auch Rebellengruppen teil. Die Aufständischen sehen in den von Russland, der Türkei und Iran unterstützten Gesprächen eine Vorstufe für die nächste Runde politischer Verhandlungen in Genf.

Russland setzt außerdem auf Gespräche mit Trump über das Atomwaffenarsenal beider Staaten. Moskau erwarte einen Dialog über strategische Stabilität inklusive Nuklearwaffen, sagte Lawrow. Dies umfasse zudem einen Austausch über den US-Raketenschutzschild in Europa, Atomtests, Weltraumwaffen und hypersonische Waffen. Das Team von Trump wurde zu den Verhandlungen eingeladen, hat aber noch nicht darauf geantwortet.

Trump hatte in einem Interview ein Ende der im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt verhängten Sanktionen gegen Russland in Aussicht gestellt. Im Gegenzug solle der russische Präsident Wladimir Putin einem Abkommen zur Reduzierung von Atomwaffen zustimmen.

Die Entsendung US-amerikanischer Truppen im Rahmen der Nato-Operation "Atlantic Resolve" bezeichnete Lawrow als "schlechte Idee". Washington hatte im Oktober angekündigt, ab 2017 permanent eine zusätzliche Kampfbrigade nach Europa zu schicken. Es handelt sich um eine Reaktion des westlichen Verteidigungsbündnisses auf Russlands Vorgehen im Ukraine-Konflikt.

Trump strebt unter anderem bessere Beziehungen zu Moskau an. Das Verhältnis zwischen Russland und den USA ist so schlecht wie nie seit dem Ende des Kalten Krieges. Unter anderem werfen die USA dem Kreml vor, mit Hackerattacken die US-Wahlen beeinflusst zu haben. Trump ist ab Freitag US-Präsident. Es ist noch unklar, wie er nach seiner Amtseinführung auf die Cyberangriffe reagieren wird.

Befürchtungen vor Hackerangriffen auf Wahlen in Deutschland und anderen europäischen Ländern hält Lawrow für nicht gerechtfertigt. "Nicht ich werde beweisen, dass das alles nicht stimmt", sagte er. "Ich denke, dass in Deutschland wie in vielen anderen Ländern die Unschuldsvermutung gilt. Es ist an Ihnen, das zu beweisen", sagte er. Alle bisherigen angeblichen Beweise für solche Angriffe, zum Beispiel im Präsidentschaftswahlkampf in den USA, seien "aus den Fingern gesogen". Deutsche Sicherheitsbehörden befürchten, dass Russland versuchen könnte, die Bundestagswahl zu beeinflussen.

Lawrow kritisierte Versuche der westlichen Länder, Demokratie zu exportieren. Dies habe aus russischer Sicht in der internationalen Politik nur Probleme gebracht, in der Ukraine wie beim Arabischen Frühling im Nahen Osten. Russland sei bereit, mit den USA, mit EU und Nato gleichberechtigt zusammenzuarbeiten. "Aber ohne Import von Werten, ohne Versuche, uns irgendwelche Werte aufzudrängen", sagte er.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Meldung hieß es, Außenminister Lawrow habe gesagt, es sei wichtig, Donald Trump zum Syrien-Gipfel nach Astana am 23.1. einzuladen. Tatsächlich hat er angekündigt, dass Vertreter der neuen US-Regierung eingeladen würden. Wir bitten den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

als/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 168 Beiträge
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grecomuc 17.01.2017
1. Wenig überraschend,
dass Rusland das gut findet, dass Trump die NATO für "obsolet" hält. Warten wir mal ab, was sein Kabinett und der Kongress dazu sagen und ob die das auch so sehen. Für mich ist das noch lange nicht ausgemacht. Also, nicht zu früh "freuen".
Atheist_Crusader 17.01.2017
2.
Natürlich freuen die sich. Ab Freitag haben die Jemanden im Weißen Haus sitzen der - wenn schon keine Marionette - sich doch sehr bequem manipulieren lässt. Im Kalten Krieg hat man Thriller über solche Szenarien geschrieben, heute scheint das Niemanden mehr zu interessieren. Es kommen stürmische Zeiten auf die Welt zu. Ich hoffe insbesondere für Europa ist das ein Grund, enger zusammenzurücken und diesen Widerlingen entgegenzutreten, statt sich davon einspannen und kontrollieren zu lassen.
rskarin 17.01.2017
3. Make America Small Again!
Nicht umsonst freuen sich die Russen auf Trump. Und daß die Russen besonderes Interesse haben, daß die America wieder "great" wird, das kann man wohl annehmen!
felix_tabris 17.01.2017
4. EU-Streitkräfte
Ich finde, man muss kein Freund von Putin sein (siehe Krim und Ost-Ukraine). Dennoch fand ich bereits vor 25 Jahre - nach der Auflösung des Warschauer Paktes - das im Gegenzug auch die NATO aufgelöst werden sollte. Das dieses damals nicht geschah, setzt für mich den europäischen Westen immer in einem Zustand der latenten Aggressivität (Einkreisung). Sowas zu leugnen fördert nicht die Glaubwürdigkeit. Sinn voll finde ich die Auflösung der NATO zugunsten eines rein europäischen Verteidigungsbündnis. Das würde vielleicht auch einige unsägliche EU-Staaten wie z.B. Ungarn und Polen dazu ermutigen, nicht ständig gegen die EU zu treten, deren "Werte" (ja mus man wohl inzwischen in Anführungszeichen setzen) zu mißachten und gleichzeitig die Vorteile des Binnenmarktes zu nutzen plus Abzocke. Auf der globalen Ebene kann man als Euro-Armee oder einzelne interessierte Länder Allianzen bilden (UNO-Truppen), während man sich gegen Abenteuetum abschirmt und schützt (USA vs China; Trump erklärt das südchinesische Meer zum amerikanischen Meer!) Wenn die (west)europäische Elite nun nicht völlig abgehoben und hirntot sind, dann sehen sie die Zeichen an der Wand gemalt und kommen gemeinsam in die Puschen.
Hyperboraeer 17.01.2017
5. Am Ende
geht es, wie immer, um´s Geld, auch Trump in Sachen NATO. Hat er ja auch ganz klar geäußert. Daneben sollte wohl jedem Letten, Esten und Litauer klar sein, dass sich wg. des Baltikums die USA oder die NATO nicht in kriegerische Abenteuer vs. Russland einlassen werden! Sollte Russland auf die idiotische Idee kommen, die Nummer mit der Krim und der Ost-Urkraine am Baltikum abermals zu exekutieren, werden die USA stillhalten, wie in Berlin beim Mauerbau. Da ist die politische und wirtschaftspolitische Interessenlage viel zu dünn, als dass man sich für´s Baltikum mit Russland anlegen würde. What for? Insofern kann man die Balten schon verstehen in ihrer Angst, ein weiteres Mal annektiert zu werden.
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