Außenpolitik Elf US-Diplomaten verlassen Weißrussland

Die USA verhängten Wirtschaftssanktionen und forderten Weißrussland auf Botschaften zu schließen: Seit längerem schwelt der Streit um Menschenrechtsverletzungen zwischen den beiden Ländern. Jetzt hat Weißrussland seinerseits US-Diplomaten ausgewiesen.


Minsk - Elf US-Diplomaten haben am Samstag Weißrussland verlassen, nachdem sie von der Regierung in Minsk zu unerwünschten Personen erklärt worden waren. Wie ein Sprecher der US-Botschaft in der weißrussischen Hauptstadt mitteilte, überquerten sie die Grenze nach Litauen eine Stunde vor der ihnen gesetzten Frist zum Verlassen des Landes. Die Ausweisung erfolgte im Zusammenhang mit einem heftigen diplomatischen Streit zwischen den beiden Staaten. Washington bezeichnet Weißrussland unter Präsident Alexander Lukaschenko als "letzte Diktatur Europas".

US-Botschaft in Minsk, Weißrussland: Elf US-Diplomaten ausgewiesen
AP

US-Botschaft in Minsk, Weißrussland: Elf US-Diplomaten ausgewiesen

Die US-Regierung verlangt seit längerem die Freilassung dreier inhaftierter Regimekritiker, darunter des früheren Präsidentschaftskandidaten Alexander Kosulin. Washington hat bereits Wirtschaftssanktionen gegen die weißrussische Führung verhängt und die Konten des staatlichen Petrochemie-Konzern Belneftechim eingefroren. Weißrussland antwortete darauf mit diplomatischen Repressalien.

Bereits im März wurde die US-Botschafterin Karen Stewart zur "unerwünschten Person" erklärt. Kurz darauf deckte der weißrussische Geheimdienst KGB nach eigenen Angaben ein US-Spionagenetz auf, das von Angehörigen der Botschaft geführt worden sei.

Am ersten Mai eskalierte der Streit als bekannt wurde, dass das US-Außenministerium Weißrussland aufgefordert hatte, seine Botschaft in Washington und das Konsulat in New York zu schließen. Die Schließung von Botschaften ist der letzte Schritt vor dem vollständigen Abbruch diplomatischer Beziehungen.

Daraufhin erklärten die weißrussischen Behörden am Mittwoch die US-Diplomaten zu unerwünschten Personen. Unter den Abgereisten sind sechs US-Marineinfanteristen, die für die Sicherheit des Botschaftsgebäudes zuständig waren. In Minsk hält jetzt nur noch ein Vierer-Stab als Notbesatzung in der US- Botschaft die Stellung. Anfang des Jahres waren es noch 32. Die US-Botschaft in Minsk charakterisierte das Vorgehen der weißrussischen Regierung als "absolut noch nie dagewesenen" Vorgang.

cjp/AFP/dpa



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