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23. Februar 2018, 04:51 Uhr

Australien

Vizepremier tritt nach Affäre zurück

Nun also doch: Der australische Vizepremierminister hat seinen Rücktritt bekannt gegeben - er erwartet ein Kind mit seiner Geliebten. Für die Regierung bedeutet das eine erhebliche Belastung.

Australiens stellvertretender Premierminister Barnaby Joyce hat nach einer Serie von Affären angekündigt, sein Amt in der kommenden Woche abzugeben. Er werde zudem als Chef der konservativen National Party zurücktreten, sagte Joyce bei einer Pressekonferenz. Er wolle aber auch weiterhin im Parlament in Canberra sitzen. Außerdem werde er ein Buch schreiben, sagte Joyce.

Der 50-Jährige war jüngst durch ein Verhältnis mit einer ehemaligen Mitarbeiterin, die jetzt ein Kind von ihm erwartet, in die Schlagzeilen geraten. Hinzu kamen nun auch noch Vorwürfe wegen sexueller Belästigung.

Für die rechtsliberale Regierung von Premierminister Malcolm Turnbull bedeutet der Rücktritt eine erhebliche Belastung. Turnbull hatte das Verhalten seines Stellvertreters, der auch Parteichef seines Koalitionspartners ist, als "entsetzlichen Einschätzungsfehler" bezeichnet. Joyce wiederum hatte Turnbull öffentlich für seine Wortwahl kritisiert und einen Rücktritt vehement abgelehnt.

Video: Australiens Vizepremier Barnaby Joyce lehnt Rücktritt ab

In den vergangenen Tagen verlor Joyce dann zunehmend den Rückhalt in seiner Partei, die Rufe nach einem Rücktritt wurden lauter.

Worum es bei "Barnababy" geht

Joyce war in den vergangenen Wochen unter massiven Druck geraten: Eine Zeitung hatte enthüllt, dass er und seine ehemalige Medienberaterin ein Kind erwarten. Die Affäre sorgte im Land unter dem Namen "Barnababy" für Schlagzeilen. Auch, weil Joyce seiner Geliebten mehrere Jobs innerhalb des Parlaments besorgt haben soll. Zudem wurde kritisiert, dass er und seine Freundin mietfrei in der Wohnung eines wohlhabenden Freundes des Vizepremiers wohnten (mehr Hintergründe zu "Barnababy" lesen Sie hier).

Joyce hatte 1993 geheiratet, die Beziehung endete Ende vergangenen Jahres. Joyce hat bereits vier Töchter. Im Laufe seiner politischen Karriere hat er immer wieder darauf verwiesen, wie wichtig ihm Familienwerte und die Institution Ehe sind, er inszeniert sich stets als kumpelhafter Mann vom Lande.

Joyce hatte die Regierung bereits vergangenes Jahr in Schwierigkeiten gebracht, weil er verschwiegen hatte, dass er auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt. Wegen der doppelten Staatsbürgerschaft musste er auf seinen Parlamentssitz verzichten, sodass die Koalition keine Mehrheit mehr hatte. In der fälligen Nachwahl eroberte er sich den Sitz aber wieder zurück.

aar

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