Mysteriöser Todesfall Australien untersucht mögliche Spionage aus China

China hat laut einem Bericht versucht, einen Agenten ins australische Parlament zu schleusen. Der Mann habe aber den australischen Geheimdienst informiert - kurz darauf starb er. Jetzt wird der Fall untersucht.

Helferin neben australischen und chinesischen Flaggen in Canberra: "Echte Bedrohung für unser Land"
Lukas Coch/Getty Images

Helferin neben australischen und chinesischen Flaggen in Canberra: "Echte Bedrohung für unser Land"


Es ist bereits der zweite Spionagevorwurf binnen weniger Tage: Mutmaßliche chinesische Spione sollen dem chinesisch-australischen Geschäftsmann Bo Zhao eine Million australische Dollar (etwa 616.000 Euro) angeboten haben, damit er für das Parlament in Canberra kandidiert. Das berichtete der Fernsehsender "Nine Network" am Sonntagabend. Zhao war demnach Mitglied der konservativen Liberalen.

Doch er entschied sich dazu, dem australischen Geheimdienst von dem Angebot zu erzählen. Im März, wenige Monate später, wurde er unter bisher ungeklärten Umständen tot in einem Hotelzimmer in Melbourne gefunden. Geheimdienstchef Burgess erklärte am Sonntagabend, der Todesfall sei Gegenstand einer Untersuchung. Weitere Details nannte er nicht.

Premierminister Scott Morrison nannte die Vorgänge "zutiefst beunruhigend" (mehr zum chinesischen Einfluss in Australien erfahren Sie hier). Australien sei "nicht naiv", was die Bedrohungen angehe, denen es "im Allgemeinen" ausgesetzt sei. Die Gesetze seien verschärft und die Ressourcen aufgestockt worden, um sicherzustellen, dass Australien "allgemeinen oder spezifischen Bedrohungen" begegnen könne.

Die Behörde habe von den Anschuldigungen bereits vor der Berichterstattung gewusst, erklärte Burgess. "Feindliche Aktivitäten ausländischer Geheimdienste stellen weiterhin eine echte Bedrohung für unser Land und seine Sicherheit dar", sagte er.

Über einen zweiten Fall hatten australische Medien erst am vergangenen Samstag berichtet. Dabei ging es um einen mutmaßlichen chinesischen Spion, der zum australischen Geheimdienst übergelaufen sein soll. Er liefere Informationen über verdeckte Operationen zur Untergrabung der Demokratiebewegung in Hongkong und über politische Einmischung in Taiwan und Australien. Wang Liqiang soll der Spionageabwehr demnach die Identitäten von hochrangigen Mitarbeitern des chinesischen Militärgeheimdienstes genannt haben.

Der Überläufer soll sich mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn mit einem Touristenvisum in Sydney aufhalten. Die chinesischen Behörden bezeichneten Wang daraufhin als arbeitslosen Betrüger und Flüchtling.

vks/dpa/AFP



insgesamt 11 Beiträge
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vox veritas 25.11.2019
1.
Ich stelle mal die Frage, wie oft so etwas vorkommt, daß jemand dafür bezahlt wird, sich in ein Parlament wählen zu lassen. Davon habe ich noch nie gehört - nur davon, daß jemand in die Exekutive eingeschleust wird.
moerre 25.11.2019
2.
@1 Wie kommen Sie dazu zu glauben, was SIE kennen, wäre relevant? Sind sie vom Fach, zum Beispiel haben Sie einen relevanten Job (also nicht Hausmeister) beim BND? Oder warum glauben Sie, jemand der als Durchschnittsbürger nichts als die Durchschnittsschlagzeilen kennt weiß, was so alles passiert im weiteren Geheimdienstbereich? "*Ich* habe sowas noch nie gehört" ist nur dann relevant, wenn es sich um etwas handelt, was genau ihr persönlicher Fach- und Kompetenzbereich ist.
varlex 25.11.2019
3.
Zitat von vox veritasIch stelle mal die Frage, wie oft so etwas vorkommt, daß jemand dafür bezahlt wird, sich in ein Parlament wählen zu lassen. Davon habe ich noch nie gehört - nur davon, daß jemand in die Exekutive eingeschleust wird.
Das ist doch eine gängige Methode in der Spionage. Dabei ist es egal, ob politisch, millitärisch oder wirtschaftlich. In meinem Betrieb wird jeder Mitarbeiter hingehend solcher Möglichkeiten geschult.
MarkusHenny 25.11.2019
4. Etwas fehlt im Artikel
Es wird nicht geschrieben ob er dann kandidiert hat oder nicht. Es wird nicht geschrieben ob er das Geld angenommen hat. Aber offensichtlich hatte er finanzielle Probleme, sonst hätte man ihm nicht dieses Angebot gemacht.
mursol 25.11.2019
5. Anscheinend kopieren die
Chinesen nicht nur westliche Produkte , Sondern auch ihre Methoden !
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