Parlamentswahl in Australien Mitte-Rechts-Koalition von Premierminister Morrison feiert Überraschungssieg

Die Labor-Partei hat ihre Niederlage bei der Parlamentswahl in Australien eingestanden. Überraschend liegt die Mitte-Rechts-Koalition von Premierminister Morrison vorn.

Wahlsieger: Australiens Premierminister Scott Morrison mit seiner Frau Jenny Morrison
Tracey Nearmy/Getty Images

Wahlsieger: Australiens Premierminister Scott Morrison mit seiner Frau Jenny Morrison


"Ich habe immer an Wunder geglaubt", sagte Australiens konservativer Premierminister Scott Morrison an einem denkwürdigen Wahltag: Er kann sein Amt behalten - allen Umfragen zum Trotz gewann das regierende Mitte-Rechts-Bündnis die Parlamentswahl vor der sozialdemokratischen Labor-Opposition.

Nach Berechnungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ABC können Morrisons Liberale Partei und die Nationale Partei vermutlich sogar allein weiter regieren. Oppositionsführer Bill Shorten gestand am Abend seine Niederlage ein. Zugleich gratulierte er Morrison.

Shorten, 52, war seit 2013 Labor-Parteichef. Vor drei Jahren war er als Spitzenkandidat gegen Malcolm Turnbull gescheitert. Nach der Niederlage kündigte er an, nicht abermals zu kandidieren und auch den Parteivorsitz abzugeben.

Für Labor bedeutet die Niederlage eine schwere Enttäuschung. Bis zum Wahltag lag die Partei zweieinhalb Jahre lang in allen Umfragen vorn. Die Hoffnung, endlich wieder an die Regierung zu kommen, war groß. Schließlich lief die Wahl aber deutlich schlechter als erwartet. Shorten sagte vor Anhängern: "Ich weiß, Ihr leidet alle. Ich auch."

Labor-Politiker Shorten mit Frau Chloe Shorten: "Ich weiß, Ihr leidet alle"
WILLIAM WEST/AFP

Labor-Politiker Shorten mit Frau Chloe Shorten: "Ich weiß, Ihr leidet alle"

Die größte Partei innerhalb einer Regierungskoalition stellt in Australien den Premierminister. Wechselt die Parteispitze, wechselt somit auch der Regierungschef. Dies führte dazu, dass Australien in den vergangenen elf Jahren sechs verschiedene Premierminister hatte.

Morrison etwa steht erst seit August an der Spitze der Regierung. Der 51-Jährige kam nach einer parteiinternen Revolte gegen Vorgänger Turnbull ins Amt. Mit dem Parteivorsitz bei den Liberalen ging auch das Regierungsamt auf ihn über.

Nach ABC-Berechnungen haben Liberale und Nationale, die in der Hauptstadt Canberra seit sechs Jahren gemeinsam regieren, im Unterhaus 75 Sitze sicher. Zur Mehrheit von 76 Mandaten fehlte ihnen am Abend nur noch ein einziges Mandat. Sechs Wahlkreise standen noch auf der Kippe. Labor hat nach diesen Zahlen mindestens 65 Mandate, kann maximal aber nur auf 71 Sitze kommen. Die Grünen gewannen einen Sitz.

Fünf Mandate gingen ABC zufolge an unabhängige Kandidaten. Falls das Mitte-Rechts-Bündnis doch keine eigene Mehrheit zustande bekommt, wäre auch eine Minderheitsregierung möglich, die von Unabhängigen geduldet wird. So regiert Morrison nach einer verlorenen Nachwahl bereits seit Ende vergangenen Jahres.

Morrison, ein ehemaliger Schatzkanzler, hatte sich im Wahlkampf als Garant des australischen Wachstums präsentiert. Dort gab es seit 28 Jahren keine Rezession mehr. Im direkten Popularitätsvergleich lag er vor Shorten.

Das Ergebnis ist noch nicht endgültig. Insbesondere müssen noch etwa eine Million Stimmen von Briefwählern berücksichtigt werden. Von amtlicher Seite gibt es keinen Termin, wann ausgezählt sein wird.

Insgesamt waren knapp 16,5 Millionen Australier aufgerufen, über das Unterhaus sowie die Hälfte von 78 Mandaten im Senat zu entscheiden. In Australien besteht Wahlpflicht. Wer ohne triftigen Grund zu Hause bleibt, muss 20 Australien-Dollar (etwa 12,60 Euro) Strafe zahlen.

ulz/dpa/AFP

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