Australien Premier Abbott wirft staatlichem Rundfunk unpatriotisches Verhalten vor

Australiens Regierungschef geht auf die Medien los: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe nicht auf der Seite der Australier, zetert Premier Tony Abbott. Der Auslöser für den Zorn: ABC hatte kritisch über die Flüchtlingspolitik der konservativen Regierung berichtet.

Tony Abbott: "Das ist sehr besorgniserregend"
AP/dpa

Tony Abbott: "Das ist sehr besorgniserregend"


Canberra - Australiens Regierungschef Tony Abbott ist äußerst unzufrieden mit der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ABC. "Unser nationaler Sender steht nicht auf der Seite der Australier", sagte der Premierminister in einem Radiointerview. Mit einem Vergleich aus dem Sport fügte er außerdem hinzu: "ABC könnte ruhig ein gewisses Maß an Unterstützung für die Heimmannschaft zeigen."

Der Sender hatte in den vergangenen Monaten besonders kritisch über die Asylpolitik der konservativen Regierung berichtet. ABC warf den australischen Sicherheitskräften unter anderem vor, dass Marinesoldaten Flüchtlinge misshandelten, die auf Booten in australische Hoheitsgewässer gelangt waren. Die Regierung wies diese Vorwürfe zurück.

ABC hatte zudem die Informationspolitik des Kabinetts gerügt. Derzeit beschränken sich die Angaben der Regierung über die Zahl der Flüchtlinge, die aus Indonesien über das Meer nach Australien kommen, auf eine wöchentliche E-Mail. Seit Wochen weigert sich die Regierung, konkrete Informationen darüber zu geben, ob Asylbewerber in Rettungsbooten zurück nach Indonesien geschickt werden.

"Abbott sollte anfangen, sich wie ein Premierminister zu verhalten"

In seinem Radiointerview am Mittwoch äußerte sich Abbott auch "betroffen und besorgt" wegen der ABC-Berichterstattung über die Enthüllungen des US-Whistleblowers Edward Snowden. Dessen Unterlagen hatten unter anderem belegt, dass Australiens Geheimdienste die Telefone hochrangiger indonesischer Politiker abhörten. Dazu gehörten auch die Telefone von Präsident Yudhoyono und seiner Frau. Die Enthüllungen hatten die Beziehungen zwischen beiden Ländern schwer belastet.

Abbott nannte Snowden einen "Verräter", dem ABC mit "Genuss" eine Bühne gegeben habe. "Und natürlich hat ABC nicht darüber berichtet, was er sagt. Sie haben es sogar beworben. Das ist sehr besorgniserregend", sagte der Regierungschef.

Der Sender selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Umso heftiger kritisierte die Opposition Abbotts Medienschelte. "Er sollte aufhören, sich über die Berichterstattung zu beschweren, und anfangen, sich wie ein Premierminister zu verhalten", sagte Oppositionsführerin Tanya Plibersek. Jede Regierung sei bisher vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hart angegangen worden, sagte die Labour-Politikerin. "Und wir sollten alle dankbar dafür sein."

syd

insgesamt 43 Beiträge
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Worldwatch 29.01.2014
1. Was der australische Regierungschef ...
... dann wohl erst zur reichsdeutschen Staatrundfunkpropaganda sagen wuerde, kennte er diese!? Holla, holla.
eskimo47 29.01.2014
2. Murdoch = Hugenberg?
Tony "Mickey-Ears" Abbott und seine Konservativen sind an die Macht gespült worden durch eine unsägliche Medienkampagne des Amerikaners und weltgrößten Medienmoguls Rupert Murdoch (ja, genau der mit den unerträglichen Fox News in den USA und dem News of the World-Skandal in London - und vielem anderen mehr). Und jetzt muss Abbott natürlich langsam dafür bezahlen. Und am liebsten wäre Mudoch natürlich die Abschaffung, zumindest aber drastische Einschränkung der öffentlich-rechtlichen Medien zu Gunsten von Murdoch's Imperium. Ganz einfach. Dass Abbott inzwischen längst als der un-australischte Regierungschef aller Zeiten gesehen wird, unterstreicht die Ironie seiner ABC-Kritik. Das "Fair-Go" ist dem Australier heilig, dieser Regierung aber offenbar ungekannt.
bullermännchen 29.01.2014
3. Sooooo weit weg
Jaja, Australien ist für uns zu weit weg um es zu (be)greifen. Da wird über die USA oder die Holländer gelästert, Rassismus findet in Australien statt. Öffentlich und ohne Scheu wird dort braunes Gedankengut wie Gülle verteilt. Die Ureinwohner wurden dezimiert und leben heute als Objekte der touristischen Begierde weit draußen, weit weg vom weißen Aussi, der sehr gerne die multikulturellen Annehmlichkeiten nutzt, aber sich lieber ein Bein abschneidet als Migranten oder einen Ureinwohner zu interstützen. Dabei sind sie alle Migranten, Ausländer, Fremde.....
Lion 29.01.2014
4. Patriotismus muss immer dann herhalten, wenn Politikern
die Argumente ausgehen. Da scheinen die australischen Medien offenbar der Wahrheit sehr nahe gekommen zu sein. Hut ab und weiter so! Good on you!
gregoriusxix 29.01.2014
5.
wir brauchen eben nicht nur marktkonforme Demokratien in der Welt, sondern auch regierungsgenehme Bereichterstattung.
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