Krise am Nil Bundesregierung rät von Reisen nach ganz Ägypten ab

Deutschland reagiert auf die unsichere Lage am Nil, auch Urlaubsorte sind nicht mehr sicher. Das Auswärtige Amt rät jetzt ausdrücklich von Reisen nach ganz Ägypten ab.
Krise am Nil: Bundesregierung rät von Reisen nach ganz Ägypten ab

Krise am Nil: Bundesregierung rät von Reisen nach ganz Ägypten ab

Foto: ASMAA WAGUIH/ REUTERS

Berlin - Nach den massiven Unruhen rät Deutschland wie andere europäische Länder auch von Reisen nach ganz Ägypten ab. Das gilt dann auch für die beliebten Ferienanlagen am Roten Meer. "Wir werden von Reisen nach Ägypten abraten. Das heißt: nicht fahren", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Es gebe eine "sehr zugespitzte Lage" in der Hauptstadt Kairo, während in den Touristenzentren am Roten Meer die Situation "derzeit noch anders sei", sagte Ministeriumssprecher Andreas Peschke. Die weitere Entwicklung im Land sei derzeit unkalkulierbar.

Bislang galt eine sogenannte Teilreisewarnung des Auswärtigen Amtes. Sie bezog sich auf die Hauptstadt Kairo, wo am Mittwoch das Militär und die Sicherheitskräfte das Protestcamp der Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gewaltsam geräumt hatten. Auch mehrere Tourismusorte waren von der Teilreisewarnung betroffen. So wurde von Reisen in die touristischen Orte in Oberägypten abgeraten - Luxor, Assuan, Nilkreuzfahrten.

Zahlreiche Urlauber, die in diesen Tagen nach Ägypten reisen wollten, hatten sich in den vergangenen Tagen besorgt an Reiseunternehmen gewandt.

Furcht vor neuer Gewalt in Kairo

Vor allem in Kairo werden am Freitag nach den traditionellen Gebeten neue Ausschreitungen erwartet. Die Muslimbrüder und Parteien aus dem radikal-islamischen Spektrum haben für den Nachmittag zu neuen Protesten gegen das Militär und die Übergangsregierung aufgerufen. Einige radikale Islamisten forderten die Demonstranten über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, sich zu bewaffnen.

Fotostrecke

Ägypten: Gewalt in Kairo, Hinweis für Reisende

Foto: LOUAFI LARBI/ REUTERS

Doch auch die Gegenseite macht mobil: Die Protestbewegung Tamarud, die Ende Juni die Massenproteste gegen Präsident Mohammed Mursi organisiert hatte, rief die Bürger auf, in ihren Wohnvierteln Bürgerwehren zu bilden. So sollten ihre Häuser sowie die lokalen Moscheen und Kirchen vor möglichen Attacken der Islamisten geschützt werden.

In der Nacht zum Freitag war es in Kairo vergleichsweise ruhig geblieben, die meisten Menschen hielten sich an die Ausgangssperre. Dafür kam es in anderen Gegenden zu Zwischenfällen. In der Provinz al-Minia halfen Anwohner der Ordnungspolizei, eine Kaserne gegen den Sturm durch Islamisten zu verteidigen. Eine Polizeistation wurde angezündet.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels hieß es, das Auswärtige Amt habe eine Reisewarnung für ganz Ägypten herausgegeben. Tatsächlich rät die Bundesregierung von Reisen nach ganz Ägypten ab.

Kairo auf einen Blick: Die wichtigsten Schauplätze der vergangenen Tage

Kairo auf einen Blick: Die wichtigsten Schauplätze der vergangenen Tage

Foto: SPIEGEL ONLINE
sev