Autobombe Hisbollah-Kommandeur in Syrien ermordet

Der Vorwurf kam sofort: Israel soll in die Ermordung von Imad Mughnija, Gründungsmitglied der islamistischen Hisbollah, verwickelt sein. Das Land streitet jede Beteiligung an dem Autobomben-Anschlag in Syrien ab.

Von , Beirut


Beirut/Damaskus - Die Explosion hatte die syrische Hauptstadt Damaskus schon gestern erschüttert. Doch erst heute wird klar: Der Autobombenanschlag im Stadtteil Kafar Sussa galt einem führenden Militärbefehlshaber der radikal-islamischen Hisbollah. Wie ein Sprecher der Islamisten-Bewegung heute in Beirut erklärte, kam Imad Mughnija bei der Detonation ums Leben.

Todesnachricht im Hisbollah-TV: Top-Kommandeur der Islamisten getötet
AFP

Todesnachricht im Hisbollah-TV: Top-Kommandeur der Islamisten getötet

Die Hisbollah erklärte in ihrem Fernsehsender, einer der großen Führer des islamischen Widerstands im Libanon sei zum Märtyrer gemacht worden. Sie bezichtigte heute Israel, hinter Mugnijehs Tod zu stecken. In einem auf dem Hisbollah-Fernsehsender "Al-Manar" gesendeten Statement hieß es, Mughnija sei "von der Hand zionistischer Israelis zum Märtyrer" gemacht worden. Israel dementierte jegliche Beteiligung am Tod des Islamisten.

Nach inoffiziellen Angaben aus Syrien hätte Mughnija den iranischen Außenminister Manuchehr Mottaki treffen sollen, dessen Besuch in Damaskus für heute Abend angekündigt ist. Mughnija galt als enger Verbündeter der iranischen Führung.

Über die näheren Umstände des Todes von Mughnija wurde nichts mitgeteilt. Zunächst waren über den Hintergund der Explosion in Damaskus keine Einzelheiten bekannt geworden. Augenzeugen hatten berichtet, ein Passant sei bei dem Anschlag in dem Mittelklasse-Wohnviertel Kafar Soussa der syrischen Hauptstadt ums Leben gekommen. Ein ausgebranntes Auto, dessen Vordersitze von der Explosion weggerissen wurden, wurde von syrischen Sicherheitskräften entfernt.

Als der Stellvertreter des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah soll Mughnija innerhalb der radikalislamischen "Partei Gottes" für den Kampf gegen Israel zuständig gewesen sein. Er wurde als möglicher Nachfolger Nasrallahs als Chef der Schiiten-Miliz gehandelt. Der seit Jahren untergetauchte Mughnija soll sich im Laufe seines Lebens mehreren Operationen unterzogen haben, um sein Aussehen zu verändern.

Mughnija gilt als Drahtzieher hinter zwei Anschlägen auf israelische beziehungsweise jüdische Einrichtungen in 1992 und 1994 in Buenos Aires. Bei den Anschlägen auf die isralische Botschaft in Argentinien und ein jüdisches Kulturzentrum kamen über 100 Menschen ums Leben. Während des libanesischen Bürgerkrieges soll er für die Entführung von westlichen Ausländern im Libanon verantwortlich gewesen sein. Die USA gehen zudem davon aus, dass der Hisbollah-Mann hinter den Attentaten auf die amerikanische Botschaft 1982 und auf die Unterkünfte der damals im Zedernstaat stationierten US-Marines 1983 steckte. Die Explosion, die das Camp der Marines in Schutt und Asche legte, tötete über 200 US-Soldaten. Gerüchten zu Folge soll er 2006 auch die Entführung der zwei israelischen Soldaten organisiert haben, die den einmonatigen Libanon-Krieg auslöste.

Sowohl in Israel als auch in den USA stand Mughnija auf den Listen der meistgesuchten Männer. Den Israelis soll seine Ergreifung wichtiger gewesen sein als die Nasrallahs selbst. Das US-amerikanische FBI hatte ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt und beschrieb ihn auf seiner Website als "bewaffnet und gefährlich". Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Israel schon mehrfach versucht hat, Mughnija zu töten. So explodierte 1990 eine Autobombe vor der Beiruter Wohnung seines Bruders, der dabei getötet wurde.

Mughnijas Lebensgeschichte liegt in großen Teilen im Dunkeln. Er soll 1962 in einem Dorf im Süden des Libanon geboren worden sein und als einer von Yassir Arafats Leibwächtern gedient haben, bevor er der schiitischen Hisbollah beitrat. Dort soll er anfangs Bodyguard für den spirituellen Führer der Schiiten-Miliz, Mohammed Hussein Fadlallah, gewesen sein und sich dann als Sicherheitschef und militärischer Vordenker etabliert haben.



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