Bagdad Dänen wollen US-Truppen unterstützen, schwerer Anschlag in Hilla

Dänemark ist bereit, seine Truppen aus dem Süden des Iraks nach Bagdad zu verlegen - wo die Sicherheitslage derzeit eskaliert. Auch heute wurde wieder ein verheerender Anschlag verübt: Ein Selbstmordattentäter riss in Hilla einen Trupp Bauarbeiter in den Tod.


Kopenhagen - Wenn die USA eine entsprechende Anfrage stellen sollten, sei man offen für eine Verschiebung, sagte der dänische Außenminister Per Stig Möller. Eine Entsendung der 470 dänischen Soldaten nach Bagdad müsse jedoch auf jeden Fall mit dem britischen Militär abgesprochen werden.

Die dänischen Soldaten stehen im Südirak derzeit unter britischem Kommando. Für die Sicherheitslage in der Hauptstadt sind dagegen irakische Sicherheitskräfte und US-Soldaten verantwortlich.

In den USA arbeitet zur Zeit eine Expertenkommission unter Leitung des früheren Außenministers James Baker an Vorschlägen, wie die schlechte Sicherheitslage im Irak verbessert werden könnte. Die Ergebnisse der Baker-Kommission werden für Dezember erwartet. Nach Ansicht Möllers dürfte dann auch mehr Klarheit darüber herrschen, wie die USA die ausländischen Truppen im Irak künftig einsetzen wollten.

Anschlag auf Bauarbeiter

Inzwischen geht das Morden und Töten im Irak weiter. Heute starben bei einem Bombenanschlag in der Stadt Hille 22 Menschen, 44 wurden verletzt. Ein Selbstmordattentäter fuhr der Polizei zufolge mit seinem Kleinbus in die Nähe der wartenden Menschen und sprengte das Fahrzeug in die Luft. Bei den Opfern handelt es sich zumeist um Männer, die sich als Tagelöhner für Bauarbeiten verdingen wollten.

"Ich wurde von der Explosion ein paar Meter zur Seite geworfen und konnte minutenlang nichts sehen oder hören", sagte der 30-jährige Mohammed Abbas Chadim. "Überall liefen Menschen umher und suchten nach ihren vermissten Söhnen, Brüdern und Freunden." Einige machten sunnitische Rebellen für den Anschlag verantwortlich. Andere kritisierten, dass die Polizei sich nicht die Mühe mache, Sicherheitsvorkehrungen für Arme und Arbeiter zu treffen.

Hille liegt 95 Kilometer südlich von Bagdad. Die überwiegend von Schiiten bewohnte Stadt war wiederholt Schauplatz blutiger Anschläge. Im August kamen mindestens zwölf Menschen bei einem Anschlag auf ein Rekrutierungszentrum der Armee ums Leben. Im Februar 2005 wurden bei einem Selbstmordanschlag 125 Rekruten der Nationalgarde und der Polizei getötet.

ler/Reuters/AP

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