Bagdad Dutzende Tote nach schweren Gefechten

Die Unruhen in Bagdad reißen nicht ab. Kaum waren rund 40 von bewaffneten Kämpfern entführte Studenten befreit, kam es zu schweren Gefechten im Bagdader Armenviertel Sadr City. Etwa 30 Menschen kamen dabei ums Leben.


Bagdad - Bei Schießereien im Bagdader Stadtteil Sadr City, einer Hochburg schiitischer Extremisten, sind mehr als 20 Menschen getötet und 50 weitere verletzt worden, wie die Behörden am Sonntag mitteilten. Ein Schützenpanzer des US-Heeres sei in dem stundenlangen Gefecht zerstört worden. Das US-Militär bestätigte dies zunächst nicht.

Mindestens neun Milizionäre wurden nach Militärangaben getötet, als das US-Militär später am Sonntag Angriffe auf militante Schiiten in Sadr City flog. Die Luftwaffe sei irakischen Soldaten zur Hilfe gekommen, die von den Extremisten angegriffen worden seien, sagte US-Oberstleutnant Steve Stover. Ein US-Kampfhubschrauber habe zwei Hellfire-Raketen abgefeuert.

Entführung beendet - Geiseln befreit

Relativ glimpflich verlief dagegen die spektakuläre Entführung von 42 Studenten im Nordirak. "Wir haben die Studenten befreit, die heute morgen im Süden von Mossul entführt wurden", sagte Armeesprecher General Chaled Abdul Sattar. Die Studenten waren in einem Bus unterwegs gewesen und von schwerbewaffneten Unbekannten verschleppt worden.

Die Bewaffneten hatten die beiden Busse bei Mossul im Nordirak gestoppt, wie Sattar zunächst mitgeteilt hatte. Der Vorfall habe sich in Dschurm, rund 30 Kilometer südlich von Mossul, ereignet. Die Angreifer seien mit Lastwagen ausgerüstet gewesen, auf denen Maschinengewehre montiert waren. Dem Fahrer eines Busses gelang demnach die Flucht. Sein Fahrzeug wurde jedoch beschossen, drei Insassen wurden verletzt.

Die 42 Passagiere des zweiten Busses wurden von den Angreifern gezwungen, in die Lastwagen umzusteigen. Einzelheiten über die Befreiungsaktion nannte Sattar nicht. Mossul gilt mittlerweile als eine der gefährlichsten Städte des Landes. Die irakischen Sicherheitskräfte führen dort nach eigenen Angaben einen Feldzug gegen die Anhänger des internationalen Terrornetzwerkes al-Qaida.

Iran bestätigt Vermittlung im Irak

Iran bestätigte unterdessen am Wochenende erstmals, dass es die Waffenruhe zwischen den Regierungstruppen des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki und der Miliz des radikalen Predigers Muktada al-Sadr vermittelt habe. "Es ist im eigenen iranischen Interesse, Einigkeit zwischen den schiitischen Gruppen zu sehen", verlautete aus Teheraner Regierungskreisen.

Die irakische Regierung hatte nach dem Waffenstillstand die Sicherheitsvorkehrungen für Sadr City gelockert und wieder Lastwagen mit Lebensmitteln, Öl und Krankenwagen in dem rund 2,5 Millionen Einwohner zählenden Armenviertel fahren lassen. Das allgemeine Fahrverbot blieb aber bestehen.

Im Zentrum von Bagdad haben Unbekannte am Samstag einen christlichen Priester erschossen. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, eröffneten sie aus einem vorbeifahrenden Auto das Feuer auf den Geistlichen Jussef Adel, als er seine Wohnung im Stadtteil Karrada verließ. Der Mann sei sofort tot gewesen. Papst Benedikt XVI. erklärte in einem Kondolenztelegramm an den syrisch-katholischen Erzbischof von Bagdad, die Tat bereite ihm "tiefen Schmerz".

mbe/dpa/AFP

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