Bali Fischer schließt weitere deutsche Todesopfer nicht aus

Eine Deutsche gehört zu den Todesopfern des Anschlags. Der Bundesaußenminister riet zu größter Zurückhaltung, nach Bali zu reisen. Einzelne Reiseveranstalter sagten bereits Flüge ab.


Berlin - Bei den Terroranschlägen auf Bali ist mindestens eine deutsche Frau getötet worden. Das Opfer habe auf Bali gelebt, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntagabend in Berlin.

Zudem würden 10 weitere Deutsche vermisst. Es müsse davon ausgegangen werden, dass noch mehr Deutsche unter den Todesopfern sind. Bei den Attentaten waren in der Nacht zum Sonntag mindestens 180 Menschen gestorben.

Mindestens 8 Deutsche seien in Krankenhäuser gebracht worden. Darunter waren 6 Schwerverletzte, von denen 3 schon nach Australien ausgeflogen worden seien, teilte das Außenministerium mit. Zwei Verletzte aus Deutschland seien schon aus den Kliniken entlassen worden.

In einer Erklärung des Bundesaußenministers hieß es, dass auch weitere deutsche Todesopfer derzeit noch nicht ausgeschlossen werden könnten. Bei den Anschlägen waren Samstagabend nach indonesischen Angaben mindestens 182 Menschen - zumeist Ausländer - getötet und 332 verletzt worden.

Die meisten Opfer waren Touristen aus Australien und westlichen Ländern. Das Auswärtige Amt riet von Aufenthalten auf der indonesischen Ferieninsel ab. "Bis auf weiteres wird empfohlen, Bali zu meiden", sagte ein Ministeriumssprecher. Folgeanschläge seien nicht auszuschließen.

Fünf schwerverletzte Deutsche

Zwei Verletzte aus Niedersachsen und Thüringen hätten das Krankenhaus bereits verlassen. Die übrigen Verletzten stammen nach Angaben des Auswärtigen Amtes aus Rheinland-Pfalz, Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die verletzten Deutschen sollen nach Australien oder Singapur ausgeflogen werden. Sie werden am Ort vom deutschen Generalkonsul und Mitarbeitern der deutschen Botschaft in Jakarta betreut. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab und eine Hotline (01888-171000) eingerichtet.

Fischer erklärte weiter, allen Opfern und ihren Angehörigen gelte das tiefe Mitgefühl. Die Bundesregierung sei entsetzt und schockiert über die furchtbaren Ereignisse auf Bali. Die Hintergründe der Explosionen müssten noch aufgeklärt werden. "Sollte sich die Befürchtung bewahrheiten, dass es sich um gezielte Anschläge gehandelt hat, müssen die Verantwortlichen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden", erklärte Fischer.

TUI verzichtet auf Bali-Reisen

Der Reiseveranstalter TUI will in den kommenden Tagen keine Touristen nach Bali bringen. Die etwa 200 TUI-Urlauber dort seien alle wohlauf, sagte ein Unternehmenssprecher. Die meisten seien nicht in der betroffenen Region untergebracht. Nur vier von ihnen wollten am Sonntag zurückfliegen. Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, ob die nächste Bali-Reise abgesagt wird. "Im Moment gibt es keine einzige Anfrage, früher nach Hause zu fliegen", sagte ein Sprecher der Thomas Cook AG.

Passagiere von Singapore Airlines können von Bali aus ohne zusätzliche Gebühren umbuchen und vorzeitig zurückfliegen. Bislang hätten aber nur wenige Deutsche einen entsprechenden Wunsch geäußert, teilte die Fluggesellschaft mit. Pauschalreisende sollten zuvor auf jeden Fall Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter aufnehmen.

Der Radiosender SWR 3 stellte sein Ratespiel "Expedition Elch", bei dem Reisen nach Bali zu gewinnen waren, vorübergehend ein. Von zehn Gewinnern, die am Sonntag auf Bali gelandet sind, habe niemand zurückfliegen wollen, sagte ein Sprecher.

Der Deutsche Reisebüroverband zeigte sich besorgt über die Anschläge und deren mögliche Auswirkungen auf die Reisebranche. "Die Situation wird dadurch zusätzlich verschärft", sagte ein Sprecher.



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