Balkan-Konflikt USA wollen Bosnier wegen Kriegsverbrechen abschieben

Die USA wollen laut "New York Times" rund 150 mutmaßliche Kriegsverbrecher ausweisen - bosnische Serben, die am Massaker von Srebrenica beteiligt gewesen sein sollen. Die Zahl der Verdächtigen könnte sogar noch steigen.

Gedenkstein für die Opfer des Massakers von Srebrenica: Akt des Völkermords
REUTERS

Gedenkstein für die Opfer des Massakers von Srebrenica: Akt des Völkermords


New York - Die Regierung in Washington bereitet angeblich die Abschiebung von mindestens 150 Bosniern vor, die nach ihren Erkenntnissen an Kriegsverbrechen während der Jugoslawien-Konflikte in den Neunzigerjahren beteiligt waren. Insgesamt hätten die Behörden der Vereinigten Staaten etwa 300 Immigranten ausgemacht, die ihre Vergangenheit verschwiegen hätten, als sie inmitten einer Welle bosnischer Kriegsflüchtlinge in die USA eingereist seien, berichtet die Tageszeitung "New York Times" unter Berufung auf Beamte der US-Einwanderungsbehörde.

"Je mehr wir graben, desto mehr Dokumente finden wir", sagte der Historiker und Forscher Michael MacQueen dem Blatt. Nach seinen Schätzungen könnte die Zahl der Verdächtigen noch auf 600 steigen. Bei den meisten von ihnen handele es sich um damalige bosnische Soldaten, die heute als Fußballtrainer, Metallarbeiter oder gar als Croupier in Las Vegas ihr Geld verdienen würden.

Von den US-Beamten gesammeltes Beweismaterial deute darauf hin, dass möglicherweise mehr als die Hälfte der 300 bosnischen Verdächtigten in den USA beim Massaker von Srebrenica 1995 eine Rolle gespielt hätten, heißt es in dem Bericht.

Dabei waren im Juli 1995 fast 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnischen Serben unter Führung von General Ratko Mladic getötet worden. Mladic und 19 weitere mutmaßliche Verantwortliche stehen deswegen vor dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Im November hatte zuletzt die Polizei in Bosnien-Herzegowina zwölf bosnische Serben verhaftet, denen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. Die Verdächtigen sollen während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 an einem Überfall auf Muslime im Dorf Zecovi beteiligt gewesen sein.

In den Völkermordverfahren von Serbien und Kroatien kam der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag Anfang Februar zu dem Urteil, dass die beiden Länder nicht gegen die Uno-Konvention verstoßen hätten. Kroatien zeigte sich nach der Entscheidung schockiert.

bos/AFP/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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derMarx 01.03.2015
1. Bitte weiter recherchieren
Was passiert denn nun mit den aus den USA ausgewiesenen, vermeintlichen Kriegsverbrechern? Werden die nach Den Haag ueberstellt oder kommen die in Bosnien vor Gericht? Danke
Ruhri1972 01.03.2015
2.
Ein Thema auch in Deutschland. Wieviele Kriegsverbrecher leben unbehelligt von der Justiz in Deutschland ? Bisher ein Nicht Thema
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