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19. Juni 2016, 15:54 Uhr

Kampf gegen Islamisten

12.000 Festnahmen bei umstrittenem Großeinsatz in Bangladesch

Die Aktion dauerte eine Woche, am Ende wurden 12.000 Menschen festgesetzt: Bangladesch geht mit einer Verhaftungswelle gegen Islamisten vor. Kritiker sehen darin den Versuch, die Opposition auszuschalten.

Seit drei Jahren leidet Bangladesch unter islamistischem Terror. Opfer der Anschläge sind Islamkritiker, Intellektuelle und Angehörige religiöser Minderheiten. Die Angriffe laufen meist nach ähnlichem Muster ab: Eine Gruppe vermummter Männer schlägt und sticht mit Messern und Macheten auf ihr Opfer ein und flieht unerkannt, meist auf Motorrädern.

Zu den meisten Attacken in dem kleinen, aber bevölkerungsreichen Land (160 Millionen Einwohner) bekannten sich islamistische Organisationen wie Al-Qaida und der sogenannte Islamische Staat (IS) oder lokale Organisationen, die mit ihnen verbunden sind. Die Regierung bestreitet jedoch, dass der IS in Bangladesch aktiv ist. Sie macht unter anderem die oppositionelle islamistische Partei Jamaat-e-Islami verantwortlich.

So legitimiert die Regierung von Bangladesch den landesweiten Extremismus-Einsatz, bei dem auch viele Oppositionspolitiker inhaftiert worden sind. Insgesamt sollen in der letzten Woche 12.000 Menschen festgenommen worden sein, rund 200 von ihnen gehören angeblich zu radikalen islamistischen Gruppierungen, wie die Polizei mitteilte.

Der Generalsekretär von Jamaat-e-Islami nannte die Verhaftungswelle in einer Mitteilung unmenschlich und illegal; zahlreiche Mitglieder seiner Partei seien ohne Grundlage festgenommen worden. Aber auch die nicht als islamistisch eingestufte Oppositionspartei BNP protestierte, sie erklärte, dass mehr als 2000 der Infaftierten aus ihren Reihen stammen würden.

In Medienberichten werden Polizisten beschuldigt, Festgenommene nur gegen Bestechungsgelder wieder freizulassen. Asaduzzaman Khan Kamal, Heimatminister von Bangladesch, widersprach beiden Anschuldigungen: "Wir haben niemanden illegal oder aus politischen Gründen verhaftet."

Nichtregierungsorganisationen bezeichnen es zwar als notwendig, dass Bangladesch stärker gegen sein Problem mit Islamisten vorgeht, kritisieren aber zugleich die Wahllosigkeit der Razzien. "Die Behörden sind gegen die üblichen Verdächtigen vorgegangen, anstatt fokussiert zu ermitteln", sagte Brad Adams, Asienchef von Human Rights Watch. "Das vermittelt wenig Vertrauen, dass die Morde aufhören oder dass nun geregelte Verfahren folgen."

Noch während des Großeinsatzes meldete die Polizei am Donnerstag die nächste Attacke: Unbekannte hatten einen hinduistischen Dozenten einer Universität in Südbangladesch mit Macheten angegriffen. Er überlebte den Angriff verletzt.

cbu/dpa

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