Bangladesch 90 Jahre Haft für Ex-Islamistenführer

Ein Sondergericht in Bangladesch hat einen früheren Islamistenführer zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt. Dem heute 90-Jährigen Ghulam Azam wurden Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg zur Last gelegt.

Ghulam Azam: 90 Jahre Haft für den 90-Jährigen
AP

Ghulam Azam: 90 Jahre Haft für den 90-Jährigen


Dhaka - Ghulam Azam, der frühere Vorsitzende der Partei Jamaat-e-Islami, ist für seine Verbrechen im Unabhängigkeitskrieg vor 40 Jahren in Bangladesch zur Rechenschaft gezogen worden. Ein Sondergericht in Dhaka verurteilte den 90-Jährigen zu 90 Jahren Haft - wegen Mordes und der Folter unbewaffneter Zivilisten sowie der Planung, der Komplizenschaft und des Aufrufs zu Völkermord und Menschheitsverbrechen. Azam wurde außerdem schuldig befunden, den pakistanischen Streitkräften geholfen zu haben, Zivilisten anzugreifen.

Das heutige Bangladesch war nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1947 zunächst ein Teil Pakistans geworden. 1971 erkämpfte es sich in einem blutigen, neun Monate langen Krieg mit indischer Unterstützung die Unabhängigkeit. Schätzungsweise drei Millionen Zivilisten wurden von pakistanischen Kräften und ihren Kollaborateuren ermordet, rund 200.000 Frauen vergewaltigt.

Die Jamaat-e-Islami-Partei rief am Montag zu einem Streik auf. Sie forderte die Freilassung Azams und anderer wegen Kriegsverbrechen angeklagter Parteiführer. Die Prozesse seien politisch motiviert.

als/dpa



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