Bangladesch Angreifer töten Blogger mit Macheten

Auf grausame Weise haben Angreifer einen Online-Aktivisten in Bangladesch ermordet. Nazimuddin Samad wandte sich gegen radikalen Islamismus in seinem Land.

Studentenproteste in Dhaka nach Mord an Samad
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Studentenproteste in Dhaka nach Mord an Samad


Der Student Nazimuddin Samad war gerade auf dem Heimweg von der Universität, als drei Angreifer auf einem Motorrad heranfuhren. Sie hatten Macheten bei sich. Sie schlugen mit den Klingen auf Samad ein und erschossen ihn, auf offener Straße in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch.

Seit einem Jahr wird Bangladesch von einer brutalen Mordserie an Bloggern und Autoren erschüttert, die es wagen, den Islamismus zu kritisieren. Auch Samad, 28, wollte eine atheistische Gesellschaft und wandte sich gegen religiösen Extremismus, sagen seine Freunde. Studenten protestierten am Donnerstag vor der Universität von Dhaka und forderten die Festnahme der Täter. Die Mörder hatten Berichten zufolge nach der Tötung "Allahu akbar" (Gott ist groß) gerufen.

Über 90 Prozent aller Bangladescher sind gemäßigte Muslime, aber es gab schon immer radikale Strömungen. In den vergangenen Jahren hat der Einfluss fundamentalistischer und radikaler Kräfte zugenommen. Sowohl das Terrornetzwerk al-Qaida als auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) behaupten, in Bangladesch aktiv zu sein. Das bestreitet die Regierung des südasiatischen Landes; sie plädiert für einen offenen, liberalen Islam. Erst vor drei Jahren wurde eine islamistische Partei verboten, doch die gleichen Leute, die an ihrer Spitze gestanden hatten, machten in neuen Organisationen weiter.

Für Menschen, die sich dem radikalen Islam widersetzen, wird es gefährlich. Die Serie von Morden begann Anfang vergangenen Jahres. Am Abend des 26. Februar 2015 zogen Unbekannte den Schriftsteller und Atheisten Avijit Roy vor einer Lesung aus einer Rikscha und richteten ihn mit Macheten und Fleischermessern hin. Der Autor wurde in einem Krankenhaus aufgebahrt, mit blutrot verfärbter Kleidung.

Es folgten Morde an Bloggern und Aktivisten und an einem Verleger. Immer wieder dienten Macheten als Mordwerkzeuge. Auch die Übergriffe auf Christen und Hindus sowie auf Sufis, Schiiten und Angehörige der islamischen Minderheit der Ahmadija haben zugenommen. Im März wurde ein christlicher Konvertit auf offener Straße getötet.

Beobachter sehen die seit Jahren andauernde politische Krise in Bangladesch als eine der Ursachen für die zunehmende Radikalisierung von Oppositionellen.

kgp/dpa/AP

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