Vor Parlamentswahlen Bangladesch drosselt das mobile Internet

Kurz vor den Parlamentswahlen in Bangladesch haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. Um Propaganda zu verhindern, wurden leistungsfähige Mobilfunknetze abgeschaltet.

Bangladeschs Hauptstadt Dhaka vor den Parlamentswahlen
DPA

Bangladeschs Hauptstadt Dhaka vor den Parlamentswahlen


Der Wahlkampf in Bangladesch wurde von Gewalt überschattet. Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition wurden 13 Menschen getötet und Tausende verletzt. Vor der Wahl am Sonntag haben die Behörden daher nun die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft.

Landesweit seien rund 600.000 Polizisten, Soldaten und andere Sicherheitskräfte im Einsatz, um die rund 40.000 Wahllokale abzusichern, sagte ein Behördenvertreter. Es gelte die höchste Sicherheitsstufe, damit die Wahl in einer "friedlichen Atmosphäre" ablaufen könne, sagte Rafiqul Islam von der Wahlkommission.

Kurz vor Ende des Wahlkampfes hatten die Behörden auch das mobile Internet gedrosselt. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation habe die Anbieter aufgefordert, die leistungsfähigen 3G- und 4G-Mobilfunknetze am Donnerstagabend vorübergehend zu stoppen, "um die Verbreitung von Propaganda und Fehlinformationen über das Internet zu verhindern", sagte ein Behördenvertreter.

Nach einer zehnstündigen Pause funktionierten die leistungsfähigen Mobilfunknetze am Freitag zunächst wieder. Erneute Drosselungen seien jedoch nicht ausgeschlossen. Die Netze nach den 3G- und 4G-Standards ermöglichen das schnelle Surfen im Internet und die Übermittlung von Bewegtbildern und großen Dateien.

Am Sonntag wird in Bangladesch gewählt. Premierministerin Sheikh Hasina strebt eine vierte Amtszeit an. Ein von der Nationalistischen Partei (BNP) angeführtes Oppositionsbündnis fordert sie heraus. Während des Wahlkampfs wurden Tausende Regierungsgegner festgenommen. Die BNP-Chefin und frühere Regierungschefin Khaleda Zia sitzt wegen Korruptionsvorwürfen eine 17-jährige Haftstrafe ab.

Weil die BNP von den dominierenden Medien ignoriert wurde, war die Partei im Wahlkampf auf soziale Medien wie Facebook angewiesen. 100 Millionen Menschen sind zu den Parlamentswahlen aufgerufen. 92 Millionen Menschen in Bangladesch nutzen das Internet.

Regierungschefin Hasina und Oppositionsführerin Zia pflegen eine erbitterte Feindschaft, die das südasiatische Land immer wieder politisch lähmt. Seit mehr als 25 Jahren wechselten sich die Rivalinnen an der Staatsspitze ab. Seit 2009 regiert Hasina.

asc/AFP

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