Obama beim Korrespondenten-Dinner "Das wird wie die Rote Hochzeit"

Witze für "Game of Thrones"-Fans, Seitehiebe gegen Hillary Clinton und am Ende Haue für Donald Trump. Barack Obamas Rede beim Korrespondentendinner im Weißen Haus war lustig - und sehr politisch.


Gleich zu Beginn von Barack Obamas Rede vor dem Pressekorps des Weißen Hauses, beim traditionellen "Correspondents' Dinner", gab es einen Seitenhieb gegen Hillary Clinton. Die hatte gemeinsam mit dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio kürzlich bei einer Veranstaltung Witze über "CP Time" (CPT) gemacht, eine auch von Rassisten gern benutze Chiffre für die Behauptung, Schwarze ("Colored People") seien oft unpünktlich. Das hatte für eine Menge Unmut gesorgt.

Er sei etwas zu spät, weil er "auf CPT unterwegs ist", sagte Obama und ergänzte, das falle übrigens in die Kategorie "Witze, die Weiße nicht machen sollten".

Kurz darauf aber bekannte er sich, wenn auch verklausuliert, eindeutig zu Hillary Clinton: Im kommenden Jahr werde jemand anders an dieser Stelle stehen, so Obama, "und wir alle können nur raten, wer sie sein wird".

Später scherzte Obama über sein Alter und das bevorstehende Ende seiner Amtszeit, um dann die Republikaner für ihre Weigerung aufs Korn zu nehmen, den von Obama für den Supreme Court, das oberste US-Gericht, vorgeschlagenen Richter Merrick Garland auch nur in Erwägung zu ziehen.

Die "Red Wedding" ist "Game of Thrones"-Fans ein Begriff

Zwei anwesende republikanische Senatoren begrüßte er namentlich, um dann zu rufen: "Security, verrammelt die Türen, Richter Merrick Garland, kommen sie her, wir machen das jetzt sofort." Dann schloss der bekennende "Game of Thrones"-Fan einen bitterbösen Witz an: "Das wird wie die Rote Hochzeit." In dieser Episode aus der Fantasy-Serie wird eine Hochzeitsgesellschaft eingeschlossen und dann brutal abgeschlachtet.

Immer wieder sprach Obama scheinbar über sich selbst, lästerte aber in Wahrheit über die desaströse Situation der Republikaner. "Meine Zustimmungswerte steigen immer weiter", scherzte er etwa "so high war ich das letzte Mal, als ich dabei war, mich an der Uni für ein Hauptfach zu entscheiden". Keiner wisse woran das liege, so Obama weiter - gleichzeitig wurden auf einer Leinwand Fotos von Donald Trump und seinem Konkurrenten Ted Cruz gezeigt. Gelächter im Saal.

Reince Priebus, den Vorsitzenden des Nationalkomitees der Republikaner, begrüßte Obama mit den Worten: "Schön, dass Sie der Meinung sind, dass sie sich einen freien Abend verdient haben. Die Republikanische Partei, der Nominierungsprozess - läuft alles super. Weiter so!"

"The Donald" wird 20 Minuten lang kaum erwähnt

"The Donald" kam in Obamas Rede zunächst nur in einer kurzen Bemerkung mit Blick auf den anwesenden ehemaligen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg zur Sprache: "Ein kontroverser Milliardär aus New York führt den republikanischen Nominierungsprozess an - und es sind nicht Sie! Das muss ein bisschen wehtun."

Tatsächlich aber sei der Vergleich zwischen Bloomberg und Trump nicht fair: "Mike war Bürgermeister einer Großstadt. Er kennt sich mit Politik wirklich aus." Dann folgte eine noch deutlichere Ohrfeige für Trump, dessen tatsächliches Vermögen hochumstritten ist: "Und er hat tatsächlich so viel Geld, wie er behauptet."

Doch dabei blieb es zunächst, mancher im Saal wunderte sich vermutlich schon. Schließlich hatte Obama Trump beim Correspondens' Dinner schon einmal aufs Brutalste auseinandergenommen, das war 2011. Diesmal aber: Kaum ein Wort. So schien es jedenfalls.

Nach 20 Minuten tat Obama so, als ob er nun zum traditionell ernsteren Schlussteil der Rede übergehen wolle, murmelte etwas über "die freie Presse" - um dann zu grinsen und auszurufen: "Ich mache nur Witze! Ist doch klar, dass ich noch über Trump reden muss!"

Trump selbst war dieses Mal nicht da. Er könne das gar nicht glauben, so Obama: "Wir haben einen Raum voller Reporter! Prominente! Kameras! Und er sagt nein!" Ob das Correspondents' Dinner etwa "zu kitschig" für Trump sei? "Was macht er nur stattdessen? Isst er ein Trump-Steak? Twittert er Beleidigungen gegen Angela Merkel? Was macht er nur?" Trump Steaks gehören zu den vielen Flops, die Trump im Laufe der Jahre produziert hat.

Das Establishment der Republikaner sei immer noch fassungslos über Trumps Führung, so Obama weiter. "Sie sagen, es fehlt Donald an der außenpolitischen Erfahrung, um Präsident zu werden. Aber fairerweise muss man sagen, dass er über die Jahre viele Führungspersönlichkeiten aus aller Welt getroffen hat: Miss Schweden,… Miss Argentinien,… Miss Aserbaidschan…" - heftiges Gelächter im Saal. Zu Trumps Geschäftsbeteiligungen gehört auch die "Miss Universe Organization".

"Wir hoffen, dass Cleveland den Juli übersteht"

Dann ging es um Trumps teils nicht erfolgreiche Immobiliengeschäfte. Sehr wertvoll könne "Donalds Erfahrung" an einer Stelle sein, so Obama, "nämlich wenn es darum geht, Guantanamo zu schließen. Denn Trump weiß das eine oder andere darüber, wie man Grundstücke am Wasser herunterwirtschaftet."

In Cleveland findet im Juli der Nominierungsparteitag der Republikaner statt. Dort könnte die Partei Trump trotz seiner Wahlerfolge womöglich doch noch die Nominierung verweigern. Trumps ehemaliger Wahlkampfberater Roger Stone hatte vor einigen Wochen gewarnt, sollte das geschehen, werde die Stadt "Tage des Zorns" erleben. Trumps Unterstützer würden "nach Cleveland marschieren" man werde "die Hotels und die Zimmernummern der Delegierten veröffentlichen", die sich gegen Trump aussprächen. Im Umfeld von Trump-Wahlkampfveranstaltungen ist es in jüngerer Zeit wiederholt zu Gewaltausbrüchen gekommen.

Auf diese Umstände spielte Obama mit der kollektiven Ohrfeige für die anwesenden Medienvertreter an - er wies ihnen eine Mitschuld für Trumps Erfolg zu. Er werde keine weiteren Witze über den Milliardär machen, sagte er, "ich orientiere mich an Ihnen und übe Zurückhaltung. Denn wir sind uns ja alle einig, dass über ihn im richtigen Ausmaß berichtet wurde. So, wie es der Ernsthaftigkeit seines Wahlkampfs angemessen ist."

Obama weiter: "Ich hoffe, ihr seid alle stolz auf euch. Dieser Kerl ist angetreten, um sein Hotelgeschäft in Schwung zu bringen - und jetzt beten wir alle, dass Cleveland den Juli übersteht."

cis



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Menschundrecht 01.05.2016
1. They Hunted Down Our Wombs!
Zuallerletzt heult (http://www.spiegel.de/politik/ausland/barack-obama-us-praesident-witzelt-beim-korrespondenten-dinner-a-1090230.html) er dann aber doch wieder, der letzte Heuler.
jufo 01.05.2016
2. ambivalent
Ein schwieriger Präsident. Er kann sehr sympathisch sein, dann wieder schießt er wild mit Drohnen um sich. Die Welt wurde nicht besser in seiner Zeit, einer Zeit die aber auch ungewöhnlich schwierig war. Ich werde ihn trotzdem vermissen, Wall Street Hillary ist kein guter Ersatz, findet Obama vermutlich auch nicht.
micromiller 01.05.2016
3. Obama war eine Mogelpackumg
er hat sich als liberaler Friedenspräsident vermarktet. Aus bis heute unerklärlichen Gründen bekam er den Friedensnobelpreis und das war es. Er war ein besserer Bush, hat weniger Blutvergiessen verursacht, aber den Chaos im Nahen Osten durchaus beflügelt. Bleibt zu hoffen das Trump seine Versprechen, dass er dieses Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Friedens machen will erfüllt.
grecco-el 01.05.2016
4. Danke
Er war, ist und bleibt ein - sympathischer - Schelm. Er hat eine hübsche Frau, nette Kinder; ich wünsche ihm alles Gute für sein demnächst wieder privates Leben.
kasam 01.05.2016
5. Egal was kommt,
Hillary ist 1000 malbesser als Trump. Denn sie ist eine ernst zu nehmende Politikerin, Trump hingegen ein alter, reicher Mann, der von Politik keine Ahnung hat, aber in seinen Geschäften immer Leute hatte, die ihm den Bauch pinselten, kein Fundament um unabhängige Politik machen zu wollen oder zu können. Ein Clown bleibt ein Clown. Ein Schreihals bleibt ein Schreihals. Und vielen wird Obama fehlen, 1000 % tig-
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