Trotz chinesischer Proteste US-Präsident Obama empfängt Dalai Lama im Weißen Haus

Es ist ein gewohntes Bild: Barack Obama empfängt den Dalai Lama, die Chinesen protestieren. An der Position der USA in Sachen Tibet ändert sich aber nichts.

Barack Obama und der Dalai Lama im Weißen Haus 2011
Pete Souza/ The White House

Barack Obama und der Dalai Lama im Weißen Haus 2011


Hinter verschlossenen Türen hat US-Präsident Barack Obama den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen. Das Treffen fand nicht im Oval Office statt, wo der Präsident meist ausländische Staats- und Regierungschefs empfängt, sondern im "Kartensaal" des Weißen Hauses. Pressefotografen waren nicht zugelassen, eine Pressekonferenz nicht angesetzt.

Obamas Sprecher Josh Earnest betonte, der Präsident sei dem Dalai Lama und seinen Lehren persönlich zugeneigt. Er unterstütze zudem den Erhalt der religiösen, kulturellen und sprachlichen Traditionen Tibets. An der amerikanischen Position zu Tibet habe sich aber nichts geändert. Die USA sehen Tibet als Teil Chinas.

Die chinesische Führung, die den Friedensnobelpreisträger als Staatsfeind betrachtet, hatte bereits im Vorfeld gegen das Treffen protestiert. Dadurch könnten das "gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit beschädigt" werden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

Vertreter der chinesischen Regierung protestieren regelmäßig, wenn ausländische Staaten den geistigen Führer der Tibeter empfangen. Tibet wird seit 1950 von China beherrscht. Der Dalai Lama strebt nicht die Unabhängigkeit Tibets an, aber größere Autonomie. Die Tibeter klagen über religiöse Unterdrückung und angesichts des zunehmenden Zuzugs von Han-Chinesen über soziale Marginalisierung in ihrer Heimat.

Es war bereits das vierte Mal in seiner siebenjährigen Amtszeit, dass Obama den Dalai Lama empfing. Obama hat sämtliche Treffen mit dem Dalai Lama im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen abgehalten. Allerdings hatte er im Februar 2015 demonstrativ gemeinsam mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter an einem Gebetstreffen in Washington teilgenommen und dabei seine Hochachtung bekundet. Der Dalai Lama sei ein "mächtiges Beispiel dafür, was es bedeutet, Mitgefühl zu zeigen".

Der Dalai Lama lebt seit einem gescheiterten Volksaufstand in Tibet 1959 im indischen Exil. Seine politische Rolle hat der Dalai Lama inzwischen offiziell aufgegeben. Peking unterstellt dem Dalai Lama aber, Tibet von China abspalten zu wollen.

asa/dpa/AFP/Reuters



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hf-mg 15.06.2016
1. Tibet
Es wird immer so getan, als ob Tibet ein Musterknabe für Menschenrechte war. Tibet als eigenständiger Staat war sehr brutal. Soll man auch mal wissen
90-grad 16.06.2016
2. Undiplomatisch, aber Belanglos!
Was Obama am Führer einer religiösen Unterdrückerkaste findet, bleibt ihm überlassen. In Tibet herrscht mittlerweile, und sehr erfolgreich ein säkulares System. Angesichts der weltweiten Probleme mit islamistischen Auswüchsen sollte er sich wohl besser mit Führern des Islam treffen. Könnte sicher nicht schaden!
freiheitimherzen 16.06.2016
3. geistige Verwirrung um den
Liebe Spiegel-Redaktion, der Dalai Lama ist ein hoher, sehr angesehener Lama. Er ist NICHT der "geistige Führer" der Tibeter. Er ist nicht einmal das geistige Oberhaupt seiner eigenen Schule, der Gelugpas. Ganz zu Schweigen von der anderen drei, wesentlich älteren Schulen. Oder würden Sie sich auch zu der Aussage versteigen wollen, daß der Papst das Oberhaupt aller Christen ist? Ich würde mich freuen, wenn diese Tatsachen endlich in Ihrer Berichterstattung Berücksichtigung finden könnten. Abgesehen davon schließe ich mich der Meinung von Präsident Obama vorbehaltlos an. Viele Grüße
viceman 16.06.2016
4. der dalai lama taugt
nicht als beispiel für frieden/freiheit/menschenrechte. seine eigene kaste hat hunderte jahre die menschen in tibet unterdrückt und brutal ausgebeutet. heute ist der typ mehr eine esoterischer guru, ohne bindung an die heimat, ein "partypriester" , jemand mit dem man sich gerne schmückt. man braucht sich nur die liste seiner freunde anzuschauen, das dürfte an scheinheiligkeit reichen...
accie 16.06.2016
5. beide Herren Verlogen
Beide gefährden Weltfrieden. Obama ist ja bekannt mit seinem Friedensnobelpreis Kriege anzuzetteln. Der andere rassistische Heuchler schimpft jetzt auf die Muslime weil er den christlichen Fanatiker aus Westen heucheln will.
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