Barack Obama "Trump fühlt sich groß, wenn er andere erniedrigt"

Jetzt kritisiert auch US-Präsident Barack Obama das Skandal-Video von Donald Trump. Die Äußerungen zeigten, wie unsicher der Kandidat der Republikaner sei. "In diesem Amt taugt das nicht als Eigenschaft."

Barack Obama
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US-Präsident Barack Obama hat Donald Trumps sexistischen Äußerungen und Prahlereien mit sexuellen Übergriffen als "entwürdigend und herabsetzend" verurteilt. Trump setze nicht nur Frauen herab, sondern auch Minderheiten, Einwanderer sowie Menschen anderen Glaubens. Er mache sich über Behinderte lustig und beleidige US-Veteranen. Das sei bezeichnend: "Er ist so unsicher, dass er sich groß fühlt, wenn er andere Leute erniedrigt", sagte der US-Präsident bei einer Wahlkampfveranstaltung der Demokraten in Chicago.

Diese Charaktereigenschaft disqualifiziere ihn für das Präsidentschaftsamt. "Er schert sich nicht um grundlegende Werte, die wir unseren Kindern mit auf den Weg geben wollen", sagte Obama.

Es waren die ersten Äußerungen des Präsidenten über Trump, nachdem ein Video mit den Bemerkungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten aus dem Jahr 2005 aufgetaucht war. Darin brüstet sich Trump vor dem TV-Moderator Billy Bush damit, wie gerne er Frauen sexuell belästigt. Obama sagte nun bei der Veranstaltung, er werde die "unfassbare Rhetorik" nicht wiederholen - "es sind Kinder im Raum".

Auch in Trumps eigener Partei war die Empörung groß - so groß, dass ihm Dutzende namhafter Republikaner die Unterstützung entzogenoder sogar seinen Rückzug aus dem Rennen zugunsten seines Vizekandidaten Mike Pence forderten.

Kathleen Willey, Juanita Broaddrick, Donald Trump
REUTERS

Kathleen Willey, Juanita Broaddrick, Donald Trump

Trump tritt mit Clinton-Anklägerinnen vor die Presse

Trump selbst äußerte sich in der Nacht zu Montag. Das heißt, eigentlich ließ er "vier mutige Frauen" für sich sprechen: Er veranstaltete mit ihnen überraschend eine kurze Pressekonferenz, die live auf seinem Facebook-Account zu verfolgen war. Die Frauen werfen Ex-Präsident Bill Clinton sexuelle Übergriffe vor.

Eine von ihnen, Juanita Broaddrick, bezichtigt Bill Clinton, sie 1978 als 35-Jährige vergewaltigt zu haben. Clinton war damals Generalstaatsanwalt von Arkansas. Er bestritt die Vorwürfe über seinen Anwalt. Broaddrick erklärte nun: "Donald Trump mag schlechte Worte verloren haben, aber Bill Clinton hat mich vergewaltigt und Hillary Clinton hat mir gedroht." Neben Trump saßen zudem Kathy Shelton, Kathleen Willey und Paula Jones. Aus Hillary Clintons Wahlkampfteam hieß es, die "Inszenierung" Trumps sei wenig überraschend.

Die Pressekonferenz fand nur wenige Stunden vor der zweiten TV-Debatte zwischen Trump und seiner demokratischen Herausforderin Clinton statt. Nach Angaben des Senders CNN wollen die Moderatoren das Skandal-Video gleich zum Auftakt des Duells erwähnen. Es wird erwartet, dass sich Trump noch einmal entschuldigt - das hätten ihm seine Berater dringend ans Herz gelegt, hieß es. Trumps Berater Rudy Giuliani, ehemaliger Bürgermeister New Yorks, sagte dem Sender ABC, der Kandidat schäme sich wirklich.

Clinton und Trump treffen um 3 Uhr nachts deutscher Zeit in St. Louis aufeinander. Die Debatte findet diesmal im sogenannten Townhall-Format statt. Die Kandidaten können sich dabei freier bewegen, und ein großer Teil der Fragen wird aus dem Publikum kommen (mehr Hintergründe dazu lesen Sie hier).

Die erste Debatte mit Clinton Ende September hatte Trump deutlich verloren und seine Rivalin danach in Umfragen zugelegt. Schon allein dadurch stand er unter großem Druck, diesmal zu punkten - und das war noch vor dem Skandal-Video.

aar/dpa/Reuters/AP

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