Obama als Entertainer Lahme Ente, funny Man

Witze über Hillary Clinton, Joe Biden und die miesen Umfragewerte: Bei einem Pressedinner hat Barack Obama erneut den Entertainer gegeben. Das funktioniert mittlerweile besser als Innen- oder Außenpolitik.

REUTERS/ Pete Souza/ The White House

Washington - Wie wird Barack Obama in die Geschichte eingehen? Als guter Präsident? Als schlechter? Die Antwort hängt sehr vom politischen Standpunkt ab, doch in einer Sache dürfte Einigkeit bestehen: Es gab schon humorlosere Charaktere im Weißen Haus.

Während seiner Präsidentschaft hat Obama es immer wieder verstanden, allem Ernst der Amtsgeschäfte zum Trotz leichte Töne anzuschlagen, ohne dass man sich für ihn hätte fremdschämen müssen. Wie neulich, als er bei Late-Night-Talker Jimmy Kimmel böse Tweets über sich vorlas und kommentierte - alles Teil einer Inszenierung, die den Präsidenten nahbarer machen soll.

Genauso hat Obama die Gabe, in unerwartet seltsamen Momenten zu improvisieren: Wie 2013, als eine Fliege bei einem öffentlichen Auftritt im Weißen Haus partout nicht von ihm lassen wollte. Wie 2011, als der achtmonatige Sohn eines Soldaten auf Obamas Arm unbedingt mit seiner Hand das Gesicht des Präsidenten erkunden wollte und so das Erinnerungsfoto zur Herausforderung machte. Oder wie 2009, als es auf einem Foto ganz so aussah, als gehe eher Hund Bo mit Obama spazieren als umgekehrt. (Skurrile Momente aus Obamas Präsidentschaft finden Sie hier.)

"Jetzt bin ich ein Mann von gestern"

Bei den geplanten lustigen Anlässen hat Obama inzwischen einen Vorteil: Er will zwar sein politisches Vermächtnis sichern, muss aber keine Wahl mehr gewinnen. Deshalb kann er vergleichsweise ungezwungen lästern.

So wie nun beim jährlichen Gridiron Dinner, veranstaltet von einem elitären Journalistenklub in Washington. Mitglied beim "Gridiron Club and Foundation" wird man nur auf Einladung. Wie beim Korrespondentendinner des Weißen Hauses ist die Feier ein Treffen von Spitzenpolitikern und der Personen, die über sie berichten. Und es gehört zum guten Ton, Parteifreunde, den politischen Gegner und auch sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Ein paar Obama-Kostproben:

  • Über Hillary Clinton: "Denken Sie doch nur, wie sich die Dinge seit 2008 verändert haben. Damals war ich der junge, technikaffine Kandidat der Zukunft. Jetzt bin ich ein Mann von gestern und Hillary hat einen Server in ihrem Haus. Ich wusste nicht einmal, dass so etwas geht. Ich bin so weit hintendran."
  • Über das Publikum: Obama bemerkte, die Gäste hätten mehr über seine Witze gelacht als beim Auftritt 2013. "Ich sage nicht, dass ich lustiger bin. Ich sage, dass Gras jetzt in D.C. legal ist."
  • Über seine sinkende Popularität: "Noch vor wenigen Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, in den Fünfzigern zu sein", sagte er. "Und bei meinen Beliebtheitswerten kann ich es immer noch nicht."
  • Über die Demokraten: Die müssten sich mehr um ältere Wähler bemühen - und, mit einem Blick auf die Herrschaften gesetzten Alters im Publikum: "Deshalb bin ich hier."
  • Über Vizepräsident Joe Biden: Der hat den Ruf, gerne mal allzu nahe auf Tuchfühlung zu gehen, etwa, als er die Frau von Verteidigungsminister Ash Carter bei dessen Amtseinführung an den Schultern streichelte. "Joe massiert meine Schultern ebenfalls", sagte Obama.

Die "Washington Post" schrieb, das Gridiron-Dinner sei ein Liebesbrief an ein Washington, das nie wirklich existiert habe: In dem Politiker sich selbst, die Presse und den politischen Prozess trotz aller Differenzen respektieren. "Wenn das jemals stimmte, dann sicherlich nicht jetzt - aber es muss schön sein, für ein paar Stunden so zu tun als ob."

ulz/Reuters



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