Barack Obama über Hillary Clinton Ja, sie kann es

Alle gegen Donald Trump: Auf dem Parteitag der US-Demokraten erklären Barack Obama, Joe Biden und Tim Kaine, warum nur Hillary Clinton im Oval Office sitzen sollte. Sie selbst legt einen Überraschungsauftritt hin.

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Jetzt auch Barack Obama: Nach den umjubelten Reden von Bernie Sanders, Michelle Obama und Bill Clinton war nun der US-Präsident mit einer Lobrede auf Hillary Clinton an der Reihe. Er war Hauptredner am dritten Tag des Parteikonvents der US-Demokraten. Und seine Botschaft war klar. Amerika ist großartig. Mit Clinton im Oval Office wird es noch besser. Und wehe, Donald Trump kommt an die Macht.

Auf den Job im Weißen Haus könne man sich nicht vorbereiten, sagte Obama. Bis man nicht selbst am Schreibtisch im Oval Office gesessen habe, wisse man nicht, wie es sich anfühle, eine globale Krise zu bewältigen oder junge Menschen in den Krieg zu schicken. "Aber Hillary kennt den Raum, sie war Teil dieser Entscheidungen."

Clinton lasse sich von nichts aus der Ruhe bringen, sie behandle jeden mit Respekt und gebe niemals auf. "Das ist die Hillary, die ich kenne. Das ist die Hillary, die ich bewundere." Es habe nie jemanden gegeben, der besser für das Amt geeignet sei. "Nicht ich, nicht Bill, niemand."

"Das Amerika, das ich kenne"

Die US-Republikaner hatten Trump auf ihrem Parteitag in Cleveland in der vergangenen Woche offiziell zum Kandidaten gekürt. Was er von diesem Konvent gehört habe, sei zutiefst pessimistisch gewesen, sagte Obama nun. Es seien keine Lösungen angeboten worden, es habe bloß Beschuldigungen gegeben, Wut und Hass. "Und das ist nicht das Amerika, das ich kenne."

"Das Amerika, das ich kenne, ist voller Mut und Optimismus und Einfallsreichtum", sagte Obama. Er wisse um die Sorgen der Menschen: Rechnungen, die Sicherheit der Kinder, die Pflege kranker Eltern. Attentate wie in Orlando oder Nizza würden zudem schockieren und traurig machen. Aber auf seiner Reise durch alle US-Bundesstaaten habe er vor allem auch gesehen, was im Land gut laufe, sagte Obama und nannte als Beispiele unter anderem hart arbeitende Menschen und "eine jüngere Generation voller Energie und neuer Ideen".

Und dann kommt Clinton auf die Bühne

Dies sei keine typische Präsidentschaftswahl, sagte Obama. Es gehe nicht nur um Parteien oder Personen. Es gehe um die viel grundsätzlichere Frage: "Wer sind wir?"

Es war eine emotionale Rede Obamas, in der er nicht nur über Clinton und Trump, sondern auch über sich selbst sprach - und die Leistungen seiner zwei Amtszeiten: gesunkene Arbeitslosenzahlen, die Gesundheitsreform, der Ausbau erneuerbarer Energien, der Tod Osama bin Ladens, der Atom-Deal mit Iran, die diplomatischen Beziehungen zu Kuba. "Wir haben viel geschafft", sagte Obama. Aber es gebe auch noch viel zu tun.

Bei den Delegierten bedankte er sich für die "unglaubliche Reise" und sagte unter Jubel: "Lasst uns weitermachen!" Als er vom Rednerpult trat, kam überraschend Clinton selbst auf die Bühne - zum ersten Mal während des Parteitags in Philadelphia. Die beiden umarmten sich, sie winkten, sie strahlten. Der Saal feierte.

Alle gegen Trump

Vor Obama hatten unter anderem Vizepräsident Joe Biden und New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg vor den Delegierten in Philadelphia gesprochen. Zudem nahm Tim Kaine seine Nominierung zum Vize-Präsidentschaftskandidaten offiziell an.

  • Joe Biden nannte Clinton eine Kämpferin - und teilte sehr deutlich gegen Trump aus. "Wir leben in einer komplizierten und unsicheren Welt", sagte er. "Die Gefahren sind zu groß, die Zeiten sind zu unsicher, um Donald Trump als US-Präsident zu wählen." Der Republikaner habe "keine Ahnung, wie man Amerika wieder großartig macht", sagte Biden. "Er hat keine Ahnung. Punkt."
  • Michael Bloomberg ist parteilos, was seine Unterstützung für Clinton besonders wertvoll macht. Er wähle Kandidaten und keine Partei, sagte er. "Es gibt Zeiten, da stimme ich mit Hillary Clinton nicht überein. Aber wir müssen alle Meinungsverschiedenheiten beiseitelegen, zum Wohle unseres Landes." Das Land müsse hinter Clinton stehen, denn sie könne "einen gefährlichen Demagogen besiegen". Über den Immobilienmilliardär sagte Bloomberg auch: "Ich bin ein New Yorker und ich erkenne einen Betrüger, wenn ich ihn sehe."
  • Tim Kaine, Senator für Virginia, sagte, er werde für all jene Menschen als Vizepräsident kandidieren, die Amerika als eine Gemeinschaft betrachten - und für seine Freundin Hillary Clinton. Sie sei bereit für den Job, sie sei bereit, zu kämpfen, sie sei bereit, zu führen. Auch Kaine kritisierte Trump: "Leute, ihr könnt nicht ein Wort glauben, das aus Donald Trumps Mund kommt. Nicht ein Wort."

Am Dienstag hatten die Delegierten in Philadelphia Clinton offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt. Am Donnerstag, dem letzten Tag des Konvents, soll sie selbst eine Rede halten und ihre Nominierung formell annehmen. Der neue US-Präsident wird am 8. November gewählt.

aar/AP/Reuters/dpa

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