Ehemaliger US-Präsident Obama "Wenn ihr bloß mit Steinen werft, werdet ihr wahrscheinlich nicht weit kommen"

Der frühere US-Präsident fordert junge Aktivisten dazu auf, sich nicht auf das Anprangern anderer Menschen zu fokussieren. Seid nicht zu woke, empfiehlt er - und erntet parteiübergreifend Lob.

Barack Obama und Yara Shahidi: "Auch Menschen, die richtige, gute Dinge tun, haben Fehler"
Ashlee Rezin Garcia/Chicago Sun-Times via AP

Barack Obama und Yara Shahidi: "Auch Menschen, die richtige, gute Dinge tun, haben Fehler"


Barack Obama, der Mann, der mit den Slogans "Hope", "Change" und "Forward" zwei US-Präsidentschaftswahlen gewann, macht sich Sorgen um den Aktivismus junger Menschen in seinem Land. Dieser sei heutzutage zu oft davon geprägt, dass andere Menschen an den Pranger gestellt würden, sagte Obama der "New York Times" zufolge bei einer Veranstaltung seiner Stiftung am Dienstag.

Solches Verhalten sei aber kein Aktivismus und verändere nichts: "Wenn ihr bloß mit Steinen werft, werdet ihr wahrscheinlich nicht weit kommen. Denn das ist zu einfach." Bei der Veranstaltung diskutierte der Ex-Präsident mit der Schauspielerin und Harvard-Studentin Yara Shahidi sowie anderen jungen Aktivisten über Führungskultur und Grassroots-Bewegungen.

Besonders kritisch äußerte sich Obama über die Rolle der sozialen Medien. Manche junge Aktivisten schienen zu denken: "Wenn ich etwas darüber poste, dass jemand anderes etwas falsch gemacht oder das falsche Verb benutzt hat, kann ich mich zurücklehnen und mich gut fühlen. Nach dem Motto: 'Schau, wie woke ich war, ich habe dich angeprangert.'"

Mit wokeness (deutsch: Wachheit) wird im Englischen eine Haltung beschrieben, die sich durch besondere Aufmerksamkeit für Diskriminierungen und anderes Fehlverhalten auszeichnet.

Es helfe aber nicht, andere so stark wie möglich verurteilen zu wollen, um sich selbst besser zu fühlen. Denn die Welt sei ungeordnet und geprägt von Mehrdeutigkeiten, sagte Obama. "Auch Menschen, die richtig gute Dinge tun, haben Fehler."

Für seine Worte erhielt der Demokrat nicht nur Applaus vom Publikum, sondern auch parteiübergreifenden Zuspruch. Konservative politische Kommentatorinnen wie Ann Coulter und Tomi Lahren lobten die Aussagen ebenso wie die demokratische Präsidentschaftskandidatin Tulsi Gabbard. Obama wolle damit sagen, dass man andere nicht vorschnell verurteilen und nicht alles in Schwarz-Weiß sehen solle, schrieb Gabbard auf Twitter. Auch ihr demokratischer Rivale Andrew Yang stimmte Obama über Twitter zu.

mes



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.