Anschläge in Spanien Die Terrorzelle

Zwölf Männer sollen gemeinsam die Anschläge von Spanien geplant haben. Acht der mutmaßlichen Terroristen sind tot, vier sitzen im Gefängnis. Der Überblick.

Ermittler in Alcanar
AFP

Ermittler in Alcanar


Am Dienstagmorgen werden vier junge Männer zum Hauptquartier der Polizeieinheit Guardia Civil in Madrid gebracht. Ihre Hände sind gefesselt, Polizisten begleiten sie. Wenn die Ermittler recht haben, sind sie die letzten noch lebenden Mitglieder der islamistischen Terrorzelle, die für den Anschlag in Barcelona und die 15 Toten in der katalanischen Hauptstadt sowie in Cambrils verantwortlich ist. Acht mutmaßliche Komplizen sind tot.

Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass mit den zwölf getöteten, beziehungsweise festgenommenen Männern die gesamte Terrorzelle zerschlagen ist. In den kommenden Wochen und Monaten muss geklärt werden, welche Rolle die Männer in der Terrorvorbereitung und bei den Taten gespielt haben. Das ist bislang über die Akteure und Struktur der Terrorzelle bekannt:

Der mutmaßliche Drahtzieher

Abdelbaki Es Satty, 45 Jahre, soll als ehemaliger Imam von Ripoll für die Radikalisierung der Jugendlichen verantwortlich sein. Er wurde mehrfach in einem Ferienhaus in Alcanar gesehen, in dem die Terrorzelle offenbar an Bomben bastelte. In der improvisierten Terrorwerkstatt kam es kurz vor dem Anschlag von Barcelona zu einer Explosion, bei der Es Satty getötet wurde. (Lesen Sie hier mehr über den Imam).

Chronologie der Ereignisse

Der mutmaßliche Haupttäter

Younes Abouyaaqoub, 22, gilt derzeit als Hauptverdächtiger für den Anschlag in Barcelona. Er soll den Lieferwagen im Zickzackkurs über die Flaniermeile Ramblas gelenkt haben. 13 Menschen starben, mehr als 120 wurden verletzt. Auf der Flucht erstach er einen weiteren Mann. Polizisten erschossen Abouyaaqoub am Montagnachmittag in Subirats, knapp 50 Kilometer von Barcelona entfernt. Abouyaaqoub stammte aus Marokko und lebte zuletzt in Ripoll.

Innenminister Juan Ignacio Zoido zeigt ein Bild von Younes Abouyaaqoub
GUILLEN/EPA/REX/Shutterstock

Innenminister Juan Ignacio Zoido zeigt ein Bild von Younes Abouyaaqoub

Die mutmaßlichen Mittäter

Youssef Aalla reiste im Dezember 2016 mit Mohamed Hichamy nach Zürich. Er war möglicherweise am Bombenbau beteiligt. Er starb wie Es Satty bei der Explosion in Alcanar.

Moussa Oukabir stahl seinem älteren Bruder Driss laut dessen Angaben den Pass und soll damit jenen Fiat-Lieferwagen angemietet haben, der für die Attacke auf den Ramblas verwendet wurde. Der 17-Jährige galt zunächst auch als Fahrer, der Polizei zufolge fanden sich dafür aber bislang keine ausreichenden Beweise. Er wurde in Cambrils getötet.

Mohamed Hichamy, 24, war offenbar an der Anmietung der Tatfahrzeuge beteiligt. Nach bisherigen Angaben nutzte die Zelle bei Planung und Durchführung des Anschlags mindestens drei Lieferwagen. Er wurde in Cambrils getötet.

Auto der mutmaßlichen Terroristen in Cambrils
AP

Auto der mutmaßlichen Terroristen in Cambrils

Omar Hichamy war der Bruder von Mohamed. Die Brüder gehörten zu einer Gruppe von Freunden in der Kleinstadt Ripoll, die sich möglicherweise unter Einfluss des Imams Abdelbaki Es Satty radikalisierten. (Lesen Sie hier mehr über die Situation in Ripoll). Er wurde in Cambrils getötet.

Said Aalla gehörte eine Kreditkarte, die in einem in Cambrils zurückgelassenen Lieferwagen gefunden wurde. Er war der Bruder von Yousseff und Mohammed und wurde in Cambrils getötet.

Houssaine Abouyaaqoub, 19, war der Bruder von Younes Abouyaaqoub, dem mutmaßlichen Fahrer des Lieferwagens in Barcelona. Er wurde in Cambrils getötet.

Die Überlebenden

Verdächtiger bei Festnahme in Ripoll
AP

Verdächtiger bei Festnahme in Ripoll

Driss Oukabir, 28, ist der Bruder von Moussa, der ihm seinen Pass gestohlen haben soll. Er lebt in Ripoll und will mit den Taten nichts zu tun gehabt haben.

Mohammed Aalla, 27, stellte sich den Behörden. Er ist der Besitzer des Audi A3, mit dem die Gruppe in Cambrils unterwegs war. Mohammed ist der Bruder des in Cambrils getöteten Said und von Youssef, der mutmaßlich am Bombenbau beteiligt war.

Mohamed Houli Chemlal, 20, wurde bei der Explosion in Alcanar verletzt und festgenommen. Er lebte zuletzt in Ripoll.

Salh El-Karib, 34, betreibt einen Callshop in Ripoll. Zu seiner Rolle gibt es noch keine Angaben.

brk/dab

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