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18. August 2017, 12:56 Uhr

Barcelona und Cambrils

Terrorzelle soll hinter Attacken in Spanien stecken

Nach dem Anschlag in Barcelona und dem Vorfall in Cambrils laufen die Ermittlungen. Berichten zufolge soll eine Terrorzelle mehrere Angriffe geplant haben.

Ein Lieferwagen raste über die beliebte Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona - mitten durch die Menschenmenge. Laut Augenzeugen mit bis zu 80 Stundenkilometern, im Zickzackkurs, um möglichst viele Personen zu erwischen. Die traurige Bilanz der Terroristen: Mindestens 13 Tote und mehr als hundert Verletzte. Mittlerweile ist klar: Unter den Opfern sind auch Deutsche. (Verfolgen Sie hier die Ereignisse im Newsblog.)

13 Bundesbürger seien bei dem Anschlag in Spanien verletzt worden, teilte das Auswärtige Amt mit. Einige von ihnen schweben in Lebensgefahr. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch unter den Todesopfern deutsche Staatsangehörige seien.

"El Mundo" berichtet, die spanische Polizei fahnde nach einem neuen Hauptverdächtigen für die Tat mit dem Lieferwagen. Es handele sich um den 17-jährigen Moussa Oukabir, dem jüngeren Bruder des bereits am Donnerstag inhaftierten Driss Oukabir. Der Verdächtige soll nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet sein. Der Minderjährige Moussa hat dem Bericht zufolge seinem Bruder den Pass gestohlen und unter dessen Namen den Transporter angemietet. Dies habe auch Driss Oukabir gegenüber der Polizei bestätigt.

Die Behörden gehen mittlerweile offenbar von einem großangelegten Terrorangriff aus. Wenige Stunden nach der Attacke in Barcelona am Donnerstag waren nach einer Polizeikontrolle im Badeort Cambrils, etwa 100 Kilometer südlich von Barcelona, fünf mutmaßliche Terroristen erschossen worden. (Was wo passiert ist - der Überblick) Medienberichten zufolge hatten diese für den frühen Freitagmorgen einen Anschlag geplant. Zunächst hatte es geheißen, die fünf Männer hätten Sprengstoffgürtel getragen. Diese erwiesen sich jedoch als Attrappen, teilte die katalanische Polizei mit.

Attentäter sollen einer Terrorzelle angehört haben

Laut "El País" sollen die Attentäter von Barcelona und Cambrils einer einzigen Terrorzelle angehört haben. Die Zeitung berichtet unter Berufung auf Anti-Terror-Experten, die Gruppe habe sich aus zwölf Mitgliedern zusammengesetzt. Die Polizei hat bisher insgesamt vier Verdächtige festgenommen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Verweis auf Justizkreise über eine achtköpfige Gruppe, die weitere Angriffe geplant habe. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag in Barcelona laut ihrem Sprachrohr Amak für sich.

Bei dem Vorfall in Cambrils starb eine Frau. Sechs Menschen wurden verletzt, wie der katalanische Zivilschutz auf Twitter schrieb. Unter den Verletzten war auch ein Polizist. Nach spanischen Medienangaben waren die mutmaßlichen Terroristen in einem Wagen unterwegs, als sie von der Polizei kontrolliert wurden. Die Verdächtigen seien davongerast und hätten auf der Flucht noch Passanten angefahren, hieß es. Dabei sei ihr Fahrzeug umgekippt. Die Insassen versuchten zu Fuß zu fliehen und wurden von der Polizei niedergeschossen.

Explosion in Alcanar

Die Vorfälle in Barcelona und Cambrils dürften nach Ansicht der Ermittler auch mit einer Explosion in der Ortschaft Alcanar zu tun haben. Dort war am Mittwoch bei einer Detonation in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben gekommen. In dem Gebäude sollen nach Informationen von "El País" etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein. Hier sei möglicherweise der Anschlag in Barcelona vorbereitet worden. "Alles begann in Alcanar", titelte das Blatt.

Unter den Verdächtigen, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona festgenommen wurden, sei ein Marokkaner und ein Bewohner der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla, sagte Polizeichef Josep Lluís Trapero. Ein bei einer weiteren Polizeikontrolle erschossener Verdächtiger habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt.

Video: Reaktionen zu Anschlägen in Spanien

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag von Barcelona und die Attacke in Cambrils scharf. "Diese mörderischen Anschläge haben uns erneut vor Augen geführt, mit welch vollständiger Menschenverachtung der islamistische Terrorismus vorgeht", sagte Merkel. In einem Telefonat habe sie dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy "im Namen des ganzen deutschen Volkes unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme übermittelt".

kev/AFP/dpa

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