Barcelona, Alcanar, Cambrils Terror in Spanien - Die Anschläge im Überblick

13 Menschen sterben und mehr als hundert werden verletzt, als ein Lieferwagen in Barcelona in Passanten rast. Die Polizei nimmt vier Männer fest. In Cambrils wurde offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt.


Las Ramblas, der berühmte Boulevard im Herzen Barcelonas. Viele Menschen, Einwohner und Touristen, schlendern am Donnerstagnachmittag bei sonnigem Sommerwetter an Geschäften und Restaurants vorbei, als plötzlich ein weißer Lieferwagen auf sie zurast. Ein Terroranschlag: 13 Passanten sterben, mehr als hundert werden verletzt. Stundenlang überschlagen sich die Meldungen, ist die Lage unklar: Konnten die Täter fliehen, haben sie sich irgendwo in der Stadt verschanzt, Geiseln genommen?

Kurz vor 19 Uhr kommt dann die offizielle Bestätigung: Nach Nizza, Paris, Berlin und London ist auch Barcelona ins Visier von Extremisten gerückt.

Wie ist der Anschlag abgelaufen?

  • Gegen 17 Uhr fährt am Donnerstag ein weißer Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit auf Barcelonas Promenade Las Ramblas, eine knapp 1,3 Kilometer lange Straße im Zentrum der Stadt. In der Mitte ist ein breiter Flanierbereich für Fußgänger, auf diesem rast der Transporter im Zickzack in die Menschengruppen hinein. "Leute sind durch die Wucht des Aufpralls in alle Richtungen geschleudert worden", zitiert die Zeitung "El País" eine Augenzeugin.
  • Rund 500 Meter legt der Fahrer auf Las Ramblas zurück. Am Pla de l'Os bleibt der Lieferwagen stehen, mitten auf einem bekannten Mosaik von Joan Miró. Der Fahrer flüchtet zu Fuß. Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen Lieferwagen einer Leihwagenfirma. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben katalanische Zeitungen.
  • Am frühen Abend reklamiert die Terrormiliz "Islamischer Staat" den Anschlag für sich, über ihre sogenannte Nachrichtenagentur Amaq. Die Rede ist von mehreren Tätern.
  • In Sant Just Desvern, einem nördlichen Vorort Barcelonas, überfährt gegen 20.30 Uhr ein Auto zwei Polizisten an einer Straßensperre. Der Fahrer wurde erschossen. Diese Tat scheint laut dem katalanischen Polizeipräsidenten jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Anschlag in Barcelona zu stehen.

Was ist über die mutmaßlichen Täter bekannt?

  • Die Polizei hat bislang im Zusammenhang mit dem Anschlag vier Verdächtige festgenommen. Ein Mann sei am Freitagmorgen in Ripoll, etwa 100 Kilometer nördlich von Barcelona gefasst worden, teilte die Polizei mit. Ob es sich bei dem Inhaftierten um den flüchtigen Fahrer des Lieferwagens handelt, war zunächst unklar.
  • Bei den ersten beiden Festgenommenen handelt es sich um einen spanischen Staatsbürger aus der Exklave Melilla in Nordafrika und einen Marokkaner. Der Zugriff auf die Männer erfolgte am Donnerstag in den Ortschaften Ripoll und Alcanar.
  • Laut einem Zeitungsbericht wird nach einem neuen Hauptverdächtigen gefahndet. Es handele sich um den 17-jährigen jüngeren Bruder von einem der beiden am Donnerstag inhaftierten Männer, berichtete die Zeitung "El Mundo" unter Berufung auf die Sicherheitskräfte. Der Verdächtige soll nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet sein.

Amateurvideos: Die Momente nach dem Anschlag

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Besteht in Barcelona unmittelbar die Gefahr weiterer Anschläge?

Nach den Worten eines Polizeivertreters gibt es keine Hinweise darauf, dass ein weiterer Anschlag droht.

Sind Deutsche unter den Opfern?

Dem ZDF-"Heute Journal" zufolge sind unter den Toten drei Deutsche. Der Sender beruft sich auf Sicherheitskreise. Einer Sprecherin des Auswärtigen Amts zufolge ist gegenwärtig aber unklar, ob es deutsche Todesopfer gibt. Vertreter des Generalkonsulats seien vor Ort.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, Deutsche seien von dem Anschlag betroffen - es sei aber unklar, ob es sich um Verletzte oder Todesopfer handle. Die Agentur beruft sich auf den spanischen Zivilschutz. Demnach sind Menschen aus insgesamt 18 Nationen betroffen: Frankreich, Niederlande, Belgien, Italien, Irland, Griechenland, Ungarn, Rumänien, Mazedonien, Algerien, Argentinien, Venezuela, Peru, Kuba, Australien und China.

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Terrorangriffe: Schüsse in Cambrils, Schock in Barcelona

Was passierte in Cambrils?

In der Nacht zu Freitag, gegen 1.20 Uhr, rückte die Polizei zu einem Einsatz in Cambrils aus, der Küstenort liegt etwa hundert Kilometer südlich von Barcelona. Fünf mutmaßliche Attentäter wurden erschossen. Sieben weitere Personen sind Behördenangaben zufolge verletzt: sechs Zivilisten und ein Polizist. Nach spanischen Medienangaben seien die Täter in einem Wagen von der Polizei kontrolliert worden. Als dieser nach einer Verfolgung umgekippt sei, seien sie geflohen und dann niedergeschossen worden. Zuvor hätten sie noch Menschen angefahren.

Ein größerer Anschlag wurde mit dem Polizeieinsatz offenbar verhindert. Die Zeitung "La Vanguardia" berichtete, die Männer in dem Fahrzeug hätten Sprengstoffgürtel getragen, die sich später jedoch als Attrappe herausstellten. Möglicherweise wollten sie den Anschlag in Barcelona nachahmen. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Gasexplosion in Alcanar

In Alcanar etwa 200 Kilometer südlich von Barcelona gab es am Mittwoch eine Gasexplosion in einem Wohnhaus. Diese stehe in Verbindung mit dem Anschlag in Barcelona, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero am späten Donnerstagabend. Bei der Explosion in der Provinz Tarragona waren ein Mensch getötet und sieben weitere Personen verletzt worden. Es gebe "klare" Verbindungen, sagte Trapero. Weitere Details nannte er nicht.

pad/brk/als/aar/AFP/dpa

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