Baschar el Assad Mister Saubermann soll Präsident werden

Kairo - Mit einer Verfassungsänderung will das syrische Parlament den Sohn des verstorbenen Präsidenten Hafis el Assad, Baschar, zum Nachfolger des Vaters küren. Er wird als jüngster Amtsinhaber in die Geschichte des Landes eingehen.

Eigentlich hatte Hafis el Assad für seine beiden ältesten Söhne Basil und Baschar völlig unterschiedliche Karrieren auserkoren. Der ältere Basil sollte den Vater politisch beerben und der jüngere Baschar sich der Wissenschaft widmen und in London Augenmedizin studieren. Als Basil bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, musste Baschar den zivilen Job aufgeben.

Er ging auf die Militärakademie und befehligte zuletzt als Oberst eine Einheit in der Präsidentengarde seines Vaters. Es mutet fast wie eine Ironie des Schicksals an, dass Baschar gegenüber Vertrauten immer wieder sein Desinteresse am höchsten Regierungsamt geäußert hat. In ganz Syrien hängen bis heute und ungeachtet des Todes von Basil Plakate mit den Köpfen des Präsidenten und seinen beiden Söhnen. Über Baschars Namen steht meist das Wort Hoffnung.

Anders als die Söhne anderer arabischer Staatschefs machte der 34-Jährige als Mister Saubermann von sich reden - keine Skandale, keine Frauenaffären, keine Exzesse im Ausland, keine Korruption. Baschar ist nicht verheiratet. Der Junggeselle ist dafür bekannt, dass er in den späten Abendstunden ohne Leibwache in seinem Audi durch Damaskus fährt.

Mit ausdrücklicher Genehmigung des Muftis des Landes fegt Baschar seit Wochen gemeinsam mit dem neuen Ministerpräsidenten Mustafa Mohammed Miro korrupte Staatsdiener aus dem Amt. Auch auf einem anderen Gebiet machte Assads Sohn von sich reden: Er überzeugte seinen Vater und die Sicherheitskräfte, das Internet in Syrien einzuführen. Im vergangenen Jahr machten in Damaskus die ersten Internet-Cafes auf.

Hafis el Assad hat seinen zweiten Sohn systematisch auf die kommenden Aufgaben vorbereitet. Obwohl Baschar weder ein offizielles Amt in der Regierung oder in der Baath-Partei ausübte, reiste er zu Staatsbesuchen in andere arabische Länder und traf dort die führenden Regenten. Assads Sohn war zuletzt auch der persönliche Beauftragte für den Libanon. Syrien will dort ungeachtet des Rückzuges israelischer Truppen weiterhin als Schutzmacht agieren.

Auch in anderer Sicht baute Assad vor. Er stellte seine beiden eigenen Brüder kalt und verbannte sie ins Exil, um dem Sohn einen möglichen mörderischen Familienstreit zu ersparen. Insbesondere Assads Bruder Rifaat werden bis heute beste Drähte ins Heimatland nachgesagt.

Hans Dahne

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