Baskenland Autobombe tötet Gefängnisaufseher

Bei der Explosion einer Autobombe ist in der baskischen Hauptstadt ein Gefängnisbeamter ermordet worden. Hinter dem Anschlag könnten Nachwuchsterroristen der Eta stecken.


Vitoria/Bilbao - Wenige Stunden nach einer Großkundgebung von 150.000 Menschen gegen den Terror der Eta haben mutmaßliche Mitglieder der baskischen Separatistenorganisation einen spanischen Gefängnisbeamten bei einem Bombenanschlag ermordet. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, hatten die Terroristen in der baskischen Regionalhauptstadt Vitoria eine Haftbombe mit zwei Kilogramm Sprengstoff am Auto des 44-jährigen Beamten Maximo Casado angebracht.

Ein vermummter baskischer Polizist bewacht den völlig zerstörten Wagen des getöteten Gefängnisaufsehers
AP

Ein vermummter baskischer Polizist bewacht den völlig zerstörten Wagen des getöteten Gefängnisaufsehers

Der Sprengsatz detonierte, als Casado am Morgen zur Arbeit fahren wollte und den Motor seines Wagens anließ. Der Mann, Vater von zwei Kindern, war auf der Stelle tot. Casado war das 16. Opfer eines Eta-Attentats in diesem Jahr. Er hatte als Schichtleiter in der Haftanstalt von Nanclares de Oca gearbeitet und der Gewerkschaft CCOO (Arbeiterkommissionen) angehört. Bei der Explosion der Bombe im Parkdeck eines Wohnhauses wurden zehn andere Autos beschädigt.

Der spanische Innenminister Jaime Mayor Oreja sagte, für den Anschlag seien möglicherweise Nachwuchs-Terroristen der Eta verantwortlich, die bisher an Sabotage-Aktionen von Eta-nahen Jugendlichen teilgenommen hätten.

Am Vorabend des Anschlags hatten in der nordspanischen Stadt Bilbao rund 150.000 Menschen gegen den Terror der Eta demonstriert. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Frieden. Eta Nein!" hatte die autonome Regierung des Baskenlandes aufgerufen. Die in Spanien regierende Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Jose Maria Aznar blieb der Demonstration fern, weil die Basken-Regierung der Forderung nach vorgezogenen Neuwahlen in der autonomen Region nicht nachgekommen war. Auch Friedensgruppen und die Vereinigung der Opfer des Terrorismus sagten ab.

In der Abschlusserklärung forderte die Witwe des im Juli von der Eta erschossenen sozialistischen Ex-Gouverneurs Juan Maria Jauregui die Parteien zur Einheit im Kampf gegen die Eta auf. In der Nacht zum Sonntag ließen Eta-Anhänger in Bilbao einen Linienbus in Flammen aufgehen. Etwa 50 vermummte Jugendliche bewarfen das Fahrzeug mit Brandsätzen. Es wurde niemand verletzt.

In der vorigen Urlaubssaison ist offenbar nur durch einen Zufall ein verheerender Terroranschlag der Eta auf eine Fähre mit Ziel Mallorca oder Ibiza verhindert worden. Nach Presseberichten hatten die Terroristen im Hafen von Valencia eine mit 100 Kilogramm Sprengstoff beladene Autobombe auf das Schiff bringen und mit einem Zeitzünder zur Explosion bringen wollen. Der Wagen war am 14. August in der Nähe von Huesca in Nordspanien entdeckt worden, weil die Fahrerin ihn wegen eines Motorschadens am Straßenrand hatte stehen lassen müssen.



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