Fotostrecke

Nordkoreas Atomtest: Zündung in der Tiefe

Foto: KIM JAE-HWAN/ AFP

Unterirdische Detonation Nordkorea provoziert mit erneutem Atomtest

Nordkorea hat seine Drohungen wahr gemacht - und einen dritten Atomtest durchgeführt. Das Regime sprach von einer "sicheren Detonation". Seismologen registrierten ein Erdbeben der Stärke 4,9 nahe dem Testgelände Punggye Ri. Noch für den Nachmittag wurde der Uno-Sicherheitsrat zusammengerufen.

Pjöngjang - Lange waren es nur Ankündigungen und taktische Winkelzüge, nun hat Nordkorea die Drohungen in die Tat umgesetzt. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldet einen erfolgreichen unterirdischen Atomtest - zum "Schutz unserer nationalen Sicherheit und Souveränität". Die Explosion sei "sicher gewesen und perfekt verlaufen". Wie KCNA weiter meldet, habe es sich um "einen miniaturisierter Sprengsatz mit großer Stärke" gehandelt. Dieser sei zudem deutlich leichter gewesen als bei den beiden Tests der Vergangenheit.

Zuvor hatten zahlreiche Nachbarstaaten besorgt auf die Gerüchte über einen neuen Test des Regimes reagiert. Die Erdbebenwarten mehrerer Länder registrierten gegen etwa 12 Uhr Ortszeit (4 Uhr MEZ) ein "künstliches Erdbeben" in der Region, in der das nordkoreanische Testgelände Punggye Ri liegt. Laut US-Geologen erreichten die Erschütterungen eine Stärke von 4,9. Das Epizentrum habe nur einen Kilometer unter der Erdoberfläche gelegen.

Südkoreanische Beobachter gehen davon aus, dass der Test eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben könnte, sagte der Ministeriumssprecher in Seoul. Erste Schätzungen hatten bei zehn Kilotonnen gelegen. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima niedergegangen war, hatte ein Sprengkraft vorn 13 bis 16 Kilotonnen.

Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die Regierung in Pjöngjang habe China und die USA bereits am Montag über ihre Pläne für eine Zündung unterrichtet. In den vergangenen Tagen waren Personal und Ausrüstung aus der Umgebung des Testgebietes abgezogen worden - ein frühes Indiz für die bevorstehende Detonation. Es war der dritte Atomtest in der Geschichte des Landes nach 2006 (eine Kilotonne) und 2009 (zwei Kilotonnen), aber der erste unter dem neuen Diktator Kim Jong Un.

Japans Verteidigungsministerium gab bekannt, mit Hilfe von Flugzeugen Luftproben nehmen zu wollen, um die durch den Atomwaffentest freigesetzte Radioaktivität zu messen. Premier Shinzo Abe kündigte rasche Beratungen über mögliche Sanktionen an.

Dringlichkeitssitzung bei der Uno

Die Uno bestätigte die Meldung ebenfalls und berief eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrates ein. Das Gremium wird um 15 Uhr deutscher Zeit zusammenkommen und über eine Reaktion auf die Provokation aus Pjöngjang beraten. Dies verlautete aus Diplomatenkreisen.

Dem isolierten Staat ist es per Uno-Resolutionen verboten, Atom- und Raketentechnik zu entwickeln. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte den Test "einen schweren Verstoß gegen die geltenden Beschlüsse des Rates".

Russland verurteilte die Aktion am Dienstag ebenfalls scharf. Diese sei eine Verletzung der internationalen Verpflichtungen des Landes, zitierte die Agentur Interfax aus Kreisen des Außenministeriums. Ähnlich äußerte sich die britische Regierung.

Der Westen fürchtet seit langem eine atomare Bewaffnung durch das Regime in Pjöngjang. Unter Führer Kim Jong Un hatte das Land zuletzt auch sein Programm für Langstreckenraketen vorangetrieben. Laut "Washington Post" könnte diese Raketen zusammen mit den nun getesteten, leichteren Sprengsätzen eine neue Stufe der Bedrohung darstellen.

jok/AFP/Reuters/dpa