Beckstein Flüchtlingsstrom in drei Wochen in Deutschland

Die deutschen Behörden bereiten sich auf eine Flüchtlingswelle aus dem Kosovo vor. Eine erste Gruppe von 26 Kriegsflüchtlingen wurde am Dienstag in Nordhessen von der Polizei aufgegriffen.

Hamburg - Unbekannte Schlepper haben die Gruppe gegen Bezahlung nach Hessen gebracht. Die Flüchtlinge, die nur die notwendigsten Dinge bei sich hatten, waren vor vier Tagen in der Kosovo-Hauptstadt Pristina mit einem Lastwagen abgefahren. Sie wurden in ein Flüchtlings-Erstaufnahmeheim gebracht und wollen Asyl beantragen.

Nach Ansicht des bayerischen Innenministers Günther Beckstein (CSU) ist spätestens in drei Wochen in Deutschland mit dem Flüchtlingsstrom zu rechnen. Zugleich sprach er sich am Dienstag klar gegen eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Kosovo in Deutschland aus. Beckstein forderte, einem großen Flüchtlingsstrom nach Deutschland und in die EU durch gezielte Hilfen in der Region vorzubeugen. Dazu müßten beheizbare Zelte, Kleidung, Verpflegung und Medikamente dorthin gebracht werden. Es sei auch unter humanitären Aspekten das Sinnvollste, die Menschen nicht über Tausende von Kilometern zu bringen und sie "völlig aus ihrer Region zu entfremden". Er forderte auch eine gerechte Lastenverteilung in der EU.

Die Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John meinte, der Flüchtlingsstrom werde nicht das Ausmaß wie während des Bosnienkrieges erreichen. Sie setzte sich ebenfalls für eine Hilfe an Ort und Stelle in der Krisenregion ein. Die notleidenden Menschen müßten erst einmal das Nötigste zum Überleben erhalten, bevor man überlegen könne, was mit ihnen geschehen soll, sagte sie und wies darauf hin, daß die Flüchtlinge vor allem alte Menschen, Frauen und Kinder seien.

Es wird erwartet, daß viele Kosovo-Albaner die Durchgangsstation Italien nutzen werden, um über Österreich nach Deutschland zu kommen. Die Innenminister der Länder haben sich deshalb am Montag auf einen Verteilungsschlüssel für die Unterbringung in Deutschland verständigt. John sprach sich für einen Krisenstab oder ein größeres Gremium europäischer Länder aus, das sich mit den Problemen der Flüchtlinge befassen müsse, um einer humanitäre Katastrophe im Ansatz vorzubeugen.

Die bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge, Pro Asyl, warf den Innenministern "unterlassene Hilfeleistung" vor. Pro-Asyl-Sprecher Heiko Kauffmann sagte: "Solange die Mechanismen der Flüchtlingsabwehr greifen, so die perfide Logik der Innenminister, ist ein Konzept zu ihrer Aufnahme nicht nötig." Wer eine völlige Destabilisierung in den Kosovo-Nachbarstaaten Albanien und Mazedonien vermeiden wolle, müsse sofort Flüchtlinge aufnehmen, forderte Kauffmann.

Der Grünen Außenpolitiker Helmut Lippelt forderte den Bundestag angesichts der dramatischen Flüchtlingssituation zum Handeln auf. Das Parlament dürfe nicht in die Osterferien fahren, sondern müsse über das weitere Vorgehen beraten, sagte Lippelt.

Unterdessen haben zahlreiche Hilfsorganisationen die Bevölkerung zu Spenden für die Opfer der Kosovo-Krise aufgerufen. Das Deutsche Rote Kreuz unterstützt nach eigenen Angaben die Rot-Kreuz- Gesellschaften von Albanien und Mazedonien mit dringend benötigten Lieferungen wie Zelten, Decken, Nahrungsmitteln und Hygienemitteln. Auch das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Caritas riefen zu Spenden für eine Soforthilfe für die Flüchtlinge aus dem Kosovo auf.

(Spendenkonten: Deutsches Rotes Kreuz, Deutsche Bank Bonn, Kto-Nr. 41 41 41, BLZ 380 700 59, Stichwort Kosovo; - Diakonisches Werk der EKD, Postbank Stuttgart, Kto-Nr. 502 707, BLZ: 600 100 70, Stichwort Kosovo-Konflikt; - Deutscher Caritas-Verband, Postbank Karlsruhe, Kto-Nr. 202 753, BLZ 660 100 75, Stichwort Kosovo)