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06. September 2019, 00:10 Uhr

Bei hartem Brexit

Irland kündigt grenznahe Kontrollen an

In London wird seit Monaten über den britischen EU-Austritt gestritten. Auf der irischen Insel zeichnen sich die ersten Konsequenzen ab. Ministerpräsident Varadkar sagte, dass es nahe der Grenze Kontrollen geben müsse.

Irland will bei einem EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen grenznahe Kontrollen zu Nordirland einführen. "Wir arbeiten Details mit der Europäischen Kommission aus", sagte der irische Ministerpräsident Leo Varadkar. Es werde Kontrollen von Waren und Nutztieren geben, die - soweit möglich - in Flughäfen, Seehäfen und Firmen stattfinden sollten.

Aber auch nahe der Grenze müsse es Kontrollen geben. Bereits im Juli hatte Varadkar erklärt, Irland stehe vor der Herausforderung, den EU-Binnenmarkt zu schützen und gleichzeitig scharfe Grenzkontrollen zu vermeiden.

Die Grenze zwischen Irland und dem britischen Nordirland ist seit drei Jahren der zentrale Streitpunkt in den Brexit-Verhandlungen. Im Falle einer Grenze mit Personen- und Warenkontrollen wird ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konfliktes befürchtet.

Bei einer offenen Grenze pocht die EU darauf, dass Nordirland Teil des Binnenmarkts mit all seinen Auflagen bleibt, bis eine endgültige Lösung für die Grenze gefunden ist. Dies lehnt Premierminister Boris Johnson ebenso ab wie eine Mehrheit im britischen Parlament.

In Nordirland hatten sich Katholiken, die für die Wiedervereinigung mit Irland waren, und probritische Protestanten fast drei Jahrzehnte lang bürgerkriegsähnliche Kämpfe geliefert. Mehrere Tausend Menschen starben, darunter viele Zivilisten. Bis zum Ende der Neunzigerjahre war die Grenze auf der Insel mit Wachtürmen und schwer bewaffneten Soldaten gesichert.

Im Video: An der irischen Grenze - "Der Brexit reißt alte Wunden auf"

hba/REUTERS

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