Bei hartem Brexit Irland kündigt grenznahe Kontrollen an

In London wird seit Monaten über den britischen EU-Austritt gestritten. Auf der irischen Insel zeichnen sich die ersten Konsequenzen ab. Ministerpräsident Varadkar sagte, dass es nahe der Grenze Kontrollen geben müsse.

Irlands Ministerpräsident Leo Varadkar liebäugelt bei einem harten Brexit mit grenznahe Kontrollen zu Nordirland
Clodagh Kilcoyne/REUTERS

Irlands Ministerpräsident Leo Varadkar liebäugelt bei einem harten Brexit mit grenznahe Kontrollen zu Nordirland


Irland will bei einem EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen grenznahe Kontrollen zu Nordirland einführen. "Wir arbeiten Details mit der Europäischen Kommission aus", sagte der irische Ministerpräsident Leo Varadkar. Es werde Kontrollen von Waren und Nutztieren geben, die - soweit möglich - in Flughäfen, Seehäfen und Firmen stattfinden sollten.

Aber auch nahe der Grenze müsse es Kontrollen geben. Bereits im Juli hatte Varadkar erklärt, Irland stehe vor der Herausforderung, den EU-Binnenmarkt zu schützen und gleichzeitig scharfe Grenzkontrollen zu vermeiden.

Die Grenze zwischen Irland und dem britischen Nordirland ist seit drei Jahren der zentrale Streitpunkt in den Brexit-Verhandlungen. Im Falle einer Grenze mit Personen- und Warenkontrollen wird ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konfliktes befürchtet.

Bei einer offenen Grenze pocht die EU darauf, dass Nordirland Teil des Binnenmarkts mit all seinen Auflagen bleibt, bis eine endgültige Lösung für die Grenze gefunden ist. Dies lehnt Premierminister Boris Johnson ebenso ab wie eine Mehrheit im britischen Parlament.

In Nordirland hatten sich Katholiken, die für die Wiedervereinigung mit Irland waren, und probritische Protestanten fast drei Jahrzehnte lang bürgerkriegsähnliche Kämpfe geliefert. Mehrere Tausend Menschen starben, darunter viele Zivilisten. Bis zum Ende der Neunzigerjahre war die Grenze auf der Insel mit Wachtürmen und schwer bewaffneten Soldaten gesichert.

Im Video: An der irischen Grenze - "Der Brexit reißt alte Wunden auf"

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insgesamt 33 Beiträge
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thk,movil 06.09.2019
1. oh, endlich
gibt es irgendeine Information von und über Irland. da scheinbar das ganze Brexit Desaster damit zusammen hängt. was sagen die Irländer selbst? ist es den Aufwand Wert? oder sind die der Meinung, egal. wir sind in der EU und das ist wichtiger als alles andere.
danielc. 06.09.2019
2.
Das ist eigentlich die logische Konsequenz des Brexit. Ich frage mich, warum sie es nicht wie mit Büsingen am Hochrhein machen. Das ist eine deutsche Gemeinde, gehört aber, weil sie ganz von der Schweiz umgeben ist, zum schweizerischen Zollgebiet. Das könnte für Nordirland in Bezug auf die EU auch gelten. Die irische See ist geografisch immer eine grössere Barriere als eine menschengemachte Grenze. Die Leute müssten in sich gehen und darüber nachdenken, ob die Konfession wirklich noch eine so wichtige Rolle spielt. Die Bedeutung der katholischen Kirche ist in Irland nicht mehr mit dem zu vergleichen, was bsw in den 80erm galt. Ich bezweifle, dass sich der Nationalismus heute noch glaubwürdig mit dem Konfessionen tarnen kann. Es wird Zeit, im 21.Jhdt anzukommen. Die ganze Region könnte sonst einen Rückfall in die Zeit vorher erleben. Kann das wünschenswert sein?
ArnoNyhm1984 06.09.2019
3. Diskussion über Pseudoprobleme
Wir leben seit vielen Jahren in der Schweiz. Deren Grenze zur EU dürfte ja ein gutes Analogon sein, daher: Ist das alles überhaupt ein Problem? -Ich glaube es nicht: Die LKWs haben ihre Zollabfertigungsspuren am Grenzübergang und bei den PKWs gibt's Stichprobenkontrollen. Funktioniert alles reibungslos; warum das mit Irland irgendwie anders sein sollte, hat noch niemand schlüssig erklärt.
lathea 06.09.2019
4. Die Nord-Iren besitzen mittlerweile....
......zu einem grossen Teil neben dem britischen auch einen irischen Pass. Möglicherweise wird es auch ein Referendum über eine Vereinigung von Irland und Nordirland geben. Je länger der Brexit verschoben wird, umso mehr Zeit bekommt Nord-Irland, sich eine Strategie für den Frieden und für die irische Grenze zu überlegen. Manchmal braucht es etwas länger, bis im Volk der Duskzssions-, Denk- und Abwägungsprozess so richtig in Gang kommt.
MartinS. 06.09.2019
5. ...
@ArnoNyhm eigentlich ist die Problematik recht simpel zu erklären. Die Schweiz hat sich der in der EU geltenden Personenfreizügigkeit angeschlossen. Also dem Recht, dass EU-Staatsangehörige auch in der Schweiz frei arbeiten und wohnen dürfen. Im Gegenzug gibt es eben die unkomplizierte Zollunion.... England möchte jetzt gerne den einen Part, der für sie praktisch wäre haben - dann wäre das mit Nordirland auch kein Problem. Nur das andere, das lehnen sie kategorisch ab... und da liegt die Crux. Von EU-Seite aus herrscht das Verständnis, dass es ein beiderseitiges Geben und Nehmen sein muss. Die Personenfreizügigkeit ist genau der Punkt, bei dem man die Grenze zieht.... und da ist der Knackpunkt, an dem man sich im Kreis dreht.
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