Bei Rücktritt Türkei bietet Gaddafi Garantien an

Gaddafi soll gehen, dann werden wir ihm helfen: Mit dieser Garantie hat sich der türkische Ministerpräsident Erdogan zu Wort gemeldet. Genauer ausführen wollte Erdogan den Vorschlag allerdings nicht - und der libysche Machthaber hat auch noch nicht darauf reagiert.

Premierminister Erdogan: "Gaddafi hat keinen Ausweg, außer Libyen zu verlassen"
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Premierminister Erdogan: "Gaddafi hat keinen Ausweg, außer Libyen zu verlassen"


Ankara - Die Türkei hat dem libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi für den Fall eines Rücktritts Garantien angeboten. Das sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag in einem TV-Interview. "Gaddafi hat keinen Ausweg, außer Libyen zu verlassen", so Erdogan. Man habe Gaddafi gesagt, falls er sein Land verlassen wolle, werde die Türkei ihm dabei helfen.

"Wir haben ihm gesagt, wir würden ihm helfen ihn dort hinzubringen, wo er hingebracht werden will. Wir würden die Sache mit unseren Verbündeten diskutieren." Eine Antwort des libyschen Machthabers habe er bisher jedoch nicht erhalten. Genauere Angaben zur Art der Garantien machte Erdogan nicht.

Der türkische Ministerpräsident zeigte sich frustriert über Gaddafis Hinhaltetaktik. "Ich habe ihn sechs oder sieben Mal kontaktiert." Man habe immer Verzögerungen erlebt. "Sie sagen uns, sie wollen einen Waffenstillstand, wir sagen ihnen, sie sollen den nächsten Schritt gehen, aber am folgenden Tag wird bekannt, dass Orte bombardiert worden sind", sagte Erdogan. Die Rechtfertigung des Gaddafi-Regimes, man sei zuerst selbst beschossen worden, sei nicht glaubwürdig - man habe die Situation genau verfolgt, es habe zu jenen Zeiten keine Angriffe auf die Regierungstruppen gegeben.

Am Sonntag wird in der Türkei gewählt. Ankara hat Gaddafi mehrmals aufgefordert, einen Waffenstillstand zu verhängen und einen friedlichen Machtwechsel zu gestatten. Für die Türkei war das Libyen Gaddafis ein wichtiger Handelspartner. Nach dem Beginn des bewaffneten Aufstandes in dem Land holte die Türkei mehr als 20.000 Bürger nach Hause.

Die militärische Auseinandersetzung um die Macht in Libyen ging am Freitag weiter. Bei Angriffen von Gaddafis Truppen kamen nach Angaben der libyschen Oppositionszeitung "Brnieq" rund um Misurata insgesamt 29 Menschen ums Leben. Wie die Zeitung am Abend auf ihrer Webseite schrieb, wurden 90 Menschen verletzt. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira hatte zuvor berichtete, in der umkämpften Ortschaft al-Definija bei Misurata seien 17 Menschen getötet und 40 verwundet worden.

Das Gebiet um Misurata ist seit Monaten mit wechselnden Fronten umkämpft. Die Stadt wird von Rebellen gehalten, ist aber von Gaddafis Truppen eingekreist. Seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen im Februar sind dort nach Uno-Angaben 630 Tote und 6000 Verletzte registriert worden.

ulz/dapd/dpa/Reuters



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firem 11.06.2011
1. So macht man das
In brüderlicher Hilfe ohne Krieg. Geht doch. Nur die Amis müssen überall schießen, damit die Waffenindustrie ihr Zeugs los wird.
westin 11.06.2011
2. Die Türken sollten lieber den Rebellen Asyl geben
Die Türken sollten lieber den Rebellen Asyl geben, die mit kriegerischen Methoden ihre Demokratie verspielt haben, Den Tunesiern und Egyptern sei es gegönnt,das war friedlich und vorbildlich. Und jetzt ziehen die Rebellen die Nato in einen schmieriegen Krieg mithinein.
HenriCross 11.06.2011
3. Gaddafi ...
... ist anders. Er wurde Jahrzehnte von allen toleriert, sogar von der eigenen Bevölkerung - darum greift z.B auch Ägypten nicht ein! Gaddafi wird nicht antworten und nicht ins Exil gehen! Er ist der lybische Halbgott und größenwahnsinnig!
atherom 11.06.2011
4. Man kann über Herrn Erdogan vieles sagen, nur
Zitat von sysopGaddafi soll gehen, dann werden wir ihm helfen: Mit dieser Garantie hat sich der türkische Ministerpräsident Erdogan zu Wort gemeldet. Genauer ausführen wollte Erdogan den Vorschlag allerdings nicht - und der libysche Machthaber hat auch noch nicht*darauf reagiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,768039,00.html
eins nicht: dass er nicht clever ist. Der Verteidiger der Palästinenser, der Verteidiger des Rechts Irans auf Atom (auch in Deutschland von chronischen Atomgegnern bejubelt), der türkische Wahlkämpfer in Deutschland, der Mann der innerhalb weniger Jahre das nivelliert hatte, was die sekuläre Türkei in mehreren Jahrzehnten aufgebaut hatte und jetzt der Friedensbringer in Libyen. Gleichzeitig werden in der Türkei Menschenrechte, Meinungsfreiheit abgeschafft, in Schauprozessen die bisherigen Garanten einer demokratischen Türkei wegen "Umsturzpläne" verurteilt. Und was macht die EU? Sie klatscht Beifall und kann es kaum abwarten, mit der Türkei "ergebnissoffene" Verhandlungen über den Beitritt zu führen. Wobei das Ergebnis schon jetzt feststeht: Türkei kommt in die EU, weil man nur so den "Rettungsschirm" für das hochverschuldete Land spannen kann (um die europäischen und voran deutsche Banken zu retten), dass Türkei in wenigen Jahren islamistischer Gottesstaat sein wird? Inzwischen stört es niemanden mehr.
derknecht 11.06.2011
5. Völlig egal..
was wer wem anbietet, das Ziel das Gadaffi gehen muss weil er nicht mehr pro-westlich ist und den PedroDollar eine Absage erteilen wollte, wird erreicht werden egal mit welchen Mitteln. Wenn es sein muss dann hat er eben auch mal Giftgas benutzt und schwups sind die Invasionstruppen vor Ort. Der ganze Medienrummel ist doch nur Theater. Sie wollen ihn weghaben weil er angefangen hat einen afrikanischen Staatenverbund(zentrale Organe) zu bilden. Und Afrika ist für die westlichen Staaten nur interessant solange sich die Menschen nicht zusammenschließen und man sie ausbeuten kann. Drecks Imperialismus
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