Beirut Hilfe für den Libanon läuft an

Hunderttausende Flüchtlinge leiden unter dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah. Nach fast zweiwöchigen Kämpfen treffen nun die ersten Hilfsgüter in Beirut ein. Die von den israelischen Bombardierungen besonders betroffenen Menschen im Südlibanon warten aber weiter auf Unterstützung.


Beirut/Washington - Die USA begannen heute mit der Lieferung von Hilfsmitteln für den Libanon. US-Botschafter Jeffrey Feltman übergab dem Vertreter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes die erste Ladung Medikamente, mit denen die Grundversorgung von 20.000 Menschen für drei Monate gesichert werden soll. Die US-Regierung hatte humanitäre Hilfen in einer Gesamthöhe von 30 Millionen Dollar (knapp 24 Millionen Euro) angekündigt. Unter anderem sollen 100.000 Arztkoffer, 2000 Plastiktücher und 20.000 Decken geliefert werden.

US-Präsident George W. Bush verteidigte die Hilfen für den Libanon gegen Kritik, dass die USA gleichzeitig Waffen an Israel lieferten. Er sehe darin keinen Widerspruch, sagte Bush bei einem Treffen mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki in Washington. Im Gegensatz zu Bush forderte Maliki eine "sofortige Waffenruhe" im Libanon.

Die Vereinten Nationen veröffentlichten einen Spendenaufruf für die Menschen im Libanon. Ziel sei es, 150 Millionen Dollar (119 Millionen Euro) zur Versorgung der etwa 800.000 Flüchtlinge in den nächsten drei Monaten zu sammeln, hieß es am gestern Abend am Uno-Sitz in New York. Ein Teil der Spenden soll nach Syrien gehen, wohin nach syrischen Angaben 200.000 Libanesen geflohen sind. Weitere 23,8 Millionen Dollar sollen dem Uno-Kinderhilfswerk Unicef für die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Region zur Verfügung gestellt werden. Das Uno-Welternährungsprogramm teilte mit, die Preise für Lebensmittel seien im Libanon teilweise bis zu 600 Prozent gestiegen, so dass die Selbsthilfekräfte vor allem der armen und vertriebenen Bevölkerung nahezu erschöpft seien.

Der von den Angriffen besonders betroffene Südlibanon wartete weiter auf erste Hilfslieferungen. "Die Hilfsorganisationen arbeiten immer noch an den logistischen Details", hieß es aus Sicherheitskreisen in der südlichen Hafenstadt Tyrus. Durch die israelischen Luftangriffe wurden Brücken und Autobahnen zerstört. Viele Lastwagenfahrer weigern sich, wegen der Bombardierungen, die in der Vergangenheit immer wieder auch zivile Fahrzeuge getroffen haben, in den Süden zu fahren.

Auch der Leiter des Uno-Flüchtlingswerks UNHCR in Beirut, Arafat Jamal, klagte im Interview mit SPIEGEL ONLINE über fehlende Sicherheitsgarantien für Hilfstransporte auf dem Landweg. Nach Jamals Worten lagern in Syrien und Jordanien genügend Hilfsgüter. Aus Sorge die Konvois könnten Ziel israelische Luftangriffe werden, könnten diese jedoch nicht über die Grenze gebracht in den Libanon gebracht werden.

Der israelische Regierungschef Ehud Olmert sagte heute jedoch zu, dass Israel Hilfslieferungen in den Libanon nach vorheriger Absprache über Land- und Luftkorridore erlauben werden. Das teilte sein Büro nach dem Treffen Olmerts mit US-Außenministerin Condoleezza Rice in Jerusalem mit.

Weitere Ausländer reisen nach Zypern aus

Die Evakuierung von Ausländern läuft indes weiter. Morgen soll ein letztes Schiff noch im Libanon verbliebene Amerikaner außer Landes bringen. Alle US-Bürger, die den Libanon verlassen wollten und dazu imstande seien, sollten dies dringend tun, erklärte die US-Botschaft in Beirut heute. Die Evakuierten sollten zunächst nach Zypern gebracht werden und von dort aus weiter reisen. Bis Dienstagmittag wurden rund 14.000 US-Bürger aus dem Libanon evakuiert, wie das US-Außenamt mitteilte.

Nach EU-Angaben wurden seit Beginn der israelischen Militäroffensive mehr als 40.000 Menschen über Zypern evakuiert. Rund 23.500 Menschen, darunter etwa 12.500 EU-Bürger, seien mit dem Flugzeug ausgeflogen worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von EU-Kommission, EU-Rat und finnischer Ratspräsidentschaft. Bis vergangenen Freitag brachten demnach 27 Schiffe 18.000 Flüchtlinge nach Zypern, Schätzungen zufolge kamen am Wochenende 13 weitere Schiffe dazu.

Fast 4600 Deutsche und Deutsch-Libanesen verließen bislang den Libanon. Von der deutschen Botschaft in Beirut wurden heute 50 Deutsche und Libanesen mit deutscher Aufenthaltsgenehmigung zum Hafen der Hauptstadt gebracht, um den Libanon zu verlassen. Ein Botschaftsmitarbeiter sagte, die Deutschen würden voraussichtlich am Abend mit einem von den USA gecharterten Schiff nach Zypern gebracht.

phw/AFP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.