Beirut Hunderttausende demonstrieren gegen Syrien

Hunderttausende Libanesen sind heute zu einer neuen anti-syrischen Demonstration in Beiruts Zentrum geströmt. Der zentrale Märtyrer-Platz und umliegende Straßen waren vor Beginn der Kundgebung voll mit Protestierenden. Einheiten der libanesischen Armee und der Polizei bezogen Stellung.


Anti-Syrische Demo in Beirut: Protest gegen Damaskus
AFP

Anti-Syrische Demo in Beirut: Protest gegen Damaskus

Beirut - Die Anhänger der Opposition trugen libanesische Fahnen und Plakate mit der Aufschrift "Wahrheit". Sie wollten damit ihre Forderungen nach einem vollständigen Abzugs Syriens und einer Aufklärung des Mordanschlags auf den früheren Regierungschef Rafik Hariri bekräftigen. Hariri war vor genau einem Monat ermordet worden. Für die Tat machten viele der Demonstranten erneut die syrische und die eigene Regierung verantwortlich.

Nur wenige Meter von Hariris Grab entfernt schwenkten die Demonstranten ihre Fahnen. "Syrien raus", "Souveränität, Freiheit, Unabhängigkeit" und "Wir wollen die Wahrheit: Wer ermordete Hariri?" stand auf den Plakaten, die in der Menge hochgehalten wurden. Neben Christen und Drusen nahmen dieses Mal auch zahlreiche Sunniten an den Demonstrationen teil. Der ermordete Hariri, der sich zuletzt auch für einen syrischen Truppenabzug ausgesprochen hatte, war ebenfalls Sunnit.

Die Opposition lehnt es bisher ab, sich an einer Regierung der nationalen Einheit unter dem zurückgetretenen und dann wieder neu benannten Ministerpräsidenten Omar Karami zu beteiligen oder in einen Dialog einzutreten. Bislang verliefen die Proteste friedlich. Politiker befürchten aber, dass die tiefen Trennlinien in der Bevölkerung sich in Gewaltausbrüchen äußern könnten. Nach zahlreichen pro- und anti-syrischen Protesten erwägen die Behörden ein Demonstrationsverbot. Präsident Emile Lahoud rief zu einem Ende der Kundgebungen auf und forderte die Opposition zu einem gemeinsamen Dialog über die politische Krise des Landes auf. Einige Mitglieder der Opposition schlossen sich Lahouds Aufruf an und warnten vor negativen Folgen für die politische und wirtschaftliche Stabilität.

Unter zunehmendem internationalen Druck hat Syriens Präsident Baschar al-Assad angekündigt, Uno-Generalsekretär Kofi Annan in dieser Woche einen detaillierten Plan für den Abzug aller 14.000 Soldaten aus dem Libanon zu präsentieren. Nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen soll die erste Phase des Abzugs in den nächsten zwei bis drei Tagen abgeschlossen werden. Mehr als 4000 syrische Soldaten hätten den Libanon in der vergangenen Woche bereits verlassen. 2000 bis 3000 Soldaten seien in die östlich gelegene Bekaa-Ebene an der Grenze zu Syrien verlegt worden.



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