Beitritts-Verhandlungen Island beantragt Aufnahme in die EU

Feierliche Zeremonie in Stockholm: Islands Außenminister Skarphedinsson hat der schwedischen Ratspräsidentschaft offiziell den Antrag auf EU-Mitgliedschaft überreicht. Die von der Finanzkrise gebeutelte Insel dürfte viele Kriterien problemlos erfüllen - beim heiklen Thema Fischerei drohen aber Konflikte.


Stockholm - Handschlag vor historischer Kulisse: Islands Außenminister Ossur Skarphedinsson traf seinen schwedischen Amtskollegen Carl Bildt am Donnerstag im 200 Jahre alten Arvfursten Palats ("Palast des Erbfürsten"), dem Sitz des schwedischen Außenministeriums. Während einer feierlichen Zeremonie überreichte der Isländer die nötigen Unterlagen. Islands Mitgliedschaft in der EU werde deren "skandinavische Dimension" vertiefen, sagte Bildt.

Ossur Skarphedinsson (l.) und Carl Bildt: "Skandinavische Dimension der EU"
AP

Ossur Skarphedinsson (l.) und Carl Bildt: "Skandinavische Dimension der EU"

Der kleine Inselstaat mit seinen 320.000 Einwohnern im Nordatlantik galt lange Zeit als Boom-Nation, die Isländer pochten stets auf ihre Unabhängigkeit. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise Ende vergangenen Jahres taumelte Island jedoch an den Rand des Abgrunds: Banken mussten verstaatlicht und Guthaben eingefroren werden, die isländische Krone brach ein, Inflation und Arbeitslosigkeit schnellten in die Höhe.

Das Parlament in Reykjavík hatte am Donnerstag vergangener Woche mit knapper Mehrheit für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen gestimmt. Viele Isländer hoffen, dass eine EU-Mitgliedschaft dem Land Stabilität und Sicherheit beim Wiederaufbau der Wirtschaft gibt.

Island dürfte viele der Aufnahmekriterien problemlos erfüllen. Allerdings sind auch Konflikte zu erwarten: beim heiklen Thema Fischerei. Sie ist eine der zentralen Stützen der isländischen Wirtschaft. Es gehe dabei aber nicht nur um die Wirtschaft, sagte Skarphedinsson in Stockholm. Die Fischerei sei für die Isländer auch eine emotionale Angelegenheit. Skarphedinsson, ein ehemaliger Fischer, zeigte sich zuversichtlich, dass eine für alle befriedigende Lösung gefunden werde.

Zur Dauer der Beitrittsgespräche äußerten sich weder Skarphedinsson noch Bildt. Nach Aussagen aus EU-Kreisen könnte eine Aufnahme jedoch schon bald erfolgen: zwischen 2011 und 2013. Vor einem Beitritt soll in dem nordeuropäischen Inselstaat ein Volksentscheid stattfinden. Derzeit verhandelt die Union mit der Türkei und Kroatien über einen Beitritt.

ler/AP



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