Belagerung Der Durst treibt Tausende aus Basra

Basras Bewohner sind ausgedörrt. Seit Tagen belagern alliierte Verbände die südirakische Stadt, bombardieren die Stellungen der irakischen Armee. Wasser und Strom fließen nur noch spärlich, ein brutaler Häuserkampf droht. Tausende Zivilisten versuchen der Hölle zu entkommen.


Die Brücke über den Euphrat: Tausende versuchen Basra zu verlassen, um an Wasser zu kommen
REUTERS

Die Brücke über den Euphrat: Tausende versuchen Basra zu verlassen, um an Wasser zu kommen

Basra - In der vergangenen Nacht versuchte ein Verband von Panzern aus der südirakischen Stadt Basra auszufallen. Britischen Militärs war es nicht klar, ob die gepanzerten Fahrzeuge sich zu einem Gegenangriff aus der Stadt begaben oder ob sie zu fliehen versuchten. Sie wurden von den Alliierten attackiert und zurückgeschlagen.

Nun sind es angeblich Tausende Zivilisten, die der Hölle entkommen wollen. Sie sind müde und durstig. Der Reuters-Reporter David Fox beobachtete einen ständigen Strom von Menschen, die die zweitgrößte Stadt des Irak zu Fuß über eine Brücke am Euphrat verließen. "Jeder von ihnen fragt nach Wasser", berichtet Fox. Die Flüchtlinge sehen durstig aus, so der Reporter, sie hätten leere Wasserflaschen bei sich. Nach Angaben britischer Militärs überquerten binnen weniger Stunden etwa 3000 Iraker, vor allem Männer, die Brücke.

Laut Fox wollen die Fliehenden zu Familienangehörigen durchdringen, meist in der nahe gelegenen Stadt Subair. "Sie tragen kein Hab und Gut mit sich", sagte Fox. Umgekehrt machten sich etwa 200 Menschen auf den Weg nach Basra hinein. Sie sorgen sich offenbar um Verwandte und Freunde, die durch die jüngsten Luftangriffen der von den USA angeführten Truppen zu Schaden gekommen sein könnten.

Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen sind äußerst besorgt über die humanitäre Lage in Basra. In der Stadt herrscht Wassermangel, seit Tagen ist der Strom ausgefallen. Vertreter des Roten Kreuzes sagten am Donnerstag, sie hätten die Wasserversorgung teilweise wiederhergestellt.

In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder Mutmaßungen darüber gegeben, ob die Briten in die Stadt eindringen würden, um in den Häuserkampf zu gehen. Bisher hat diese Offensive noch nicht stattgefunden. Stattdessen zerstörten sie 14 irakische Panzer und vier gepanzerte Truppentransporter, die den Vorstoß in Richtung Süden machen wollten. "Es war ein sehr schnelles, kurzes und scharfes Gefecht", sagte ein britischer Militärsprecher.

Angaben wonach es sich bei dem Panzerkonvoi um 70 bis 120 Fahrzeuge gehandelt habe, wurden als übertrieben zurückgewiesen. Der britische Offizier Al Lockwood sagte, Milizen von Saddam Husseins Baath-Partei hätten die Familien irakischer Soldaten derart unter Druck gesetzt, dass sich die Soldaten bereit erklärt hätten, mit den Panzern die Stadt zu verlassen. Sie galten der Meinung Lockwoods nach als Versuchskaninchen, um zu testen, wie die Reaktion der Briten sein würde - und die war klar: "Ich kann ihnen versichern, wir haben es ihnen gezeigt", sagte Lockwood.



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