Belfast Protestanten und Katholiken liefern sich Straßenschlachten

Neue Krawalle in Nordirland: Bereits die zweite Nacht in Folge sind Protestanten und Katholiken in der Hauptstadt Belfast aufeinander losgegangen. Die Polizei spricht von einer Eskalation der Gewalt - maskierte Gruppen setzten Molotow-Cocktails und sogar Schusswaffen ein.


London - Es sind Szenen, die man in Nordirland lange nicht mehr gesehen hat: Protestanten und Katholiken haben sich am Dienstagabend bereits die zweite Nacht in Folge im Osten von Belfast Straßenschlachten geliefert. Rund 700 Menschen versammelten sich in den Straßen - Fernsehbilder britischer Sender zeigen Gruppen von maskierten Männern, die sich gegenseitig und die Polizei mit Feuerwerkskörpern, Molotow-Cocktails und anderen Geschossen bewarfen.

Zwei Männer hätten dabei Verbrennungen erlitten, teilte die Polizei mit. Einsatzkräfte sperrten mehrere Straßen ab und versuchten, die Lage in den Griff zu bekommen.

Bereits bei Auseinandersetzungen am Montag waren die Zusammenstöße eskaliert: Zwei Personen wurden durch Schüsse an den Beinen verletzt. Die Kämpfe zu Beginn der Woche seien die schwersten seit Jahren gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Auch auf Polizeifahrzeuge wurde demnach geschossen.

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Krawalle in Nordirland: Straßenschlachten in der Nacht
Maskierte Männer warfen unter anderem Steine, Farbbeutel und Molotow-Cocktails auf von Katholiken bewohnte Häuser in Short Strand, wie Belfasts Bürgermeister Niall O Donnghaile mitteilte. Die Situation sei "angespannt und gefährlich".

Vizepolizeichef Alistair Finlay sprach von der "womöglich schwersten Gewalt, die wir seit längerer Zeit in diesem Bereich gesehen haben".

Seit Jahren laufende Friedensbemühungen

Begonnen wurden die Kämpfe ersten Erkenntnissen zufolge von Mitgliedern der paramilitärischen Gruppe UVF (Ulster Volunteer Force), die eigentlich die Waffen niedergelegt und sich zum Gewaltverzicht bereiterklärt hatte. Die UVF ist eine der größten gewaltbereiten protestantischen Gruppen in Nordirland, die dafür kämpfen, dass die britische Region weiterhin Teil des Vereinigten Königreichs bleibt. Ihnen gegenüber stehen die katholischen Republikaner, die Nordirland als Teil der unabhängigen Republik Irland sehen wollen.

Trotz der seit Jahren laufenden Friedensbemühungen kommt es in Nordirland immer wieder zu Auseinandersetzungen. Anfang April war ein Polizist durch eine Autobombe ums Leben gekommen. Ein Besuch der britischen Königin Elizabeth II. in der Republik Irland im Mai war ohne Zwischenfälle vonstattengegangen.

Die britische Provinz Nordirland war bis zum Abschluss eines Friedensvertrags 1998 der Schauplatz eines blutigen Konflikts zwischen katholischen Nationalisten und pro-britischen Protestanten. Dabei kamen in Lauf von drei Jahrzehnten rund 3500 Menschen ums Leben.

amz/dapd



insgesamt 164 Beiträge
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bunterepublik 22.06.2011
1. Anachronismus
Wenn man diesen Quatsch sieht, erkennt man doch genau, dass auch in der westlichen Zivilisation, Nationalismus, Religionsfanatatismus, Neid und Hass tief verwurzelt sind und dies alles nur durch "Wohlstand" übertüncht wird. Bricht der Wohlstand weg, würde es auch hier in Deutschland so zugehen. Das bei uns gängige arrogante Zeigen mit dem Finger auf andere, insbesondere auf andere Kulturen, ist armselig.
Leser222 22.06.2011
2. .
Wie wär's wenn katholische und anglikanische Kirche mal Verantwortung übernehmen und jeden, der in ihrem Namen Bürgerkrieg betreibt, exkommuniziert? Dann würde zum Einen die Kirche ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangen, zum Anderen würde sich schnell zeigen, wer Bürgerkrieg aus religiösem Eifer, und wer aus anderen Interessen betreibt. Das wird ja langsam unerträglich mit der Bigotterie.
Kalaharry 22.06.2011
3. Was würde dieser Jesus wohl dazu sagen?
Zitat von sysopNeue Krawalle in Nordirland:*Bereits die zweite Nacht in Folge sind Protestanten und Katholiken in der Hauptstadt Belfast aufeinander losgegangen. Die Polizei spricht von einer Eskalation der Gewalt - maskierte Gruppen setzten Molotowcocktails und sogar Schusswaffen ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769740,00.html
Diese brutalen Krawalle mögen "protestantisch", oder "katholisch" sein, aber eines sind sie ganz sicherlich nicht: "christlich"!
eastbayray 22.06.2011
4. peinlicher Kommentar
Protestanten?...ich dachte das heißt Demonstranten. Grüße vom Troll
Rodri 22.06.2011
5. ...
Solange die Briten nicht ihre Besatzung des Norden von Irland beenden, wird es nie Frieden geben.
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